Seit 175 Jahren

Seit 1838: Bei Uhrmacher- und Juwelier Siebeneicher tickt es immer richtig

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Sie kennen sich noch mit der alten Technik aus: Martin und Werner Siebeneicher reparieren in ihrem Uhrengeschäft am Rathaus mit Klammerdrehbank und Wälzmaschine antike Uhren. Mit den Geräten können Zahnräder hergestellt werden.

Kassel. Die Zeit vergeht überall. Doch in keinem Beruf ist dies so präsent wie in dem von Werner und Martin Siebeneicher. Das heute von der Familie geführte Uhrmacher- und Juweliergeschäft am Rathaus wird am Freitag, 15. November, 175 Jahre alt.

Andreas Tack hatte am 15. November 1838 – das ist jetzt knapp 92 Millionen. Minuten her – das Uhren- und Goldwarengeschäft an der Hohenthorstraße (früher hinter der Martinskirche) eröffnete.

Nach mehreren Umzügen wird das Geschäft seit 1958 von der Uhrmacherfamilie Siebeneicher geführt. Heute hat es seinen Sitz an der Wilhelmsstraße. Dass sein Geschäft zwei Weltkriege und etliche Revolutionen der Uhrentechnik überdauerte, hat für Werner Siebeneicher (67) mehrere Gründe.

Eine Rolle spiele, dass der Reiz mechanischer Uhren zuletzt wieder mehr Menschen erreicht habe. Es gebe eine wahre Renaissance dieser alten Technik. „Die Menschen wollen in einer komplizierten Welt etwas Greifbares haben“, sagt der Seniorchef.

In seinem Betrieb sind die alten Werkzeuge und Maschinen bewahrt worden, mit denen antike Uhren repariert werden können. „Dafür braucht es viel Geduld, aber die alten Stücke haben für viele unserer Kunden ideellen Wert.“

Exklusivvertrag

Neben dem nordhessischen Exklusivvertrieb von Automatikuhren der Firma Sinn, werden weitere bekannte Marken wie Chronoswiss und Frederique Constant angeboten.

Was 1838 noch in Kassel geschah

Als das Uhren- und Goldwarengeschäft 1838 in Kassel gegründet wurde, waren die Begleitumstände anderer als heute:

• Kassel hatte nur 31 400 Einwohner und Carl Schomburg ist Oberbürgermeister.

• Um sich eine einfache Taschenuhr leisten zu können, musste ein Geselle damals drei Wochen lang arbeiten.

• Louis Spohr wirkte als Kapellmeisterin Kassel.

• Im Park Wilhelmshöhe wird das Tabakrauchen bei ein bis fünf Taler Strafe verboten.

„Eine weitere unserer Stärken ist es, handwerklichen Schmuck herzustellen“, sagt Werner Siebeneicher. Für die Kreationen ist sein Sohn Martin (42) verantwortlich. Insgesamt arbeiten vier Mitarbeiter in dem Betrieb.

„Die Menschen wollen in einer komplizierten Welt etwas Greifbares haben.“

Ein weiteres Standbein der Firma ist die Herstellung von Pokalen und regionaler Produkte. Nach der Herkulesuhr und der Himmelsstürmeruhr hat Martin Siebeneicher ganz aktuell die Weltkulturerbeuhr mit einer speziellen Gravur entworfen. Sie ist bis Ende des Jahres erhältlich.

Geschenk an die Stadt

Zum Jubiläum haben die Siebeneichers keine Feier geplant. Stattdessen hatten sie der 1100 Jahre alten Stadt ein Geschenk gemacht. Ein Jahr lang dauerte die Herstellung einer Replik des Kasseler „Willkomm Humpen“.

Mit dem Trinkgefäß wurden früher Gäste der Stadt mit Wein begrüßt. Der Humpen war bereits Anfang des Jahres an den Oberbürgermeister übergeben worden.

Seit 175 Jahren in Kassel: Juwelier Siebeneicher

Seit 175 Jahren in Kassel: Juwelier Siebeneicher © HNA
Firmengründer Andreas Tack © HNA/repro Ludwig
Bei der Arbeit: Martin und Werner Siebeneicher
Seit 175 Jahren in Kassel: Juwelier Siebeneicher © HNA
Werner Siebeneicher
Seit 175 Jahren in Kassel: Juwelier Siebeneicher © HNA
Werner Siebeneicher
Seit 175 Jahren in Kassel: Juwelier Siebeneicher © HNA
Martin Siebeneicher
Seit 175 Jahren in Kassel: Juwelier Siebeneicher © HNA
Seit 175 Jahren in Kassel: Das Team von Juwelier Siebeneicher © HNA
Seit 175 Jahren in Kassel: Martin und Werner Siebeneicher überreichen Anfang 2013 eine Replik des Kasseler „Willkomm Humpen“ an Oberbürgermeister Bertram Hilgen. © HNA

Von Bastian Ludwig

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