Früheres Molkereigelände in Waldau ist Umschlagplatz für Autos, die die Werks-Mitarbeiter bestellen

Hier wird der neue VW aufpoliert

+
Lichttunnel macht kleinste Makel sichtbar: Lutz Heyser (rechts), technischer Direktor bei Formel D, und Christoph Becker, Leiter des Pkw-Verkaufs an Werksangehörige in Baunatal.

Kassel / Baunatal. Das frühere Gelände der Kurhessischen Molkereizentrale an der Falderbaumstraße in Waldau ist zum riesigen Umschlagplatz für jene 16 000 Autos geworden, die die Werksangehörigen von Volkswagen in Baunatal jedes Jahr bestellen.

Der Automobildienstleister Formel D hat seit 1. November von VW den Auftrag übernommen, die Wagen fertig für die Auslieferung zu machen. Dafür hat die Unternehmensgruppe mit Sitz im rheinischen Troisdorf gut zwei Millionen Euro in das 4,5 Hektar große Gelände investiert.

Dicht aufgereiht stehen die neuen, noch mit Schutzfolien beklebten VW auf den 1150 Außenparkflächen – ein immenser Wert, entsprechend hoch sind die Sicherheitsvorkehrungen. Dutzende Kameras, auf Dachflächen montiert, erfassen jeden Winkel des Geländes, das nachts von Scheinwerfern ausgeleuchtet und rund um die Uhr von Sicherheitskräften bewacht wird. Auch die stabile Einzäunung ist neu. Selbst wenn Autodiebe eine Lücke hineinschnitten, würden sie beim Abtransport an Erdwällen scheitern, die an den Grundstücksgrenzen aufgeschüttet wurden. „Die sind hier gesichert wie Fort Knox“, sagt Christoph Becker, Leiter des Autoverkaufs an die VW-Belegschaft in Baunatal.

Sobald Becker für seine Kunden einen Wagen in Waldau abruft, treten die 40 Formel-D-Mitarbeiter in Aktion: Sie nehmen alle Schutzvorrichtungen ab, prüfen das Auto akribisch auf Transportschäden und spendieren ihm an einer neu errichteten Tankstelle eine erste Spritfüllung.

Dann läuft das Auto durch eine Waschanlage in die 7000 Quadratmeter große Halle. Dort besorgen Kfz-Mechatroniker die Übergabeinspektion, bevor Pflegespezialisten jeden Winkel des Innenraums reinigen, Kleberreste entfernen und den Wagen auf Hochglanz polieren. Gearbeitet wird bei spezieller Beleuchtung in Kleidung ohne Reißverschlüsse und mit verdeckten Knöpfen, damit nach aller Mühe nicht noch Kratzer entstehen.

In einem Lichttunnel werden bei der Schlussabnahme auch kleinste Makel im Lack sichtbar und in Handarbeit wegpoliert. „Unser Ziel ist absolute Mängelfreiheit“, sagt Lutz Heyser, technischer Direktor bei Formel D in Kassel. Die fertig aufbereiteten Autos – etwa 80 pro Tag – werden dann in geschlossenen Lkw zum Kundencenter auf dem Baunataler Werksgelände gefahren. „Nichts wäre schlimmer“, so Heyser, „als wenn die Autos nach all unserer Arbeit auf den letzten Metern noch Baustellenstaub oder einen Platzregen abbekämen.“

Spuren vom alten Flugplatz

Zunächst drei Jahre läuft der Vertrag, den VW mit dem Dienstleister geschlossen hat. Formel D ist laut Heyser darauf eingerichtet, längerfristig an dem Standort zu bleiben. Die Kapazität in Waldau sei darauf ausgelegt, pro Jahr bis zu 30 000 Autos aufbereiten zu können. Bei den Umbauarbeiten auf dem Gelände ist Formel D auch auf historische Hinterlassenschaften gestoßen: Ein etwa drei Quadratmeter großes Betonstück vom Rollfeld des früheren Flugplatzes Waldau hat einen Ehrenplatz auf einem Grünstreifen erhalten.

Von Axel Schwarz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.