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High-Tech im Ohr versteckt

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Von: Simone Reichhold

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Das Foto zeigt ein IdO-Hörsystem.
Das Foto zeigt ein IdO-Hörsystem. Diese Geräte sind so klein, dass sie von außen kaum sichtbar sind, da sie im Ohr verschwinden. ©  Fotos: Hess Hören / Privat

Tino Messer, Hörgeräteakustiker bei Hess Hören, über neueste Technik im Hörgerät

Etwa 15 Millionen Deutsche sind schwerhörig, schätzt der Deutsche Schwerhörigenbund e.V. Dabei kann Schwerhörigkeit die verschiedensten Auslöser haben. Menschen, die unter einem schleichenden Hörverlust leiden, fallen die Veränderungen selbst meist nicht sofort auf. Oft werden sie von nahe stehenden Personen auf ihr Problem aufmerksam gemacht. Eine eindeutige Diagnose über Stärke und Grad einer Schwerhörigkeit kann entweder ein Hals-Nasen-Ohrenarzt (HNO-Arzt) oder ein Hörakustiker liefern. So wie Tino Messer. Wir sprachen mit dem Experten, der die Hess Hören Filiale in der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel leitet, über dieses Thema und darüber, was die neueste Generation der Hörgeräte leistet.

Herr Messer, welche Trends zeichnen sich im Bereich Hörgeräte ab?

Die Technik wird immer besser und bietet inzwischen zahlreiche Möglichkeiten. Gleichzeitig werden die Geräte immer kleiner.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Ja, nehmen wir die Im-Ohr-Hörgeräte – kurz auch IdO-Hörgeräte genannt. Bei diesen Hörsystemen wird die komplette Technik modernster Hörsysteme im Gehörgang platziert. Das heißt, man hat nichts hinter dem Ohr.

Durch die Corona-Pandemie und das damit verbundene Maskentragen ist die Nachfrage für IdO-Geräte in den letzten zwei Jahren deutlich angestiegen. Durch die technische Entwicklung und Miniaturisierung der Geräte können immer mehr Menschen zufriedenstellend damit versorgt werden.

Was leisten IdO-Hörgeräte technisch ?

Die Geräte werden individuell für jeden Kunden im 3D-Drucker gefertigt. Das In-dem-Ohr Gerät passt dann wie ein Puzzlestück in das Ohr. Technisch kann man heutzutage fast alles in ein IdO bauen, was auch in einem Gerät hinter dem Ohr möglich ist. Mittlerweile gibt es IdO-Geräte mit Akku, Bluetooth Ankopplung, Steuerung per Handy-App und viele weitere Möglichkeiten. Wobei Akkutechnologie und Streamingfähigkeit schon zulasten der Bauform gehen, jedoch sind von außen nahezu unsichtbare Hörgeräte mittlerweile mit jedem gängigen Smartphone fernbedienbar.

Wie ist die Sprachverständlichkeit von IdO-Hörgeräten?

In-dem-Ohr Hörgeräte filtern mit verschiedenen Automatiken die aufgenommen Geräusche und versuchen, die Sprache hervorzuheben und Nebengeräusche zu unterdrücken. Zum Beispiel hat jetzt erst im September der dänische Hersteller Oticon neue IdO-Geräte auf den Markt gebracht. Diese Geräte heben Sprache mit Hilfe künstlicher Intelligenz hervor. Diese Geräte wurden über acht Jahre lang mit mehr als zwölf Millionen unterschiedlichen Klangszenen trainiert, um in vielfältigen Hörsituationen optimal zu reagieren.

Wie ist es dann mit anderen Geräuschen – werden diese dann ausgeschaltet beziehungsweise ausgeblendet?

Nein. Diese Geräusche sind weiterhin reduziert hörbar. Im Straßenverkehr zum Beispiel ist es ja auch wichtig sicherheitsrelevante Signale mitzubekommen.

Zusätzlich arbeiten wir mit dem Terzo Gehörtraining, um den Umgang mit Nebengeräuschen zu verbessern. Wir trainieren im Vorfeld der Hörgeräteanpassung das Gehör und ermöglichen es so unseren Kunden, gerade in geräuschvollen Situationen wieder besser Sprache zu verstehen.

Sind die IdO-Hörsysteme für jeden geeignet?

Das hängt von den anatomischen Vorraussetzungen und dem Grad der Hörminderung ab. Dabei sind die Hörgerätehersteller in den letzten Jahren immer vielseitiger geworden. Selbst bei engen Gehörgängen oder komplizierteren Hörverlusten kann es durch moderne Fertigungstechniken mittlerweile möglich sein, ein IdO-Gerät zu fertigen. Hier lohnt es sich, den Hörakustiker anzusprechen. Die Produktvielfalt erstreckt sich vom eigenanteilsfreien Hörgerät bis zum Premium Produkt. Wenn es von der Anatomie oder vom Hörverlust nicht passen sollte, gibt es aber andere diskrete Lösungen.

Welche sind das?

RIC-Hörsysteme zum Beispiel. Dies sind Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte bei denen der Lautsprecher direkt im Gehörgang platziert wird. Die Geräte hinter dem Ohr sind mit dem Lautsprecher durch ein unscheinbares Kabel verbunden. Bei manchen Ohren sitzt ein RIC-Gerät unauffälliger als ein IdO-Hörgerät.

In der Regel sind ältere Menschen von Schwerhörigkeit betroffen. Scheut sich diese Altersgruppe nicht vor so viel Hightech?

Tatsächlich nicht. Je mehr Hightech ein Hörgerät kann, desto weniger muss man selber Zugriff auf die Einstellung nehmen. Moderne Geräte können sich mit ihren Automatikfunktionen auf den akustischen Alltag unserer Kunden einstellen. Viele unserer Kunden profitieren daher auch ohne Smartphone von der Weiterentwicklung moderner Hörsysteme.  Veg

Tino Messer
Tino Messer, Hörakustikmeister und Leiter der Hess Hören-Filiale in der Friedrich-Ebert-Straße © Hess Hören

Zur Person: Tino Messer hat seine Ausbildung zum Hörakustiker und auch seinen Meister bei Hess Hören absolviert. Seit der Filialeröffnung in der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel im Jahr 2019 arbeitet der 30-Jährige dort als Leiter. Er macht derzeit parallel zu seiner Filialtätigkeit ein Fernstudium zum Hörakustiker für teleaudiologische Anwendungen.

Kontakt:
Hess Hören
Friedrich-Ebert-Straße 64
34119 Kassel

05 6 1 / 76 60 59 61

hess-kassel.de

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