Neues Projekt am Klinikum unterstützt und begleitet Angehörige nach Frühgeburten

Hilfe für Frühchen-Eltern

Maria Einax-Wagner

Kassel. Wenn ein Kind viel zu früh zur Welt kommt, erleiden Eltern meist einen Schock. „Die Situation der Eltern ist dramatisch“, sagt Dr. Dirk Müller, Leiter der Neu- und Frühgeborenen-Intensivstation im Klinikum Kassel. „Die Frühgeburt ist ein Erlebnis, auf das sich die Eltern nicht einstellen können.“ Eine psychosoziale Beratung sei sehr wichtig, sagt der Mediziner. „Wir versuchen das mit unserem Personal aufzufangen, doch im Stationsbetrieb können wir das nicht immer leisten.“

Daher hat die Früh- und Neugeborenen-Intensivstation, die jährlich 450 Frühchen aus ganz Nordhessen betreut, mit dem Verein „Bewegen-Spielen-Lernen“ ein Projekt zur Begleitung der Eltern ins Leben gerufen. Finanziert wird es für ein Jahr mit 5000 Euro vom Verein Hilfe für Kinder und Erwachsene im Krankenhaus.

Seit Januar kümmert sich nun Maria Einax-Wagner um die Eltern, spricht mit ihnen über Ängste und Sorgen, und begleitet in manchen Fällen sogar den Übergang von der Klinik und in das Zuhause. „Der Beratungsbedarf ist da“, sagt Einax-Wagner, die seit Januar 40 Familien auf der Station begleitet hat.

Einmal pro Woche kommt die dreifache Mutter ins Klinikum und hat zwei Stunden Zeit für die Eltern. Häufig stelle man ihr Fragen wie „Was wird aus meinem Kind?“ und „Können wir das überhaupt schaffen?“. Für die Eltern ist die Diplom-Motologin (Bewegungstherapeutin) mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung ein neutraler Gesprächspartner. „Ich versuche, die Eltern zu stärken, doch der Rede- und Beratungsbedarf ist größer, als ich zu leisten in der Lage bin.“

Redebedarf ist da

Dankbar für den Service ist auch Claudia Schirok. Die 33-Jährige hat ihre Tochter Leonia acht Wochen zu früh zur Welt gebracht. „Ich bin froh, dass Maria Einax-Wagner da ist“, sagt die Kasselerin. „Gerade am Anfang ging es uns nicht gut.“ Schirok und Einax-Wagner sehen sich zurzeit regelmäßig. „Es tut gut, über das Erlebnis reden zu können und nicht allein zu sein“, sagt Schirok. „Immerhin ist das alles ganz neu für mich.“

Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr befristet. „Wir werden versuchen, auch eine Fortführung und eventuell eine Ausweitung zu finanzieren“, versichert Müller. Dabei sei der Verein über Unterstützung dankbar.

Spendenkonto des Vereins „Hilfe“: 2142128, Kasseler Sparkasse: BLZ: 520 503 53.

Von Gwendolyn Träger

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