Kassenärzte organisieren Bereitschaftsdienst neu – Call-Center für Nordhessen startet im Januar

Rat und Hilfe unter 116 117

Alles im Blick: Isabel Jäkel, leitende Disponentin aus Frankfurt, erläutert das System der Telefonzentrale des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Eines der Telefone ermöglicht den direkten Draht zu den Bereitschaftsärzten, auf dem Monitor sind auch Apotheken verzeichnet. Foto:  Heise-Thonicke

Kassel. Ab 1. Januar können sich Patienten in der Region Kassel sowie in fast ganz Hessen an die bundesweit kostenlose Rufnummer 116 117 wenden, wenn sie außerhalb der Praxissprechzeiten Rat und Hilfe in medizinischen Fragen suchen. Damit Patienten künftig eine feste telefonische Anlaufstelle in Nordhessen haben, hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen eine Dispositionszentrale des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Kassel eingerichtet.

Neun Prozent Notfälle

Das Call-Center-Team beantwortet Fragen am Telefon und weiß, wo die nächste offene Apotheke zu finden oder die Giftnotrufzentrale zu erreichen ist. Die Mitarbeiter fordern Ärzte für einen Hausbesuch an, empfehlen eventuell den Besuch des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes und sie melden einen Notfall an den Rettungsdienst, was in rund neun Prozent der Fälle nötig ist. Der Arzt kann zudem am Telefon beispielsweise einen Rat zur Einnahme von Medikamenten geben.

Rund 50 bis 60 Mitarbeiter mit einer medizinischen Ausbildung werden derzeit noch in Frankfurt für diesen Job geschult. Hier gibt es bereits seit über zehn Jahren eine Dispositionszentrale des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes, die rund 1,4 Millionen Einwohner versorgt.

Die nordhessische Zentrale soll einmal rund drei Millionen Einwohner betreuen. In Spitzenzeiten werden 17 Mitarbeiter in einer Büroetage in der Druseltalstraße 5-9 ansprechbar sein, darunter dann immer auch ein Arzt, erläuterte Jan Riehle von der KV Hessen gestern bei einer Pressekonferenz. Die Zentrale ist mit moderner Computertechnik ausgestattet. So werden in der Regel bei den Anrufen die Adressdaten mit eingespielt und auf einer Landkarte verzeichnet. Auch die Dringlichkeit beispielsweise bei Hausbesuchen kann so disponiert werden.

„Einen Teil der Anrufe kann man so direkt versorgen“, sagt der Kasseler Allgemeinmediziner Dr. Uwe Popert, Vorsitzender des Regionalbeirates der KV. Für die Patienten bedeute dies kompetente und zuverlässige Auskünfte und Hilfe, für die Ärzte vor allem in den ländlichen Gebieten eine enorme Entlastung.

„Das ist ein Riesenfortschritt“, sagte auch der Vorsitzende des hessischen Hausärzteverbandes, Dr. Dieter Conrad. Patienten müssten dank einer zentralen Anlaufstelle künftig nicht mehr telefonisch umherirren, wenn sie medizinischen Rat oder Hilfe brauchen.

Und für die fünf Allgemeinärzte, die sich beispielsweise derzeit noch mit Bereitschaftsdiensten im Schwalm-Eder-Kreis abwechseln müssen, werde sich die Belastung deutlich verringern. So hofft auch Conrad, dass die Chancen steigen, wieder mehr junge Ärzte für immer mehr frei werdende Arztsitze zu finden. (hei) ARTIKEL LINKS

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