Zu viel Müll

Wird Freilandlabor der Uni Kassel in der Dönche abgerissen?

Klare Ansage: Wenn es im Freilandlandbor Dönche mit den Problemen Müll und Vandalismus nicht besser wird, soll die Hütte abgerissen werden. Das machen (von links) Axel Krüger (RP), Rainer Weishaar (Naturpark) sowie Marit Kastaun und Claudia Wulff (beide Uni Kassel) deutlich.
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Klare Ansage: Wenn es im Freilandlandbor Dönche mit den Problemen Müll und Vandalismus nicht besser wird, soll die Hütte abgerissen werden. Das machen (von links) Axel Krüger (RP), Rainer Weishaar (Naturpark) sowie Marit Kastaun und Claudia Wulff (beide Uni Kassel) deutlich.

Seit 40 Jahren betreibt die Kasseler Uni ein Freilandlabor der in der Dönche. Weil es hier zunehmend Müll und Vandalismus gibt, droht jetzt der Abriss.

Kassel - Auf den ersten Blick sieht das Freilandlabor wie eine große Schutzhütte mitten in idyllischer Natur aus. Gleich daneben befinden sich zwei kleine Teiche, einer mit einem Holzsteg. Dieses kleine Paradies im Naturschutzgebiet Dönche ist akut bedroht. „Wenn sich nichts ändert, werden wir alles abreißen müssen“, sagt Axel Krügener von der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium.

Das ist eine ebenso traurige wie ernst gemeinte Ankündigung und richtet sich an eine weitgehend unbekannte Zielgruppe. Denn das Freilandlabor in der Dönche ist in den vergangenen Monaten zunehmend zu einem Ärgernis geworden. Hier werden offensichtlich immer wieder Partys gefeiert, zurück bleiben Müllberge, kaputte Flaschen und gefährliche Scherben.

„Was wir jetzt machen, ist ein letzter Hilferuf“, sagt Claudia Wulff von der Universität Kassel. Die Professorin für Didaktik im Fach Biologie appelliert eindringlich an die anonymen Nutzer der Hütte. Es sei nicht mehr erträglich, was die an Müll und Schmierereien zurückließen.

Denn was da auf den ersten Blick vielleicht wie eine umlaufende Theke aussieht, sind Arbeitsplätze. Hier können Studenten und auch Schüler Mikroskope aufstellen. An einem Standort, der seit 1981 hervorragende Bedingungen für das Lernen in der Natur bietet. Köcherfliegenlarven findet man hier ebenso wie die von Libellen und Gelbrandkäfern. Gleich nebenan in den Teichen gibt es Molche und viele andere Wassertiere. „Wir nehmen hier auch Bodenproben“, sagt Marit Kastaun, die gerade promoviert und im Freilandlabor mit Gruppen arbeitet. Wenn man dann immer wieder auf Scherben und Abfall stoße, sei das irgendwann nicht mehr zumutbar.

Hinterlassenschaften von der jüngsten Party: Wer hier feiert, sollte wenigstens den Müll mitnehmen.

Das gelte auch für Lehrerinnen und Lehrer. Die müssten schon zwei Stunden vor dem eigentlichen Beginn der Unterrichtseinheit im Freilandlabor sein, um dort aufzuräumen. Und das, obwohl die Mitarbeiter des Naturparks Habichtswald hier und an anderen Stellen im Umfeld einmal pro Woche die größten Müllberge entfernen. Förster Rainer Weishaar brachte gestern mehrere Schilder an den Holzwänden des Freilandlabors an. Darauf ist zu lesen, dass es eine Übergangsfrist bis Mitte Mai geben soll. Wenn sich bis dahin die Situation nicht grundlegend bessere, dann drohe der Abriss der Schutzhütte.

„Andere Unis beneiden uns um so einen Standort“, sagt Claudia Wulff. Deshalb könne der Abriss auch nur die letzte verzweifelte Option sein. Gemeinsam mit den anderen Beteiligten appelliert sie an die Vernunft, aber auch an Spaziergänger, die hier vorbei kommen.

Soziale Kontrolle könne helfen, auch der Naturpark werde ein Auge auf die Nutzung haben. Wenn dort weiter Müllberge zurückbleiben, ist es damit bald vorbei. Sowohl für Freiluftpartys als auch für einen Lernort mit 40 Jahren Tradition. (Thomas Siemon)

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