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Ukrainehilfe in Hessen und Niedersachsen: Welche Hilfe jetzt sinnvoll ist

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Von: Alina Andraczek

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Sachspenden in der Kirche St. Joseph
Spendenflut: Vielerorts sind in der vergangenen Woche Sachspenden gesammelt worden, wie in der Kirche St. Joseph in Kassel. Sinnvoll sind die Spenden nur dann, wenn sie vor Ort gebraucht und erbeten werden. © Andreas Fischer

Während der Krieg in der Ukraine weiter zu eskalieren droht, formiert sich in der Region Unterstützung für die Menschen in der Ukraine und die Flüchtlinge. Wie Sie den Menschen aus der Ukraine helfen können.

Vielen Menschen gehen die Ereignisse in der Ukraine sehr nah. Sie wollen helfen, wissen aber nicht genau, wie? Wir beantworten Fragen rund um Hilfsmöglichkeiten für die Ukraine.

Hilfe für Menschen in der Ukraine: Wie kann ich die Ukrainer unterstützen?

Viele etablierte Hilfsorganisationen und auch die Innenministerien in Hannover und Wiesbaden raten zu Geldspenden. „Geld können die Organisationen flexibel je nach Maßnahme einsetzen; mal sind Medikamente besonders nötig, am nächsten Tag fehlen Feldbetten oder warme Decken“, sagt Birte Steigert, Pressesprecherin des Bündnis „Aktion Deutschland hilft“, in dem sich Hilfsorganisationen wie die Johanniter, die Malteser und die Arbeiterwohlfahrt (Awo) zusammengeschlossen haben.

Gelieferte Hilfsgüter schwächen die lokale Wirtschaft

„Auch der Ort des Bedarfs verschiebt sich“, so Steigert, „wenn wir haufenweise Hilfsgüter an die ukrainische Grenze bringen, aber immer mehr hilfsbedürftige Menschen nach Deutschland kommen, ist das nicht sinnvoll.“ Die Organisationen im Bündnis würden die Hilfsgüter nach Möglichkeit vor Ort kaufen. „Wir reden da auch von Ländern wie Rumänien und Moldawien, die wirtschaftlich nicht so stark sind“, sagt Steigert. „Wenn wir aus ganz Europa Hilfsgüter anschleppen, schwächen wir auch deren Wirtschaft.“

Geldspenden: Wie kann ich prüfen, ob ein Spendenkonto seriös ist?

Ob Organisationen das gespendete Geld tatsächlich effizient einsetzen und transparent arbeiten, prüft das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) bei der Vergabe des DZI-Spendensiegels. Sinnvoll ist, bei zentralen Spendenkonten auf dieses Siegel zu achten. Das DZI gibt auch Tipps zum sicheren Spenden für die Ukraine: Zum Beispiel solle man prüfen, ob die betreffende Organisation über Kontakte in die Ukraine und die nötige Kompetenz verfüge, um bedarfsgerecht zu helfen.

Ferner rät das DZI, auf eine Zweckbindung der Geldspenden zu verzichten. Hilfe sei sowohl in der Ukraine als auch in den Nachbarländern, die aktuell Flüchtende aufnehmen, wichtig.

Sachspenden: Welche Hilfsgüter werden in der Ukraine wirklich benötigt?

Nachdem sie in der vergangenen Woche von Sachspenden überhäuft worden waren, haben einige Hilfsorganisationen in der Region einen Annahmestopp ausgerufen. Sachspenden sollten daher nur auf einen konkreten Aufruf hin abgegeben werden. Sinnvoll sind sie nur dann, wenn sie vor Ort gebraucht werden.

„Wir arbeiten mit ‘verifizierten Zielpunkten’ kann man sagen, die Bestellung kommt also von dort“, sagt Stefan Krönung vom Malteser Hilfsdienst in Kassel, wo seit über einer Woche Sachspenden gesammelt werden. Dafür arbeiten die Malteser mit der gut vernetzten ukrainischen Gemeinschaft in Kassel und der Gewerkschaft der Polizei zusammen, die „qualifizierte Lageberichte“ von der Grenze mitbringen, so Krönung. „Wir brauchen immer Hygieneartikel, Decken, Verbandsstoff, und neuerdings auch Rettungsdecken“, sagt der Pfarrer. Geliefert würde jedoch nur nach Absprache.

Hilfstransporte: Sind private Fahrten zur Grenze Hilfe oder Hindernis?

Viele Privatleute machen sich auf den Weg zur polnisch-ukrainischen Grenze, um Hilfsgüter zu liefern. Das sei beeindruckend, sagt Birte Steigert von „Aktion Deutschland hilft“. Aber: „Es wird zunehmend eine Herausforderung für die Hilfsorganisationen.“ Zum einen könnten die Straßen verstopfen, wenn viele Menschen zur Grenze fahren. Davor warnen auch Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz. „Hilfsgüter wie medizinische Güter, die wirklich angeliefert werden müssen und nicht vor Ort gekauft werden können, kommen dann vielleicht nicht mehr durch“, so Steigert. Zum anderen bürgen spontane Fahrten zur Grenze zudem das Risiko, dass die Spenden nicht angenommen werden könnten. „Unangekündigte Lieferungen sind schwierig“, sagt die Pressesprecherin. Die Annahme erfordere Kapazitäten bei den Organisationen vor Ort, die nicht unbegrenzt vorhanden sind.

Flüchtlingshilfe: Wie kann ich Geflüchtete unterstützen?

50.294 Flüchtlinge aus der Ukraine hat die Polizei nach Angaben des Bundesinnenministeriums bis Montag in Deutschland gezählt. Auch in Nordhessen und Südniedersachsen werden viele Menschen ankommen - in der Region Kassel waren es bis zum Wochenende rund 200 Menschen. Wer Geflüchtete bei Behördengängen, der Suche nach Unterkünften oder der sozialen Integration unterstützen möchte, kann sich an die lokalen Behörden beziehungsweise das örtliche Freiwilligenzentrum wenden. Von hier können Unterstützungsangebote am besten koordiniert werden.

Wer über besondere Qualifikationen und Fachwissen verfügt, kann zudem spezialisierte Organisationen unterstützen. Bei der Refugee Law Clinic, wie es sie in Gießen oder Göttingen gibt, beraten Rechtswissenschaftsstudierende Geflüchtete. Das Online-Portal complicated.life listet Therapeuten, die kostenlose Beratungen für ukrainische Geflüchtete anbieten. Und viele lokale Vereine organisieren Angebote für Geflüchtete.

Wohnraum anbieten: Wohin kann ich mich wenden?

Die Vermittlung von Wohnraum koordinieren die Städte und Gemeinden selbst. Wer ein Zimmer oder eine Wohnung anbieten möchte, kann sich auf den Seiten der zuständigen Kommune informieren. Darüber hinaus gibt es Online-Portale, um Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Das Finanz-Start-Up Elinor hat in Zusammenarbeit mit der Suchmaschine Ecosia, der GLS-Bank und betterplace die Plattform unterkunft-ukraine.de eingerichtet, wo Privatleute kostenlosen Wohnraum anbieten können.

Wie geht es für Geflüchtete weiter?

Ukrainische Staatsbürger können aktuell für maximal 90 Tage ohne Visum einreisen. Spätestens nach Ablauf dieser Frist sollten sie sich an die zuständige kommunale Ausländerbehörde wenden, wo ihr Aufenthaltsstatus geklärt wird. Davon hängt ab, an welche Leistungsbehörde sie sich für weitere Unterstützung wenden können, wie die Innenministerien in Hannover und Wiesbaden mitteilen.

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