Berufung: Überfall auf alte Dame vor dem Landgericht

Kassel. Eine heute 76-jährige Frau war im September vergangenen Jahres an der Weserstraße überfallen worden. Der Mann, der damals versucht haben soll, ihr die Handtasche zu rauben, sitzt seit Donnerstag auf der Anklagebank des Landgerichts.

Die Sache wird zum zweiten Mal verhandelt, denn im Dezember vergangenen Jahres hatte sich das Amtsgericht damit befassen müssen. Am Ende war der 41-jährige Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt worden. Da er - wie die Staatsanwaltschaft - in Berufung gegangen war, landete die Sache vor der nächsten Instanz.

Das Amtsgericht hatte den 41-Jährigen - sowie zwei Mitangeklagte - auch wegen Diebstahls verurteilt. Er hatte versucht, in diversen Kasseler Geschäften Waren mitgehen zu lassen, meist ohne Erfolg, weil ihn Ladendetektive ertappten. Außerdem brach er in eine Gartenlaube ein und stahl Werkzeug. Diese Taten räumte er vor dem Amtsgericht ein, es stellte sich heraus, dass er die Diebesbeute zu Geld machen wollte, um damit seine Drogensucht zu finanzieren. Sein Vorstrafenregister weist seit 1985 diverse einschlägige Taten auf. Weil der aktuelle Diebstahl-Komplex wegen des Geständnisses erledigt ist, geht es in der Berufung lediglich um den Überfall auf die 76-Jährige, den der Angeklagte bestreitet. Am Donnerstag machte er vor dem Landgericht keine Angaben dazu. In früheren Aussagen hatte er zu Protokoll gegeben, er habe der Frau helfen wollen, weil sie hingefallen sei.

Die Frau bestätigte am Dienstag als Zeugin auch, dass sie zu Boden gegangen war. Jedoch nicht aus heiterem Himmel. „Ich wurde von hinten geschubst.“ Und zwar vom Angeklagten. „Als ich am Boden lag, konnte ich sein Gesicht sehen.“ Er habe versucht, ihr die Handtasche zu entreißen und mehrfach auf sie eingetreten, bis heute leide sie an Rückenschmerzen. Sie wehrte sich damals derart heftig, dass der Räuber ohne Beute fliehen musste. Zwei junge Männer, die den Überfall bemerkt hatten, verfolgten den Mann und hielten ihn so lange fest, bis die Polizei kam.

Auch eine 45-jährige Zeugin, die den Überfall aus ihrem Auto heraus beobachtete, hatte zunächst den Eindruck, dass der Angeklagte der am Boden liegenden Frau helfen wollte. Als dieser Zeugin eine andere Frau auffiel, die aus einem Fenster schaute und schrie, sei ihr klar geworden, dass der Mann etwas anderes im Schilde führte. Sie identifizierte am Donnerstag den Angeklagten als den Räuber von damals. Am 24. April soll der Berufungsprozess fortgesetzt werden, dann will das Gericht noch zwei weitere Zeugen hören. (pas)

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