Nachbarn melden Missstände an Bauaufsicht

Wer sein Auto nicht in die Garage stellt, riskiert Ärger

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So darf es eigentlich nicht aussehen: Eine Garage ist laut Hessischer Bauordnung einzig dafür da, ein Auto zu beherbergen. Umzugskartons, Fahrräder und Gartengeräte abzustellen ist verboten.

Wussten Sie das? In Garagen sollten eigentlich nur Autos stehen. Wer dort lediglich Gerümpel und den Rasenmäher lagert und den Wagen auf der Straße parkt, kann Ärger bekommen.

Keine Fahrräder, Rasenmäher, Umzugskartons und Co. – wer die Hessische Bauordnung (HBO) genau nimmt, darf in seiner Garage ausschließlich sein Auto, Motorrad, Ersatzreifen und Zubehör lagern. Wer seine Garage trotzdem mehr als Lagerhalle denn als Stellplatz nutzt und keinen Platz für sein Auto lässt, kann die Bauaufsicht seiner Kommune auf den Plan rufen. Es droht die Aufforderung zum Rückbau bis hin zu Bußgeldern. „Das kommt bei uns allerdings sehr selten vor“, berichtet der Leiter der Kasseler Bauaufsicht, Stephan Gleim.

In den vergangenen zehn Jahren habe die Behörde kein einziges Mal eine Geldstrafe verhängt, weil eine Garage vollgestellt war. Das mag auch daran liegen, dass die Stellplätze in Kassel nicht auf ihre „Zweckentfremdung“ hin kontrolliert werden. „Wir klingeln nicht bei den Bürgern und lassen uns ihre Garagen zeigen“, erläutert Abteilungsleiter Gleim. Zugestellte Garagen seien nicht sicherheitsrelevant. Außerdem gehe die Behörde vom rechtstreuen Bürger aus. Stattdessen kämen die Hinweise auf Missstände in der Regel von Nachbarn.

Manchmal würden auch Fotos von dem blockierten Stellplatz mitgeschickt. Dann werde die Lage von einem Mitarbeiter der Bauaufsicht vor Ort überprüft und der Verursacher gegebenenfalls schriftlich aufgefordert, seine Garage zu entrümpeln. „Der Appell an die Vernunft der Garagenbesitzer genügt normalerweise“, so Gleims Erfahrung. Eigentlich wolle niemand unnötigen Ärger wegen Gerümpel in der Garage.

Dieses Video stammt nicht von hna.de, sondern von Kabel eins.

Auch wenn die Bauaufsicht keine ständigen Kontrollen durchführt, appelliert Gleim an die Bürger, sich an die Vorgaben zu halten. Schließlich gehe es darum, den öffentlichen Parkraum zu entlasten. „Mit der Satzung soll verhindert werden, dass der Pkw an der Straße abgestellt werden muss, während die eigene Garage durch andere Sachen blockiert wird“, erklärt Gleim. „Wir stören uns dabei nicht daran, wenn zwei Fahrräder mit in der Garage stehen. Aber es sollten keine 20 sein, damit die Funktion als Stellplatz erhalten bleibt“, so der Abteilungsleiter.

Wie viele Stellplätze für ein Gebäude vorzuhalten sind, regeln die Stellplatzsatzungen der Kommunen. Sie legen genau fest, wie viele Stellplätze für ein Gebäude vorzuhalten sind. In Kassel etwa ist es mindestens ein Platz für ein Einfamilienhaus, für Mehrfamilienhäuser werden die Stellplätze ebenfalls mit einem Platz pro Wohnung berechnet. Büros, Praxen, Verkaufsflächen, Sportstätten, Gewerbebetriebe und so weiter werden mit einem bestimmten Schlüssel pro Quadratmeter berechnet. Die Basis für die Stellplatzsatzung der Kommunen ist die Hessische Bauordnung (HBO). Sie soll überarbeitet werden (siehe Hintergrund). An der Regelung für Garagen will die schwarz-grüne Landesregierung allerdings nicht rütteln. Ihre Nutzung soll auch künftig auf das Unterstellen von Kraftfahrzeugen beschränkt bleiben.

Neue Hessische Bauordnung

In Hessen soll Bauen einfacher, schneller und günstiger werden. Dazu will Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) die Hessische Bauordnung (HBO) grundlegend überarbeiten. So soll es bei Neubauten künftig erlaubt sein, bis zu einem Viertel der vorgeschriebenen Autoparkplätze durch Stellplätze für Fahrräder zu ersetzen. Damit aus leer stehenden Büros leichter Wohnungen werden können, soll eine Rückkehr zur früheren Nutzung innerhalb von zehn Jahren leichter werden. Holz soll künftig leichter als Baustoff eingesetzt werden können. 

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