Pflegeschüler leiten für einen Monat eine Station

Im Diako in Kassel haben die Azubis das Sagen

Die Auszubildenden Romina Bove (links) und Jakob von Stockhausen messen bei Patient Horst Garbe den Blutdruck. Auf der Station 5C in den Diakonie-Kliniken haben Azubis derzeit das Sagen.
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Bei der Arbeit: Die Auszubildenden Romina Bove (links) und Jakob von Stockhausen messen bei Patient Horst Garbe den Blutdruck.

In den Diakonie-Kliniken Kassel läuft ein spannendes Projekt: Auszubildende leiten aktuell eine Station. Wir haben uns dort umgesehen.

Horst Garbe fühlt sich gut aufgehoben. Der 89-Jährige ist Patient in den Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel (DKK). Sein Bein schmerze etwas, so in der Kniekehle, und ihm sei etwas schwindelig, ansonsten sei alles gut. Romina Bove und Jakob von Stockhausen messen bei ihm Blutdruck – nichts Ungewöhnliches für angehende Krankenpfleger. Einen Unterschied gibt es aber doch:

Die beiden Azubis haben derzeit das Sagen auf der Geriatrie-Station 5C.

Unter dem Motto „Jetzt leiten wir“ wird Auszubildenden zur Gesundheitsfachfrau und zum Gesundheitsfachmann die Möglichkeit gegeben, für einen Monat eine Station zu übernehmen. Zum dritten Mal findet dieses Projekt statt, 19 Pflegeschüler sind beteiligt, „sie erledigen Tätigkeiten, die sonst von examinierten Fachkräften gemacht werden“, sagt Peter Fischer, der sich um die Ausbildung kümmert. Dazu zähle zum Beispiel, Betten zuzuweisen, Transporte zu organisieren und Ärzte bei der Visite zu begleiten. Fischer gehört zum Christlichen Bildungsinstituts für Gesundheitsberufe (CBG), mit dem das Diako kooperiert.

Romina Bove und Jakob von Stockhausen teilen sich die Stationsleitung. Von den anderen Azubis sind sie gewählt worden. Die beiden 21-Jährigen sprechen von einem Sprung ins kalte Wasser. Von größerer Verantwortung, die plötzlich da sei. „Auf einmal bist du Ansprechpartner für alle“, sagt von Stockhausen. Für die Patienten, na klar, für die Kollegen, auch die Ärzte erkundigten sich – etwa nach dem Befinden der Patienten oder welche Medikamente verabreicht wurden. „Die Antworten musst du parat haben“, sagt Bove.

Parallel zur Verantwortung erhalten die Azubis aber auch die Freiheit, selbst zu gestalten. Als Stationsleitung „musst du sehen, dass der Laden läuft“, erklärt von Stockhausen. Sie kümmern sich um Dienstpläne, teilen Schichten ein und versuchen, wenn nötig, Konflikte aus der Welt zu schaffen. Sie hätten vorab überlegt, was sie anders machen könnten und sich dafür entschieden zu verhindern, dass Patienten nachts geweckt und gewaschen werden.

Natürlich dürfen sie nicht alles auf den Kopf stellen. Es gebe feste Abläufe, „da können wir nicht einfach reingrätschen“, sagt von Stockhausen, der zudem erklärt, dass sich immer drei examinierte Pflegefachkräfte im Hintergrund aufhielten. Zum Beispiel fehle den Azubis der Zugang zu bestimmten Betäubungsmitteln. Außerdem kann es zu brenzligen Situationen kommen. Wie gleich in der ersten Woche des Projekts, als ein Patient extrem schlechte Blutwerte aufgewiesen habe und kaum noch ansprechbar gewesen sei, wie Bove berichtet. Da sei es dann gut, dass die Erfahrenen sofort eingreifen.

Eingerichtet ist die Station 5C mit 30 Betten. Zum Auftakt wurden der neuen Stationsleitung direkt zwei Schüler abgezogen. „Da mussten wir gucken, wie wir personell durchkommen“, sagt von Stockhausen. Das sei die Realität. Gerade in den ersten Tagen habe er viel von der Arbeit mit nach Hause genommen, hätte nicht abschalten können. Aber immerhin hätten sie es geschafft, ergänzt Bove, dass jeder Mitarbeiter weniger Patienten zugeteilt bekäme und so eine bessere Versorgung gewährleistet sei.

Ein Punkt, der beiden am Herzen liegt. Von Stockhausen macht die Arbeit extrem Spaß. Er spricht aber auch von frustrierenden Momenten, „in denen man aus zeitlichen Gründen nicht mehr für die Patienten tun kann“. Bove schätzt die Vielseitigkeit an dem Job. Sie seien wie Begleiter für die Patienten.

Von ihrem Ausbilder Peter Fischer bekommen die Azubis gute Noten. Und Patienten wie Horst Garbe sind zufrieden. Sein Blutdruck liegt bei 120 zu 90. Alles okay also. „Die jungen Leute haben alles im Griff“, sagt er. (Robin Lipke)

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