Brieffreundschaft zu Häftling, dem Hinrichtung droht

Hilfe für zum Tode Verurteilten in Florida

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Engagieren sich für einen zum Tode verurteilten Häftling in den USA: Peter Koch (links) und Kai Friedrich.

Kassel. Peter Koch kämpft einen Kampf. Einen Kampf, den einige wohl für etwas verrückt und vor allem vergeblich halten. Das weiß auch der 54-jährige Kasseler. Er setzt sich trotzdem für Lancelot Armstrong ein. Einen verurteilten Mörder, der in Florida seit 1991 in Raiford im Todestrakt sitzt.

Mit ihm pflegt er eine Brieffreundschaft. Armstrong droht irgendwann die Hinrichtung. So wie Paul Howell, der ebenfalls im Todestrakt in Florida einsitzt und dem heute das tödliche Gift injiziert wird.

„Leid ist Leid“, sagt Peter Koch in seinem Wohnzimmer in Kassel. „Ich weiß, dass es wenig Chancen für Lancelot gibt“, sagt Koch, der sich gemeinsam mit seinem Freund und Mitbewohner Kai Friedrich (30) für den Insassen und seine Freilassung einsetzt. „In den zwei Jahren Brieffreundschaft ist er mir ans Herz gewachsen“, sagt Koch, der aus gesundheitlichen Gründen Frührentner ist.

Dass er für sein Engagement häufig Unverständnis erntet, das sei er gewohnt. „Menschen sind teilweise aggressiv uns gegenüber“, sagt er. Das habe er beispielsweise bei Unterschriftenaktionen in der Kasseler Innenstadt erlebt.

Vor zwei Jahren sah er zufällig eine Fernsehdokumentation über einen Häftling, der in den USA hingerichtet wurde. „Ich habe hemmungslos geweint und das Thema ließ mich nicht mehr los“, sagt Koch. Danach suchte er den Kontakt zu Insassen in den USA. Seitdem sammeln die beiden nun mit der von ihnen ins Leben gerufenen Initiative „Hilfe für Lancelot“ Unterschriften und Spenden. Für die Spender gibt es dafür Postkarten mit Bildmotiven, die der Häftling Armstrong gemalt hat. Oder CDs mit Bildern und Musik, die Koch produziert hat.

Mehr Infos: www.lancelot-armstrong.de

Früher hat der 54-Jährige in einer Rockband gespielt, dann war er mit einer Puppenbühne unterwegs. Bis das Geld ausging und er krank wurde. Obwohl auch bei den beiden das Geld knapp ist und das Drucken von Flugblättern und Postkarten Geld kostet, überweisen sie alle drei Monate dem 50-jährigen Häftling von den Spenden 200 Dollar. Davon kauft sich Armstrong Farben, Pinsel und Essen.

1990 soll er bei einem Überfall einen Polizisten in einem Schnellrestaurant in Florida mit einem Kumpel erschossen haben. Ein weiterer Polizist wurde verletzt. Die einzige Zeugin, eine Angestellte des Schnellrestaurants, soll sich in Widersprüche verstrickt haben, sagt Koch. Gleichzeitig habe sie ein Verhältnis zu Armstrong gehabt. Schnell wird deutlich: Die Geschichte ist vertrackt. Am Ende erhielt Armstrong 1991 das Urteil der Todesstrafe. „Ich glaube, dass er unschuldig ist“, sagt Koch. Der Wunsch der beiden, die die einzigen Brieffreunde von Lancelot Armstrong sind, ist es nun, ihn in seiner Zelle in Florida zu besuchen.

Von Max Holscher

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