Modehaus am Friedrichsplatz feiert 100. Geburtstag

Aus Hettlage wurde Köhler

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Feiern den 100. Geburtstag des Modegeschäfts: (von links) Mitarbeiterin Johanna Garthoff, Geschäftsleiter Dieter Hellmuth, Gabriele Lanz (Abteilungsleiterin Stella), Abteilungsleiter Jörg Dippel, Mitarbeiter Oliver Schuchardt und Chef Ludwig Vordemfelde.

Kassel. Oft werden Denkmalschützer und ihre Vorgaben sehr kritisch gesehen. Der Unternehmer Ludwig Vordemfelde und sein Vater Friedrich, der vor eineinhalb Jahren gestorben ist, haben nie über den Denkmalschutz in Kassel geschimpft. Im Gegenteil.

„Mein Vater und ich waren froh, dass man uns damals Vorgaben gemacht hat“, sagt Ludwig Vordemfelde. Der Chef des Modehauses Köhler spricht über das Gebäude am Friedrichsplatz, in dem sich das Unternehmen seit 1969 befindet. Eigentlich sollte die alte Kommandantur, die im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, abgerissen werden. Auf Drängen des Denkmalschutzes ließ die Familie Vordemfelde die Fassade abtragen, baute ein neues Geschäft und ließ später die historische Fassade wieder anbringen. Damals trug das Modegeschäft noch den Namen „Hettlage“.

Vor 100 Jahren - im Jahr 1913 - gründete die Familie Boecker, Wanderhändler aus Münster, im Henschel-Haus am Königsplatz das Modegeschäft „Hettlage“ (heute befindet sich dort Mitbewerber P&C). 1952 wurde das Kasseler „Hettlage“ von dem Aschaffenburger Kleiderfabrikanten August Vordemfelde gekauft, der sich ein zweites Standbein mit dem Textileinzelhandel aufbauen wollte. 1969 folgte der Umzug an den Friedrichsplatz, fortan verkaufte „Hettlage“ nur noch Herrenmode. 1995 dann die Namensänderung: Aus „Hettlage“ wurde „Köhler Männermode“, zudem schloss sich das Gebäude an die Königs-Galerie an. Wie kam es zu dem Namenswechsel?

Seit 100 Jahren in Kassel: Das Modehaus Köhler, das bis 1995 unter dem Namen Hettlage firmierte, hat eine lange Tradition. Unser Archivfoto entstand Ende der 1980er-Jahre.

Damals sei der Name „Hettlage“ negativ belastet gewesen, sagt Ludwig Vordemfelde (51), der das Unternehmen in dritter Generation führt. Andere Geschäfte der Hettlage-Gruppe, die nicht der Familie Vordemfelde gehörten, waren pleitegegangen. Für den Namen „Köhler“ entschied man sich, weil man auch in Gießen ein alteingesessenes Herrenfachgeschäft mit dem Namen Köhler hatte. Hinzu kommt ein drittes Geschäft in Fulda.

2009 gab es weitere Veränderungen: Die Fassade wurde nicht nur nach historischen Vorgaben völlig saniert, sondern es wurde im Haus auch wieder Mode für Damen angeboten. „Stella“ eröffnete im Untergeschoss. „Dass dies so eine erfolgreiche Geschichte wird, hätten wir nicht gedacht“, sagt Vordemfelde, der 40 Mitarbeiter in Kassel hat.

Umsatzstärkstes Argument

Auch wenn das Angebot viel größer geworden ist - heute gibt es Hemden, Shirts, Gürtel, Schuhe und Unterwäsche - „ist der Anzug immer noch das umsatzstärkste Argument“.

Der Kasseler Modemarkt sei übrigens sehr umkämpft, sagt der Geschäftsmann. „Es gibt einen starken Binnenmarkt, aber nicht so viele Kunden aus dem Umland.“

Was kommt in Nordhessen besonders gut an? „Rabattaktionen werden hier stärker genutzt als in anderen Städten“, sagt Vordemfelde.

Und wie geht es mit dem Familienunternehmen weiter? Vordemfelde, der verheiratet ist und drei Töchter (19, 16, 12) hat, weiß das noch nicht genau. „Meine mittlere Tochter steht in Gießen oft an der Kasse.“

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