Kasseler Student unterstützte Bau von Übungsplatz

Hilfe für indische Skater

Das Ergebnis nach drei Wochen Arbeit: Der fertige Skateboardpark in Bangalore nach seiner Einweihung. Foto: privat

Kassel/Bangalore. Dort, wo vorher eine Lücke zwischen Wohnhäusern klaffte und ein leerer Platz mit einer einsamen Palme war, ist ein Skaterparadies entstanden.

Der Kasseler Jan Marthiensen verbrachte die vergangenen zwei Monate im indischen Bangalore, um dort einen Skateboardpark aufzubauen. „Spätestens als ich die strahlenden Augen der Kinder sah, habe ich gewusst, wofür wir hier geschwitzt haben“, sagt der Vorsitzende des Skateboardvereins Mr. Wilson rückblickend.

Zwei Freunde aus einem Skateboardverein in Hannover entwickelten den Plan während eines Urlaubs. Die Skateszene in Indien sei bei Weitem nicht so verbreitet wie hier in Deutschland. „Das ist ein Stück Freiheit, das wir den Jugendlichen geben wollten“, sagt der 23-Jährige. Vor Ort haben sie sich mit einer Gruppe indischer Jugendlicher getroffen. Diese hatten bereits Geld von der Stadt und eine freie, 350 Quadratmeter große Fläche organisiert, auf der der Skaterpark entstehen sollte. „Wir hatten uns keinen Bauplan gemacht“, sagt der Physikstudent.

Nachdem sie mit dem Bauen begonnen hatten, haben sich die Formen und Rampen automatisch entwickelt. Bereits im Vorfeld wurde ein Container mit einer Tonne Skater-Ausrüstung nach Indien verschifft. Die Skateboards, Schutzbekleidung, Schuhe und Werkzeuge kamen während einer Spendenaktion zusammen.

Nach drei Wochen sei der Park fertig gewesen: „Das ist absolute Rekordzeit“, sagt Marthiensen. Für die Bewohner der Stadt sei der Bau eine Attraktion gewesen. Jeden Tag seien zahlreiche Schaulustige gekommen, um sich über das Projekt zu erkundigen.

Am Vormittag finden jetzt Workshops für Kinder aus wohlhabenden Familien statt. Die Eltern müssen für den Kurs 200 Rupien bezahlen, das sind etwa drei Euro. Nachmittags können sich die Kinder der Armen auf dem Skateboard probieren. Vor dem Skateboard-Kurs werde mit diesen Kindern jedoch erst eine Stunde Englisch gelernt -als erster Schritt zu einer besseren Verständigung. Es gebe sogar Kurse für Mädchen, die von jungen Frauen unterrichtet würden. „Da ist jetzt einfach jeden Tag Leben“, sagt der engagierte Skater aus Kassel.

Auch in Hampi, sechs Stunden nördlich von Bangalore, wurde gearbeitet. „Erst wollten wir da nur Urlaub machen“, sagt Marthiensen. Dann entstand spontan eine Skate-Bowl (Schüssel aus Beton). „Die Kinder hatten natürlich auch keine Skateboards. Da haben wir ihnen dann unsere geschenkt.“ Finanziert wurden beide Projekte durch den Jeanshersteller Levi’s mit 35 000 Euro.

Vielleicht geht es bald schon wieder hinaus in die weite Welt - einen weiteren Skaterpark bauen. Reiseziel diesmal: die Malediven.

Von Miriam Linke

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