Feuerwehrleute aus ganz Hessen lernen ihr Handwerk an der Landesfeuerwehrschule

Hier brennt es jeden Tag

Ernstfalltraining mit Spielzeughäusern: In mehreren solcher Planübungssäle lernen künftige Führungskräfte der Feuerwehr, welche Einsatztaktiken bei der Brandbekämpfung und Hilfeleistung sich in verschiedenen Bebauungssituationen anbieten. Foto:  Schwarz

Kassel. In ganz Hessen gibt es wohl kein zweites Hotel, dessen Bewohner so gelassen bleiben, wenn nahe ihrer Zimmer eine riesige Feuersäule aus einem geöffneten Fenster schießt. Oder wenn sich gleich ein paar Meter weiter Rettungskräfte um einen verunglückten Eisenbahnzug scharen.

Bei der Landesfeuerwehrschule am Rand der Dönche ist das normaler Alltag. Täglich bis zu 240 Übernachtungsgäste sind eigens deshalb angereist, um alle Facetten der Feuerwehrarbeit kennenzulernen.

Die zentrale Landeseinrichtung, die jetzt ihr 75. Bestehen gefeiert hat, gehört zu den größten Feuerwehrschulen in Deutschland. Entsprechend umfangreich ist die Ausstattung mit Übungsmaterial auf dem sechs Hektar großen Gelände. An 40 Einsatzfahrzeugen aller Art können die Lehrgangsteilnehmer trainieren. Es gibt zwei zweigeschossige Übungshäuser, eines davon mit einer Brandsimulationsanlage, die auf Knopfdruck Flammen und Rauch in den Räumen erzeugt. Auf einem kurzen Gleisstück können Bahnunfälle simuliert, an zwei Teichen das Löschwasserpumpen aus offenen Gewässern geübt werden.

So attraktiv die technische Ausstattung auch ist: Viel grundlegendes Wissen haben Hessens Feuerwehrleute meist bereits in ihren Ortsfeuerwehren vermittelt bekommen. „Sobald es aber um Führung oder Spezialisierung geht, müssen alle zu uns“, sagt Silvio Burlon, seit 1995 Direktor der Landesfeuerwehrschule.

Training für Führungskräfte

Deshalb sind die Lehrsäle und Seminarräume mindestens ebenso wichtig wie alles, was brennt, blinkt und spritzt. Sobald man bei der Feuerwehr mindestens fünf Leute befehligen will, muss man per Lehrgangszeugnis nachweisen, dass man das Technisch-taktische ebenso beherrscht wie „die menschliche Seite des Führens“, erläutert Burlon.

Mindestens 14 Tage verbringen ehrenamtliche Brandschützer dafür in der Lehrstätte, deutlich länger dauert die Ausbildung von Berufs- und Werksfeuerwehrleuten sowie von Beamten der Aufgabengebiete Brand- und Katastrophenschutz. Auch Löschkräfte von Flughäfen oder großen Chemiebetrieben absolvieren ihre Ausbildung in Kassel.

Deshalb gehören zum Haus auch Einrichtungen, mit denen eine freiwillige Feuerwehrkraft in der Regel nie in Berührung kommt – etwa eine komplette Einsatzleitstelle für Ausbildungszwecke. Unter anderem deshalb sind die Räume an der Dönche im Ernstfall auch Ausweichsitz für den Krisenstab bei der Hessischen Landesregierung. „Und auch, weil wir hier die nötige Bettenkapazität haben, falls eine Krise länger dauert“, ergänzt Burlon.

Weil viele Lehrgangsteilnehmer wochenlang bleiben, funktioniert die Schule wie ein Hotel und verfügt über 180 Zimmer, Großküche, Caféteria und Fitnessbereich. Knapp 8000 Personen absolvieren jedes Jahr 400 Lehrveranstaltungen in 87 Themenbereichen.

Trotz aller Debatten um Bevölkerungsrückgang und sinkendes Interesse am Ehrenamt sei die Lehrstätte – wie seit vielen Jahren – „immer voll ausgelastet“, sagt Burlon. Das liege daran, dass die Einsatzkräfte nicht mehr so lange Zeit der Feuerwehr verbunden blieben wie früher. So gebe es häufiger Nachrücker für Führungspositionen – und jeder muss dafür erst mal eine Ausbildung machen.

Von Axel Schwarz

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