Ab heute gilt höherer Taxitarif - Fahrer dürfen ihn nicht anwenden

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Ämter sind sich noch nicht einig: Die Taxiunternehmer müssen noch warten, bevor sie ihre Taxameter von Fachbetrieben auf die neuen Preise einstellen lassen können. Das Gerät auf dem Bild zeigt eine Prüfsumme bei einer Kontrolle durch die Eichbehörde am Bahnhof Wilhelmshöhe. 

Kassel. Ab heute gelten in Kassel offiziell neue, höhere Taxipreise – nur anwenden kann sie bis auf Weiteres kein Chauffeur. Zwischen den Behörden, die die Umstellung der Taxameter überwachen, gibt es offenbar noch Unstimmigkeiten über Details.

Deshalb laufen die Geräte vorerst mit den bisherigen Tarifen weiter.

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Viele Taxiunternehmer hatten schon einen Termin beim Bosch-Service Wagener gemacht, einem der wenigen Fachbetriebe, die Eingriffe in die Taxameter vornehmen dürfen. Mitarbeiter Mathias Protte musste alle Kunden anrufen und vertrösten: „Wir waren schon in den Startlöchern, haben aber immer noch keine Freigabe.“ Die Salzburger Firma Hale, Hersteller der allermeisten in Kassel verwendeten Taxiuhren, stelle die neuen Tarifdaten erst dann im Internet bereit, wenn die zuständigen Behörden grünes Licht gäben.

Zuständig sind in erster Linie das Kasseler Ordnungsamt und die Hessische Eichdirektion. Bei beiden war am Donnertag kein auskunftsbefugter Mitarbeiter zu sprechen. Der Vollzug der Tarifumstellung werde „wohl noch ein Weilchen dauern“, hieß es inoffiziell.

Geschäftsführer Rolf Freudenstein von der größten Kasseler Taxizentrale sieht die Eichbehörde auf der Bremse stehen und meint auch, den Konfliktpunkt zu kennen: Das Amt verlange, die Taxameter so zu programmieren, dass künftig auch jene drei Euro gezählt werden, die die Unternehmer für jede bargeldlos abgerechnete Fahrt als Bearbeitungsgebühr erhalten.

Dabei geht es vor allem um Dialyse- und sonstige regelmäßige Patientenfahrten, die von den Krankenkassen übernommen werden. Die Taxi-Service-Zentrale, bei der rund die Hälfte der 156 Kasseler Taxis angeschlossen ist, erbringt laut Freudenstein jeden Monat solche Leistungen im Wert von etwa 30.000 Euro sowie das vierfache Volumen an Rechnungsfahrten insgesamt.

„Wir warten zum Teil drei bis vier Monate auf dieses Geld“, klagt Freudenstein, dessen Zentrale die Abrechnung für die einzelnen Unternehmer erledigt. Wieso die Bearbeitungsgebühr von den Taxametern erfasst werden soll, könne er sich nicht erklären: „Dem Kunden ist das doch völlig egal, er bezahlt ja für diese Fahrten ohnehin nicht.“ Die Bearbeitungsgebühr werde erst später vom Rechnungsempfänger – in der Regel den Kassen – beglichen. Bei privaten Stammkunden, die nicht aus medizinischen Gründen transportiert würden, fielen überhaupt keine Gebühren an.

Wie lange es noch dauern wird, bis in Kassels Taxis die neuen, durchschnittlich acht Prozent höheren Fahrpreise berechnet werden, wird sich wohl erst in der Zeit zwischen Pfingsten und der am 9. Juni beginnenden documenta klären.

Aus dem Taxigewerbe war der Anstoß für die Preisanhebung gekommen – mit Verweis auf stark gestiegene Kosten und der Anmerkung, die Fahrpreise seien seit 2007 nicht mehr angepasst worden.

Vor fünf Jahren fand die Tariferhöhung ebenfalls in einem documenta-Jahr statt.

Von Axel Schwarz

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