Eine Spurensuche

Wie viel Kassel steckt im Hessentag in Hofgeismar?

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Ausstellerin beim Hessentag: Auch Annette Freiburger von FIL Garn und Wolle aus Kassel stellt beim Hessentag Gestricktes aus. Nicht fehlen darf dabei Schaf Gerlinde.

Kassel/Hofgeismar. Montagmorgen am Kasseler Kulturbahnhof. Viele Besucher des Hessentages sind nicht zu sehen, auf das Fest in Hofgeismar weist in der Eingangshalle nur ein Informationsstand hin.

Dort erklärt ein Mitarbeiter, von welchen Gleisen die Züge zum Fest fahren. Der Stand hat seine Berechtigung. Denn auf dem Fahrplan aus dem Automaten steht, die Züge führen ab Gleis 1. Dort, wo Gras über Schienen wächst.

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Wer an den Gleisen sieben und acht angekommen ist, findet sich in der Regiotram drei wieder. Rentner sitzen hier, Jugendliche und Kinder mit Eltern. Nach halbstündiger Fahrt durch saftig-grüne Landschaften, für die sich die Fahrt bereits gelohnt hätte, kommt man am Hofgeismarer Bahnhof an. Es ist bewölkt, 15 Grad.

Die Stadt ist ein guter Gastgeber, Schilder führen unmissverständlich vom Bahnhof zum Fest. Vorbei an Bratwurststand um Bratwurststand, Eis- und Cocktailmixern. Aber wo ist Kassel? Wo Herkules und Bergpark? Ernüchternde Bilanz: Von 170 Ständen auf dem Fest kommen nur 17 aus der nordhessischen Metropole. Dafür gibt es einige Stände von weiter weg, mit Designer-Unterhosen aus Berlin zum Beispiel.

„Das ist hier ja nicht die Landesausstellung“, sagt eine Mitarbeiterin vom Organisationsteam. „Mir hat noch niemand gesagt, dass die Aussteller aus Hessen kommen müssen.“ Es habe mehr als 270 Bewerbungen gegeben. Man müsse eine Mischung an Ausstellern hinbekommen. Das sei zuweilen eine stressige Arbeit, erklärt sie.

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Ein Kasseler Gastronom beklagt, die Stimmung sei „hier und da getrübt“. Andere Aussteller bestätigen das, wollen Kritik aber nicht öffentlich äußern, um im nächsten Jahr noch einen Zuschlag für das Fest zu bekommen. Aus verschiedenen Ecken hört man, die Veranstalter hätten sich zu spät bei Ausstellern gemeldet. Die Planung des Kasseler Hessentags sei strukturierter abgelaufen. Ein Gastronom sagt, problematisch sei die strukturschwache Region Nordhessen. Die meisten Menschen würden Preise zu teuer finden und zur Konkurrenz gehen, wo das Bier nicht 2,50 Euro, sondern 2,30 Euro kostet. In anderen Städten habe man problemlos 7000 Menschen verpflegt, „jetzt stehen wir uns die Beine in den Bauch“.

Annette Freiburger von FIL Garn und Wolle ist zufrieden. Am Sonntag seien mehr Besucher hier gewesen, aber es mache insgesamt Spaß, hier zu sein.

Vertreten ist auch Kassel Marketing. In Halle zwei machen sie Werbung für Stadt und Region. Man fühlt sich ehrlich beraten, Mitarbeiter erklären die Schönheit Kassels, unterschlagen aber auch Nachteile nicht. Ja, das Temperament der Nordhessen sei ab und zu kühl, aber liebenswert.

„Kassel geht auf dem Fest unter“, sagt Besucherin Margrit Andress aus Fuldatal und erinnert sich an alte Zeiten: „In Kassel war es damals eine Wucht.“

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