Fit für den Arbeitsmarkt

BTZ hilft psychisch Kranken, im Beruf wieder Fuß zu fassen

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Heute gibt’s Sauerkraut: Christiano Weinkauf (rechts) schaut Berufstrainer Günter Elsner in der Küche über die Schulter.

Kassel. Viele Menschen mit psychischen Erkrankungen haben nach einer Therapie Probleme, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Das Berufliche Trainingszentrum (BTZ) Kassel der Fortbildungsakademie der Wirtschaft will ihnen bei der Wiedereingliederung mit einem Training helfen.

„Häufig können Menschen aufgrund psychischer Probleme den Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt nicht standhalten“, sagt BTZ-Leiter Christiano Weinkauf.

Das individuelle Trainingsprogramm soll Selbstvertrauen und eigene Fähigkeiten festigen und so die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. In Zusammenarbeit mit Psychiatern, Psychologen, Sozialpädagogen und Ergotherapeuten steht zunächst eine Analyse der bisherigen Berufserfahrungen und Arbeitsfähigkeiten. Oft können Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Depressionen oder Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen ihren ursprünglichen Beruf laut Weinkauf nicht mehr ausüben. „Dann geht es um den Neuerwerb von beruflichen Fertigkeiten und Kenntnissen“, sagt er.

Im BTZ an der Kölnischen Straße können Teilnehmer in den Bereichen kaufmännische und verwaltende Berufe, hauswirtschaftliche und gastronomische Berufe und in handwerklichen Berufen mit dem Schwerpunkt Holz von sogenannten Berufstrainern geschult werden. Außerdem stehen achtwöchige Praktika in Unternehmen auf dem Programm, bei denen auch weitere Berufsbereiche trainiert werden können. Im Idealfall münden die Praxisphasen nach dem Abschluss des Trainings in feste Arbeitsverträge. „Die meisten Absolventen werden in den Bereich kaufmännische und verwaltende Berufe vermittelt“, sagt Weinkauf. An Zeitarbeitsfirmen werde nicht vermittelt, weil großer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt werde.

Im Oktober hat das Berufstrainingszentrum, das derzeit acht Mitarbeiter beschäftigt, seine Arbeit aufgenommen. Zwei Menschen werden dort zurzeit geschult, 30 können aufgenommen werden.

Weinkauf zufolge zeichnet sich ein großes Interesse an dem Angebot ab. Denn psychische Erkrankungen nehmen deutlich zu. In Hessen sind die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen in den vergangenen zwölf Jahren laut aktuellem Report der Krankenkasse DAK um 83 Prozent gestiegen.

Zielgruppe sind Menschen im Alter von 25 bis 50 Jahren, die bereits eine Therapie abgeschlossen haben. Zugewiesen werden sie in der Regel von der Agentur für Arbeit, den deutschen Rentenversicherungen, Berufsgenossenschaften oder Unfallversicherungen. Diese Einrichtungen tragen laut Weinkauf auch die Kosten für das Training.

Von Mirko Konrad

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