Labor in Kassel feiert Jubiläum

Aus der Arzt-Praxis ins Labor: Blut-Checks seit 50 Jahren

Zu sehen ist das Gemeinschaftslabor nordhessischer Ärzte in Waldau. Von links: Dr. Volker Bornscheuer (ärztliche Aufsicht), Laborleiter Jegor Wygowski mit verschiedenen Proben und die ehemalige Laborleiterin Evelyn Kloppmann.
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Ein Blick ins Labor in Waldau: Dr. Volker Bornscheuer (ärztliche Aufsicht; von links), Laborleiter Jegor Wygowski mit verschiedenen Proben und die ehemalige Laborleiterin Evelyn Kloppmann.

Das Gemeinschaftslabor nordhessischer Ärzte in Kassel gibt es seit 50 Jahren. Es war das erste seiner Art in Hessen. In fünf Jahrzehnten hat sich die Analyse enorm entwickelt.

Wer beim Hausarzt sein Blut untersuchen lässt, kennt das Prozedere, das der Mediziner in der Regel so formuliert: „Wir schicken die Probe ins Labor, morgen sind die Ergebnisse da.“ Für diese Ergebnisse sorgt etwa das Gemeinschaftslabor nordhessischer Ärzte. Es war das erste seiner Art in Hessen. In diesem Monat feiert es 50-jähriges Bestehen.

Mehr als 200 Arztpraxen arbeiten mit dem Labor zusammen. Täglich würden bis zu 20 000 Proben analysiert, sagt Laborleiter Jegor Wygowski. In den Anfangszeiten seien am Tag maximal 100 Werte erhoben worden, ergänzt Evelyn Kloppmann, die fast von Beginn an mit dabei war: „Früher haben wir alles mit der Hand gemacht. Und früher waren gewisse Parameter noch nicht bekannt“, sagt die langjährige Laborleiterin. Heißt: Heute könnten mehr als 1600 Werte im Blut ermittelt werden, früher seien es vielleicht 80 gewesen.

Früher – damit ist das Jahr 1971 gemeint, als vier Internisten aus Kassel die Idee hatten, die Labortätigkeiten aus ihren Praxen auszugliedern. Otfrid Schäfer, Justus Hess, Wilhelm Schmiking und Dieter Gilbert hießen die Herren, denen Volker Bornscheuer heute wahren Pioniergeist bescheinigt. Bornscheuer übernimmt aktuell die ärztliche Aufsicht im Labor und sagt: „Für uns Ärzte wurde die Arbeit durch die Labore enorm erleichtert. Sie waren und sind ein wichtiger Baustein der Diagnostik.“

Angefangen hatte alles in Otfrid Schäfers Privaträumen. Die Internisten teilten sich die Kosten, stellten ein paar Helferinnen ab, die täglich Proben unter die Lupe nahmen. „Da wurde die Pipette noch mit dem Mund aufgesaugt. Heute undenkbar“, sagt Bornscheuer. Zuvor kamen Hausärzte höchstens einmal pro Woche dazu, Blut, Urin oder Stuhl von ihren Patienten zu analysieren.

1975 in der Kölnischen Straße: Zu sehen sind (von links) Karin Langnickel, Melanie Stock und Birgit Müller.

Schnell reichte der Platz nicht mehr aus. Das Labor siedelte um an die Kölnische Straße – im Vergleich zu heute wirkten die Räume eher wie eine Küche. Nach elf Jahren zog das Labor ins Dez, dorthin, wo sich heute die Eisdiele befindet. „Langsam wurde die Arbeit automatisierter“, berichtet Kloppmann. Das Pipettieren etwa übernahmen Maschinen. 2012 wechselte das Labor erneut den Standort. Seitdem werden im Industriegebiet in Waldau Proben analysiert – vor allem, aber nicht nur Blut. Inklusive Fahrdienst sind pro Tag 45 Mitarbeiter im Einsatz. Früher gab es fünf Vollzeitkräfte.

1984 im Dez: In das Labor ist schon mehr Technik eingezogen. Vorn ist Silke Bußmann zu sehen.

Interessant ist ein weiterer Vergleich: In den ersten Jahren kostete es 12 D-Mark, um einen Parameter zu erheben. Heute sind es 25 Cent. Und heute geht es rasant und technisch zur Sache. Die Proben, die von Hausärzten mit einem Barcode versehen wurden, lädt ein Roboter aufs Band. Die Ampullen fahren zum Untersuchungsgerät, und dank des Codes weiß der Analyse-Apparat, was genau untersucht werden muss. Die reine Messung für ein Blutbild dauere 25 Sekunden, erklärt Laborleiter Wygowski.

Heute seien für die Arbeit vor allem technisches Verständnis und EDV-Kenntnisse nötig. Als schlagartig die Nachfrage nach PCR-Tests explodierte, „mussten wir den Apparat erst einmal umrüsten“, sagt Wygowski. Zu den Aufgaben gehöre außerdem, die Ergebnisse zu interpretieren. Die Zeiten, als Laborantinnen die Proben mit der Hand unter ein Mikroskop packten, sind lange vorbei. (Robin Lipke)

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