Digitaler Bürgerdialog

Heute hört die Kanzlerin ihr zu: Kasseler Telefonseelsorgerin bei Online-Treffen

Salome Möhrer-Nolte, Geschäftsführerin der Telefonseelsorge Nordhessen.
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Freut sich auf das Gespräch mit der Bundeskanzlerin: Salome Möhrer-Nolte, Geschäftsführerin der Telefonseelsorge Nordhessen.

Die Leiterin der Telefonseelsorge Nordhessen trifft am Mittwoch, 10. März, die Bundeskanzlerin. Wir haben vorab mit ihr gesprochen.

Kassel – Normalerweise ist Zuhören der Job von Salome Möhrer-Nolte und ihrem Team bei der Telefonseelsorge Nordhessen. Heute hat die 53-jährige Kasselerin aber in erster Linie selbst das Wort – und eine überaus prominente Zuhörerin: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Geschäftsführerin der Telefonseelsorge Nordhessen wird ab 14 Uhr am sogenannten Digitalen Bürgerdialog mit der Kanzlerin teilnehmen.

Nachdem zuletzt Eltern und Studierende mit Merkel per Videokonferenz diskutieren und ihre Erwartungen an die Politik formulieren durften, sind diesmal Vertreter von Krisenhotlines virtuell ins Bundeskanzleramt eingeladen. Dabei wurde Salome Möhrer-Nolte vom bundesweiten Netzwerk der Telefonseelsorgen zusammen mit einer Kollegin aus Ravensburg ausgewählt, an dem Treffen teilzunehmen.

Seit einer Woche weiß die Sozialpädagogin und Supervisorin von dem Termin. In Vorfreude und gespannte Erwartung mischt sich auch eine gute Portion Aufregung, gibt die Mutter von drei Kindern mit einem Lachen zu. Nachts von der Kanzlerin geträumt hatte die 53-Jährige vorher noch nie.

Die Coronapandemie wirke sich auch auf die Arbeit der Telefonseelsorge in der Region aus, sagt die Geschäftsführerin. Zwar sei die Telefon-Hotline auch unter normalem Umständen stark nachgefragt. Aber der Bedarf sei gerade in den Lockdown-Zeiten noch mal gestiegen. Es meldeten sich vor allem mehr Erstanrufer als üblich. „Wir merken sehr deutlich, dass viele Menschen ihre üblichen Kontakte nicht mehr haben und unter Einsamkeit leiden“, sagt Salome Möhrer-Nolte.

Auffällig sei auch, dass mehr Menschen das Gespräch suchten, die unter Ängsten litten. Dabei gehe es nicht nur um die Angst vor einer Erkrankung an Covid-19, sondern oft um Zukunftssorgen und die Frage, ob die Pandemie jemals ein Ende haben werde. „Viele Menschen sind erschöpft durch die lange Zeit der Ausnahmesituation“, weiß Möhrer-Nolte.

Aber auch Ärger über die Corona-Maßnahmen und Unverständnis für das Vorgehen der Politik komme zur Sprache. Dabei trete man grundsätzlich allen Menschen und ihren Anliegen mit einer wertschätzenden Haltung gegenüber, betont die Leiterin der Telefonseelsorge. Coronaleugnern gegenüber dürften die Mitarbeitenden aber auch sagen: „Ich sehe das anders.“ Gleichwohl habe man keinen „Bekehrungsauftrag“, so Möhrer-Nolte, sondern versuche das Gespräch auf die Gefühle, Sorgen und Befindlichkeiten der Anrufer zu konzentrieren.

Gerade in der Pandemie sei der Zusammenhalt in der Gesellschaft wichtig, sagt die Leiterin der Telefonseelsorge. Das wolle sie auch im Gespräch mit der Kanzlerin zum Ausdruck bringen. Ihre wichtigsten Punkte hat sich die Kasselerin vorab notiert für den Fall, dass die Nervosität doch groß wird.

Was die technische Seite des Treffens betrifft, überlässt das Bundeskanzleramt nichts dem Zufall: Schon gestern gab es eine Probe-Videokonferenz. Dabei galt ebenso wie heute: Kabel statt drahtlosem W-Lan. Und auch eine ganze Reihe Schriftstücke mussten vorab unterzeichnet werden.

Mit Blick auf die bisherigen Bürgerdialoge der Kanzlerin ist Möhrer-Nolte zuversichtlich, dass die Gesprächsatmosphäre angenehm sein wird. „Ich habe den Eindruck, sie hört wirklich genau hin und fragt nach.“ Klingt fast so, als hätte Angela Merkel auch Talent als Telefonseelsorgerin. (Von Katja Rudolph)

Service: Der 90-minütige Bürgerdialog kann heute ab 14 Uhr im Livestream über bundesregierung.de mitverfolgt werden. Das Video ist dort auch im Anschluss abrufbar.

Rund um die Uhr kostenlos erreichbar

Die Telefonseelsorge Nordhessen, gegründet 1957, gehört zu den ältesten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Rund 70 ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich aktuell bei der Telefonseelsorge mit Sitz in Kassel. Zum Einzugsgebiet gehören Stadt und der Landkreis Kassel, Werra-Meißner- und Schwalm-Eder-Kreis sowie Teile des Landkreises Waldeck-Frankenberg. Die Telefonseelsorge Nordhessen ist unter den Rufnummern 0800-111 0 111 und 0800-111 0 222 kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Auch per E-Mail und Chat kann man sich an die Telefonseelsorge wenden. Alle Kontaktaufnahmen werden vertraulich behandelt. rud  telefonseelsorge-nordhessen.de

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