OB Hilgen froh über deutlichen Abstand zu Herausforderern

Kassel. Der Amtsinhaber kam als Letzter: Während die übrigen Oberbürgermeisterkandidaten den Wahlausgang im denkbar leeren, gleichwohl stickigen Saal der Stadtverordneten verfolgten, hatte sich Amtsinhaber Bertram Hilgen (SPD) in sein Büro zurückgezogen.

Erst als das vorläufige Endergebnis bekannt gegeben war, genoss ein erleichterter Hilgen das Bad in der Menge. Noch vor acht Wochen hätte er nicht darauf gewettet, den Sieg schon im ersten Wahlgang einzufahren, räumte der neue, alte Oberbürgermeister ein. Sich bei der Vielzahl der Bewerber dennoch im ersten Anlauf mit 51,32 Prozent die absolute Mehrheit gesichert zu haben, freue ihn sehr, er nehme das Ergebnis auch mit „Demut“ an. „Ich bin froh, dass die Wähler mir mit großem Abstand das Vertrauen ausgesprochen haben“, sagte Hilgen.

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Eben davon hätte sich sein Herausforderer von der CDU, Ernst Wegener mehr gewünscht. Seite an Seite mit Parteichefin Eva-Kühne Hörmann und Fraktionschef Dr. Norbert Wett hatte ein sichtlich angespannter Wegener im Rathaus ausgeharrt und bei Bekanntgabe des Wahlsiegers höflich applaudiert. Seine eigenen Parteifreunde geizten indes mit Beifall: Anders als bei den übrigen Kandidaten blieb es still, als Wahlleiter Hans-Jochem Weikert die 23,39 Prozent für Wegener verkündete. Er habe gehofft, Hilgen so viel abspenstig zu machen, dass es für die Stichwahl gereicht hätte, sagte der CDU-Kandidat. Zwar sei er nicht sonderlich zufrieden, lobte aber, einen „tollen Wahlkampf“ geführt zu haben.

Der Wahlabend im Rathaus Kassel

Der Wahlabend im Kasseler Rathaus

Als ein Ergebnis, mit dem man rechnen konnte, bezeichnete der Drittplatzierte Dr. Andreas Jürgens (Grüne) sein Abschneiden mit 14,95 Prozent, das er schnell dem „sensationellen Parteienergebnis“ unterordnete: „Das ist ein rot-grüner Wahlsieg mit grünem Tupfer.“ Der enorme Stimmenzuwachs der Grünen sei das Entscheidende für die nächsten fünf Jahre.

„Von Enttäuschung bin ich genauso weit weg wie von Begeisterung“, ließ Kai Boeddinghaus wissen, der für die Linken 6,35 Prozent erzielte. Das Ergebnis sei „nicht so schlecht“, er begreife es als Arbeitsauftrag auch als Stadtverordneter - „wenn nicht alle meinen Namen durchgestrichen haben“, merkte er augenzwinkernd an.

Seine Kandidatur sollte die Piraten bekannt machen - das Ziel sei gelungen, bemerkte Olaf Petersen, der auf 2,23 Prozent kam. Wichtiger als sein Abschneiden sei der Einzug der Piraten in das Stadtparlament.

„Wählergemeinschaften haben es in Großstädten schwerer als auf dem Land“ , befand Bernd W. Häfner, der mit 1,77 Prozent am schlechtesten bei der OB-Wahl abschnitt. Es sei noch viel Luft nach oben, nahm Häfner das Ergebnis sportlich.

Grob unsportlich hätte es Hilgen übrigens gefunden, hätte ein anderer Oberbürgermeister die Deutschen Leichtathletikmeisterschaften am 23. Juli eröffnet. Das nämlich wird an seinem zweiten Arbeitstag seine erste Amtshandlung in der neuen Periode sein.

Rubriklistenbild: © Foto: Herzog

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