Hilfe für todkranke Kinder: Ambulante Versorgung bis 2012

Klinik statt Kinderzimmer: Im Klinikum Kassel spielen drei schwerkranke Kinder im Spielzimmer. Wenn nicht unbedingt nötig, sollen sie in Zukunft auch zu Hause betreut werden. Foto: nh

Kassel. Sie stehen am Anfang ihres Leben und haben bereits den Tod vor Augen: 300 Kinder und Jugendliche in Nordhessen leiden an einer Erkrankung, die ihr Leben begrenzt. 60 von ihnen sterben jedes Jahr. Ein Ärzteteam aus dem Klinikum Kassel will bis 2012 ein Netz aufbauen, um Schwer- und Krebskranke zu Hause versorgen zu können.

Weil die Krankenkassen nur ein Drittel der Kosten übernehmen, sind die Mediziner auf Spenden angewiesen.

„Wir wollen, dass Kinder gut begleitet sterben dürfen. Wenn sie nicht so häufig in die Klinik müssen, ist das ein Zugewinn an Lebensqualität“, sagt Dr. Michaela Nathrath. Die Direktorin der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Klinikum Kassel treibt das Vorhaben nun schon seit einem Jahr voran.

Drei Zentren für Hessen

Ziel ist es, im Land drei Zentren für die ambulante Versorgung von unheilbar kranken Kindern aufzubauen: Neben Kassel sollen diese in Gießen und Darmstadt /Frankfurt angesiedelt sein.

Weil die Finanzierung noch nicht steht, ist das Projekt immer wieder ins Stocken geraten. Etwa 350 000 bis 400 000 Euro werden jährlich allein für den Standort in Nordhessen benötigt. Bezahlt werden müssen davon ein Arzt, zwei Pflegekräfte, ein Therapeut und eine Koordinationskraft. Dieses Personal wäre erforderlich, um alle betroffenen Kinder und Jugendlichen ausreichend betreuen zu können.

Eigentlich haben schwerkranke Kinder seit 2007 einen sozialgesetzlichen Anspruch auf ambulante Versorgung. „Aber Eltern, deren Kinder im Sterben liegen, gehen nicht den Klageweg“, sagt Dr. Nathrath. Von Seiten der Krankenkassen kam noch keine Initiative, ein solches Netz in Hessen aufzubauen. „Die Verhandlungen mit den Kassen müssen wir noch führen“, sagt die Medizinerin. In Ländern, in denen es bereits ein solches Angebot gibt - wie in Bayern - tragen die Kassen ein Drittel der Kosten.

Aber auch wenn noch das Geld fehlt, ist bereits einiges aus dem Klinikum Kassel heraus in Gang gekommen. So hat Dr. Thomas Voelker, Kinderarzt am Klinikum, gemeinsam mit der Kinderkrankenschwester und Sozialpädagogin Christiane Engelmohr bereits Hausbesuche gemacht. Die Pädagogin kann noch ein halbes Jahr mit Spenden finanziert werden, Dr. Voelker opferte seine Freizeit. „Bislang läuft viel ehrenamtlich. Wir brauchen eine hauptamtliche Kraft, die ein Team aufbaut“, sagt Voelker.

Extreme Belastung für Eltern

Von einem solchen Team würden nicht nur die Kinder profitieren. „Der Tod eines Kindes kommt immer zur Unzeit. Er bedeutet eine extreme Belastung für Eltern, die gelindert werden kann“, sagt Nathrath. Hintergrund

Von Bastian Ludwig

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