Hier darf jeder Planer sein

NextKassel: Studenten bieten Internet-Plattform für Zukunftsvisionen

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Plattform für Amateurplaner im Netz: Joana al Samurraie (von links), Ina-Maria Wölfel und Nico Breitenstein sind gespannt auf die Beiträge von Bürgern auf der Internetseite NextKassel.

Kassel. Großprojekte geraten häufig ins Stolpern, wenn schon viele Millionen Euro verbaut worden sind. Der geplante Tiefbahnhof „Stuttgart 21“, der heftige Proteste von Bürgern auslöste, oder auch der Caldener Flughafen, über den nach wie vor in der Region gestritten wird, sind dafür Beispiele.

„Planer haben oft das Gefühl, dass sie die Bürger nicht mehr erreichen“, sagt Julian Petrin, Gastprofessor am Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung der Uni Kassel.

Andererseits gebe es Bürger, die zwar gute Ideen hätten, damit aber bei den Entscheidungsträgern an den Rathausschreibtischen und Ministerien kein Gehör finden. Das will Petrin nun mit einer Gruppe von 20 Bachelor- und Masterstudenten im Rahmen eines zunächst auf ein halbes Jahr angelegten Beteiligungsprojekts NextKassel ändern.

Es geht gewissermaßen um Planung von unten. Wie soll die Stadt in 20 Jahren aussehen? Für diese Frage bieten die Studenten Bürgern der Fuldastadt eine Plattform, um ihre Visionen zu entwickeln und mit anderen zu diskutieren.

Projekt gut angelaufen

„Wir versprechen, dass alle Ideen ernst genommen werden. Wir wollen zunächst herausfinden, welches Bild die Bürger von ihrer Stadt haben“, sagt Joana al Samurraie, angehende Stadtplanerin im Masterstudium. Der Anfang im Internet sei vielversprechend. Innerhalb einer Woche habe das Projekt auf Facebook bereits 500 Anhänger gewonnen.

Petrin hat in Hamburg diese neue Form der Bürgerbeteiligung bereits erfolgreich ausprobiert. Beispielsweise sei dort eine fruchtbare Diskussion um die Zukunft des Hafens, vorher ein politisches Tabu in der Hansestadt, in Gang gekommen. Der Professor hofft, dass sich das Projekt „NextKassel“ zu einem „Akteur“ entwickelt, der die Stadtplanung in Kassel mitbestimmen kann. Die Studenten werden zunächst Ideen auf ihrer Internet-Plattform sammeln und zu Themenkomplexen zusammenfassen. „Jeder Bürger erhält eine Rückmeldung“, versprechen sie. Außerdem sollen Kasseler Bürger auf dem Campus, in Einkaufszentren und auf dem Weihnachtsmarkt befragt werden.

Als Finale wird es Ende Januar oder Anfang Februar einen Bürger-Workshop geben. Die Ergebnisse sollen als Report veröffentlicht werden. Dafür würden noch große Räumlichkeiten gesucht, sagt Petrin.

Er hoffe, dass sich Folgeprojekte an der Universität anschließen, damit die gesammelten Ideen auch umgesetzt werden können.

Info und Kontakt:
www.Nextkassel.de
www.facebook.com/Nextkassel

Von Peter Dilling

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