Filme, Performances und Diskussionen rund um den Fußball

Ballaballa der documenta: Fußballprojekt zur EM

So sah „Fußballaballa“ in Berlin aus: Ab morgen verwirklicht das ZK/U das Projekt zur EM mit Dynamo Windrad und den Streetbolzern in Kassel. Hier werden wegen Corona weniger Besucher zusammenkommen – mit Abstand
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So sah „Fußballaballa“ in Berlin aus: Ab morgen verwirklicht das ZK/U das Projekt zur EM mit Dynamo Windrad und den Streetbolzern in Kassel. Hier werden wegen Corona weniger Besucher zusammenkommen – mit Abstand

Bis zur nächsten documenta dauert es noch. Ein Partner der Kunstschau verwirklicht nun aber ein ungwöhnliches Fußballprojekt zur EM.

Kassel – Kunst schafft manchmal etwas, was dem Fußball nicht gelingt. Fast sein ganzes Leben lang hat sich Jan van Esch nicht für Fußball interessiert. „Ich bin nicht mit Fußball aufgewachsen – auch weil ich mich dort nicht sicher gefühlt habe“, sagt der niederländische Künstler. Viele Homosexuelle kennen dieses Gefühl. Doch seitdem van Esch für das Berliner Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) das Projekt „Fußballaballa“ betreut hat, ist er auch Fußball-Fan. Durch die Kunst erkennt er nun „die Schönheit des Spiels“ und der Idee: „Hier kommen Gruppen zusammen, die sonst nicht zusammenkommen.“

So wird es auch ab Freitag sein, wenn das ZK/U als Teil der documenta das ungewöhnliche Projekt mit Dynamo Windrad und den Streetbolzern startet. Die Berliner sind die einzige deutsche Kulturinstitution, die Lumbung-Kooperationspartner der documenta ist. Nach vier Auflagen in Berlin verwirklicht das ZK/U „Fußballaballa“ zum ersten Mal außerhalb seiner gerade renovierten Zentrale in Moabit.

Bis zum Finale am 11. Juli werden alle EM-Spiele gezeigt – abwechselnd im Windpark Jahn in Rothenditmold sowie dem Nordstadt-Stadion. Vor, während und nach den Spielen gibt es ein Programm, das sich mit den gesellschaftlichen Problemen des Fußballs beschäftigt.

So geht es zum Start am morgigen Freitag im Windpark um queere Fans und Spieler. Es läuft ein Animationsfilm über einen schwulen Fußball-Hooligan, der sich nicht outen kann, weil seine Freunde Homosexualität nicht akzeptieren. In den Tagen danach folgen unter anderem eine Doku über einen kenianischen Trainer, der in einem Slum in Nairobi lebt. Der Satiriker Thomas Gsella diskutiert über Fußball und politischen Aktivismus. Es gibt einen alternativen Karaoke-Wettbewerb und Performances.

Die Vereine Dynamo Windrad und Streetbolzer hat das ZK/U ausgewählt, weil sie „eine ähnliche Einstellung zum Fußball haben wie wir“, wie van Esch sagt. Es wird über den Platz hinaus geschaut. Der 51-Jährige, der in Berlin und Amsterdam lebt, findet die Dezentralität der EM interessant. Das Turnier findet in ganz Europa statt und erweitert so die Idee des Nationalstaats. Zugleich werden alte Stereotypen bestätigt.

Erweitert werden am Ende auch die Spielstätten von „Fußballaballa“: Das Finale findet im Ruru-Haus in der Königsstraße statt – wie bei allen anderen Terminen unter Berücksichtigung der Hygieneregeln. (Matthias Lohr)

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