Berliner Organisation übt Kritik an Öko-Versprechen

Hessentag: Schwindel mit Klima-Etikett ?

Kassel. Stadt und Land Hessen behaupten, einen „klimaneutralen Hessentag“ in Kassel auf die Beine zu stellen. Daran entzündet sich Kritik. Für Organisationen wie Atmosfair aus Berlin ist Klimaneutralität ein Marketingversprechen, das die Veranstalter nicht einhalten können.

Für das Landesfest wird mit 20.000 Tonnen Kohlendioxidausstoß (CO2) kalkuliert. Diese entstehen etwa durch die An- und Abreise der Gäste, den Strom für Konzerte und den Konsum von Speisen und Getränken. Die ausgestoßene Menge des Treibhausgases, die am Ende des Hessentages von der First Climate Markets AG (Bad Vilbel) ermittelt wird, wollen die Städtischen Werke durch den Kauf von so genannten Verschmutzungszertifkaten ausgleichen. Mit dem Geld – es ist von einer hohen fünfstelligen Summe die Rede – werden Umweltprojekte in Brasilien und China unterstützt, die zur CO2-Reduktion beitragen sollen.

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Für Dr. Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von Atmosfair, ist dieses Versprechen „Augenwischerei“. Eine Großveranstaltung könne niemals „klimaneutral“ sein. Denn erstmal sei die CO2-Belastung entstanden. Ob eine Einsparung andernorts in gleichem Umfang stattfinde, sei schwer zu ermitteln. Nur bei Projekten, die durch die Vereinten Nationen zertifiziert seien, gebe es eine Garantie. Die durch den Hessentag unterstützten Projekte sind nicht UN-zertifiziert. „Sie tragen ein Siegel der Industrie“, sagt Brockhagen. Wenn es die Veranstalter ernst mit dem Klimaschutz meinten, müssten sie alles tun, um CO2 zu vermeiden, sagt Brockhagen. Dies sei wichtiger als der Versuch, sich von der Verschmutzung freizukaufen. Der Aufruf der Hessentagsveranstalters, von Heliumballons abzusehen, habe nur symbolischen Wert.

Der stellvertretende Hessentagsbeauftrage Manfred Merz sagte, es sei in der kurzen Vorbereitungszeit das Möglichste zum Klimaschutz getan worden.

Von Bastian Ludwig

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