So gut wie der FC Bayern: Campino beschwört den Geist von 1927

Die Toten Hosen: Heimspiel in der Höhle der Löwen

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Boten eine perfekte Show für die Massen: Sänger Campino (links) und Gitarrist Andreas von Holst.

Kassel. Falls der Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel irgendwann doch noch einmal aufsteigen sollte, müsste sich der Verein bei Campino bedanken. Der Sänger der Toten Hosen beschwörte beim umjubelten Auftritt im ausverkauften Auestadion den Geist von 1927.

Damals, so hat es der Hobby-Historiker Campino rekonstruiert, spielten der KSV-Vorgängerverein SV Kurhessen und der Hosen-Lieblingsclub Fortuna Düsseldorf bei der Westdeutschen Meisterschaft um Platz drei. „Spürt ihr den Geist von 1927?“, fragte er die 30 000 Fans. Passend dazu widmete die Band ihre Sich-nicht-unterkriegen-lassen--Hymne „Steh auf, wenn du am Boden bist“ nicht nur dem rheinischen Bundesliga-Absteiger, sondern auch dem KSV. Keine Frage: Campino und seine Kollegen fühlten sich wohl in der „Höhle der Löwen“, wie er die Arena ehrfürchtig nannte.

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Es wäre eine große Überraschung, wenn der Hessentag 2013 einen noch größeren Abend bringen würde als diesen, für den der Hit „Tage wie diese“ geschrieben zu sein schien. Die Hosen haben die Latte fast so hoch gelegt wie in dieser Saison der von Campino ungeliebte FC Bayern.

Und zwar mit einem perfekt choreografierten Best-of aus der 31-jährigen Bandgeschichte – von den Saufliedern der Anfangstage über Hits wie „Hier kommt Alex“ bis zu den Songs des aktuellen Albums „Ballast der Republik“.

Zwischendurch covern die Hosen „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten, lassen den 14-jährigen Sohn des Schlagzeugers Vom Ritchie ein schönes Duett mit einer Freundin singen und interpretieren mit dem Kasseler Hannes Wader dessen Evergreen „Heute hier, morgen dort“ als Fastbreak-Nummer.

Und natürlich singen alle Fans jede Zeile (und auch die Fußball-Hymne „You’ll Never Walk Alone“) mit – so als seien das hier nicht die Toten Hosen, sondern die Fischer-Chöre.

Ob das alles noch Punk ist, wie ihn die Vorbands Turbostaat und Bad Religion praktizieren, ist völlig egal. Entscheidend ist auf dem Platz. Wenn der KSV nicht schon einen neuen Trainer hätte, müsste er Campino verpflichten.

Bilder des Konzerts

Die Toten Hosen im Auestadion

Von Matthias Lohr

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