Hessentag 1964 in Kassel: 200.000 sahen den Festzug

Menschen über Menschen: Geschätzte 200 000 Besucher verfolgten beim Hessentag 1964 den Festzug durch die Kasseler Innenstadt. Die Aufnahme entstand an der Oberen Königsstraße vor dem Rathaus. Archivfotos:  Baron

Kassel. Im Juli 1964 fand in Kassel schon einmal ein Hessentag statt. Publikumsmagneten waren der sieben Kilometer lange Festzug und ein Musikfest im Auestadion, in dem sich damals 50.000 Besucher drängten. Das Landesfest dauerte damals nur drei Tage.

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Heute dürften aus Sicherheitsgründen längst nicht mehr so viele Menschen ins Auestadion. Damals im Juli 1964 waren es um die 50.000, die sich beim Musikfest in der noch nicht überdachten Sportarena drängten. Gezählt hat die Menschen niemand, denn der Andrang war so groß, dass irgendwann einfach die Stadiontore geöffnet wurden.

Der Eintritt war frei, das Programm etwas anders als heute. Für Begeisterung sorgten damals 350 Angehörige des Bundesgrenzschutzes, die einen Massentwist auf den Rasen legten und nach diesem modischen Tanz mit ihren Körpern den Schriftzug Hessentag formten.

Heute kommen die Besucher zu den Auftritten der Toten Hosen, damals lockte ein riesiger Chor mit 1000 Sängern. Beim Konzert der vier Nationen traten internationale Militärkapellen aus den USA, aus England, Belgien und Frankreich auf. „Der Beifall knatterte, als würden Dutzende von Raketen gestartet“, schrieb der Kollege von der Hessischen Allgemeinen damals. Neben dem Heeresmusikkorps II sorgten die Motorradstaffel der Bereitschaftspolizei sowie Volkstanz- und Trachtengruppen für Stimmung.

Diolen-Modenschau

Zum Rahmenprogramm des Landesfestes, das an nur drei Tagen mit 430.000 Menschen einen Besucherrrekord verzeichnete, gehörte auch eine Modenschau, die damals von der Kasseler Spinnfaser AG präsentiert wurde. In der Stadthalle wurden Kreationen aus dem Kunststoff Diolen gezeigt. Diese synthetische Faser könne von Freizeit- und Strandkleidung bis zur eleganten Abendgarderobe hervorragend verwendet werden, hieß es. Das Publikum im Blauen Saal war jedenfalls begeistert.

Logenplatz: Aus luftiger Höhe verfolgten diese jungen Männer den Festzug vor dem Rathaus.

Der unbestrittene Höhepunkt des Hessentages vor fast 50 Jahren war der Festzug durch die Kasseler Innenstadt. Der dauerte geschlagene dreieinhalb Stunden, zog sich über sieben Kilometer und wurde von 200.000 Menschen am Straßenrand beklatscht. An dem Festzug beteiligten sich 1500 Musiker und 2000 Mitglieder von Trachtengruppen. 50 Motivwagen sowie 45 Kapellen, Spielmanns- und Fanfarenzüge waren unterwegs. Sie alle spielten ein Ständchen vor der Ehrentribüne am Kasseler Rathaus, auf der unter anderem der hessische Ministerpräsident Georg August Zinn saß.

Dreieinhalb Stunden

Als der Festzug bei strahlendem Sonnenschein zu Ende ging, war das auch der Abschluss der Landesfestes. Die Besucher waren zufrieden, die Kommentatoren auch: „Die ganze Vielfalt des Hessenlandes spiegelte sich in diesen drei Tagen in der Großstadt an der Zonengrenze.“

Von Thomas Siemon

Alle Hessentage mit den Besucherzahlen

1961: Alsfeld, 40 000 Besucher (Dauer: drei Tage). 1962: Michelstadt, 40 000 (3). 1963: Hanau, 60 000 (3). 1964: Kassel, 430 000 (3). 1965: Darmstadt, 350 000 (5). 1966: Friedberg, 120 000 (3). 1967: Bad Hersfeld, 150 000 (3). 1968: Viernheim, 150 000 (3). 1969: Gießen, 200 000 (3). 1970: Wiesbaden, 200 000 (3). 1971: Eschwege, 160 000 (3). 1972: Marburg, 250 000 (9). 1973: Pfungstadt, 160 000 (9). 1974: Fritzlar, 230 000 (9). 1975: Wetzlar, 370 000 (9). 1976: Bensheim: 345 000 (9). 1977: Dreieich, 450 000 (9). 1978: Hofgeismar, 300 000 (9). 1979: Friedberg, 350 000 (9). 1980: Grünberg, 275 000 (9). 1981: Bürstadt, 300 000 (9). 1982: Wächtersbach, 300 000 (8). 1983: Lauterbach, 300 000 (9). 1984: Lampertheim, 400 000 (9). 1985: Alsfeld, 400 000 (9). 1986: Herborn, 350 000 (9). 1987: Melsungen, 400 000 (9). 1988: Hofheim, 450 000 (6). 1989: Frankenberg, 480 000 (9). Ab 1990 dauert das Landesfest 10 Tage.

1990: Fulda, 700 000. 1991: Lorsch, 580 000. 1992: Wolfhagen, 680 000. 1993: Lich, 860 000. 1994: Groß-Gerau, 680 000. 1995: Schwalmstadt, 760 000. 1996: Gelnhausen, 660 000. 1997: Korbach, 700 000. 1998: Erbach, 520 000. 1999: Baunatal, 1, 06 Mio. 2000: Hünfeld, 710 000. 2001: Dietzenbach, 1,1 Mio. 2002: Idstein, 925 000. 2003: Bad Arolsen, 780 000. 2004: Heppenheim, 915 000. 2005: Weilburg, 840 000. 2006: Hess. Lichtenau, 580 000. 2007: Butzbach, 1,1 Mio. 2008: Homberg (Efze), 810 000. 2009: Langenselbold, 1,0 Mio. 2010: Stadtallendorf, 1,1 Mio. 2011: Oberursel, 1,4 Mio. 2012: Wetzlar 1,2 Mio.

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