Hightech-Computer unterstützt Mediziner

Bei Vitos in Kassel hilft ein Roboter bei der OP

Dr. Sebastian Siegert, leitender Oberarzt der Wirbelsäulenorthopädie bei Vitos in Kassel, demonstriert, wie der neue Roboter funktioniert. Zu sehen ist der Monitor mit den farblich markierten Schrauben.
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Dr. Sebastian Siegert kann auf dem Monitor des Roboters sehr gut erkennen, ob sich die farblich markierten Schrauben an und in der richtigen Position befinden.

In der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel (OKK) hilft seit Kurzem ein Roboter bei Operationen an der Wirbelsäule. Mit Science-Fiction hat das aber nichts zu tun.

Für Dr. Sebastian Siegert und seine Kollegen gibt es außergewöhnliche Hilfe. In der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel (OKK) kommt bei Operationen an der Wirbelsäule seit Kurzem ein Roboter zum Einsatz. Der Globus Excelsius GPS sorge für mehr Sicherheit und für „Genauigkeit auf den Millimeter“, sagt Siegert, leitender Oberarzt der Wirbelsäulenorthopädie. Das Gerät erleichtere die Arbeit ungemein.

Wer jetzt ein bisschen an Science-Fiction denkt, muss nicht in Panik geraten. Der Roboter könne das, „was wir ihm sagen“, erklärt Siegert. Eigenständig mache die Maschine – nichts. Der Globus Excelsius schneidet nicht, bohrt nicht und er implantiert auch nicht. Dank des Hightech-Computers wissen die Operateure, wo und in welchem Winkel Schrauben eingesetzt werden müssen.

Wirklich spektakulär sieht der Globus Excelsius zwar nicht aus: Unten ein schlichter Kasten auf Rädern, oben ein Monitor und dazwischen ein schwenkbarer Arm – aber dafür kann er was. Der Roboter unterstützt bei minimalinvasiven Operationen, also bei Eingriffen mit möglichst kleinen Einschnittstellen.

Nicht besonders spektakulär: So sieht der Roboter Globus Excelsius GPS aus.

Dabei handelt es sich um Brüche der Wirbelsäule, um Frakturen im Becken, um Osteoporose oder auch um Verschleiß der Bandscheibe. Ohne das Gerät müssten während einer OP 70 bis 80 Röntgenbilder geschossen werden, um zu kontrollieren, ob die Schrauben korrekt platziert werden, sagt Siegert. Mit dem Roboter müsse das mobile Röntgengerät nur zweimal bedient werden, was die Strahlenbelastung für Patienten und „für das gesamte Team erheblich reduziert“.

Aktuelle Aufnahmen gleicht der Roboter mit Röntgenbildern ab, die vor der OP gemacht wurden. Nun rechnet die Maschine, dann schwenkt der Globus Excelsius seinen Arm, positioniert den Endeffektor, das Zielgerät, über dem Patienten, und der Arzt kann loslegen. Siegert erklärt: „Der Endeffektor gibt uns millimetergenau den Bohrkanal vor.“ Zusätzlich zeigt der Computer die wesentlichen Schritte auf dem Touchscreen an.

Der Mediziner berichtet, dass bei minimalinvasiven Eingriffen immer etwas Ungewissheit bestünde, ob die Schraube tatsächlich dort sitzt, wo sie hingehört. Mithilfe des Roboters landen die Schrauben nun an und in der exakten Position.

Neben der Präzision bringt der neue Hightech-Kollege weitere Vorteile in den OP-Saal mit. Punkt eins: Die Einschnitte seien kleiner und dadurch werde weniger Gewebe verletzt, sagt Siegert. Punkt zwei: Die OP-Zeiten verringerten sich. Punkt drei: Der Patient habe nachher weniger Schmerzen und sei schneller wieder fit.

Im Sommer kam der Roboter in einer Holzkiste aus den USA in Nordhessen an. In Lingen, wo solch ein Gerät ebenfalls genutzt wird, hatte sich Siegert bei den Kollegen vor Ort zuvor ein Bild gemacht – und war begeistert. Sein Antrieb: „Überall nutzen wir technische Hilfe, zum Beispiel beim Autofahren. Warum nicht auch beim Operieren?“ In Deutschland käme der Roboter in vier Kliniken zum Einsatz, in den USA seien 180 Exemplare in Betrieb.

Mit allem Zubehör hat sich Vitos die Anschaffung rund eine Millionen Euro kosten lassen. Eine Investition in die Zukunft, wie Siegert findet. Er geht davon aus, dass Patienten gezielt nach solchen Möglichkeiten fragen werden, wenn sie unters Messer müssen. Nur eine Sache fehlt dem Roboter noch: ein Name. „Da hatten wir bislang keine Idee.“ Vielleicht werden sie bei Vitos ja durch einen Science-Fiction-Film fündig. (Robin Lipke)

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