Straßenschilder, die nach Personen benannt sind, sollen Zusatzinfos erhalten

Wer ist hier Namensgeber?

Wieder was gelernt: Die Gräfestraße in Wehlheiden hat ihren Namen von Heinrich Gräfe (1802-1868) bekommen. Er war Reformpädagoge und laut Angaben des Zusatzes zum Straßenschild „Neugestalter des Kasseler Realschulwesens“. Foto: Herzog

Kassel. Kassels Straßen, die nach Personen benannt sind, sollen bis zum Stadtjubiläum im Jahr 2013 Zusatztafeln mit Informationen zu ihren Namensgebern bekommen.

Denn: Wer weiß schon, wer Felix Blumenfeld war, der einer Wohnstraße in Harleshausen seinen Namen gab, in welcher Disziplin die Namenspatronin Berta von Suttner einen Nobelpreis erhielt oder welche politische Funktion Kurt Schumacher hatte? (Siehe Hintergrund unten.)

1378 Straßennamen

Wir sind in der Stadt umgeben von Straßennamen, die nach bekannten Persönlichkeiten benannt sind. Von insgesamt 1378 Straßennamen in Kassel beziehen sich 509 auf Personen. Nicht jedem sagen alle Namen etwas. Deshalb sollen jetzt die Straßenschilder nach und nach Zusatztafeln mit biografischen Angaben bekommen.

Ausgehend von einem SPD-Antrag in der Stadtverordnetenversammlung vor vier Jahren hatte der Magistrat bereits 2008 einem entsprechenden Konzept zugestimmt. „Seit 2010 wird es sukzessive umgesetzt“, sagt Wiho Wessel, der Leiter des städtischen Amts für Vermessung und Geoinformation, das mit der Projektsteuerung beauftragt ist.

72 Straßenschilder sind bereits ergänzt. „Aktuell sind 104 Straßennamen in der Bearbeitung, 239 stehen noch an“, sagt Wolfgang Schmidt vom Geoinformationsamt. Es ist federführend bei Straßenbenennungen, und dort geschieht auch die Grundrecherche zu den Namensgebern. Die Entwürfe gehen an das Stadtarchiv zur Korrektur, wo man mit wissenschaftlicher Akribie die Historie der Straßennamen erforscht. Mit einer Spende in Höhe von 2000 Euro von der Kasseler Bank wird hierfür die Arbeit eines studentischen Mitarbeiters finanziert. Er durchforstet die Archivalien und feilt an den knappen biografischen Formulierungen für die Schilder. Das ist bisweilen eine Kunst: Nur drei Zeilen dürfen beschrieben werden. „Es ist immer ein Kompromiss“ sagt die Leiterin des Stadtarchivs, Dr. Alexandra Lutz.

Manche Recherchen führten auch ins Leere, sagt Schmidt. Beispielsweise sei nicht mehr festzustellen, welcher Olga die Olgastraße ihren Namen zu verdanken hat. „Es kann auch sein, dass wir vorhandene Zusatzschilder überarbeiten müssen, weil sie überaltet sind.“

Steht der Text fest, werden die Schilder vom Straßenverkehrs- und Tiefbauamt angefertigt und montiert. Pro Schild rechnet Schmidt mit 50 Euro Materialkosten. Seit 2000 werden in Kassel alle neu nach Personen benannten Straßen automatisch mit Zusatzschildern versehen. Ein Stadtteil ist komplett mit Zusatzschildern ausgestattet: Bad Wilhelmshöhe. Hier hatte der Bürgerverein das Vorhaben konsequent vorangetrieben und war für sämtliche Kosten aufgekommen. WEITERE ARTIKEL

Von Christina Hein

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