OB Hilgen über seine zweite Amtszeit: „Ich habe einiges gelernt“

Bertram Hilgen

Kassel. Am 27. März wurde Bertram Hilgen (SPD) erneut zu Kassels Oberbürgermeister gewählt. Jetzt läuft seine zweite Amtszeit. Im Interview berichtet er von seinen Vorhaben. Der Kulturdezernent erklärt auch, warum er den umstrittenen Kulturberater Hans-Bernhard Nordhoff nicht mehr braucht.

Was ist nach der Wahl anders als vor der Wahl?

Bertram Hilgen: Ich sehe manche Entwicklung jetzt gelassener, weil ich am Beginn meiner zweiten Amtszeit stehe. Jetzt kann ich längerfristig planen als kurz vor dem 27. März, wahltaktische Gesichtspunkte liegen hinter uns.

 

Was sind die wichtigsten Aufgaben ihrer Amtszeit?

Hilgen: Kassel muss seine zentrale Funktion als Regiopole zwischen den großen Städten Hannover und Frankfurt weiter ausbauen. Das bedeutet zum einen, dass wir als Standort moderner Industrie wachsen wollen. Dazu unterstützen wir beispielsweise die Universität, wo die Stadt den Bau des Science Parks mit 6,5 Millionen Euro unterstützt. Wir müssen auch harte Infrastruktur schaffen - das heißt, wir müssen das Lange Feld zum Gewerbegebiet ausbauen. Und ich bin optimistisch, dass es einen Autobahnanschluss für das Gewerbegebiet Sandershäuser Berg gibt, das wir dann interkommunal weiterentwickeln müssen.

Sie sind auch Kulturdezernent. Welche Aufgaben stehen in diesem Bereich an? Beim Thema Grimm-Vermarktung hat die Stadt beispielsweise großen Nachholbedarf.

Hilgen: Das gilt für die Vergangenheit - aber Ende 2014 soll das Grimm-Museum auf dem Weinberg stehen. Das Exposé mit den inhaltlichen und räumlichen Anforderungen an das Museum ist fertig, jetzt beginnt das Verfahren zur Auswahl des richtigen Architektenbüros.

Ist die Finanzierung des Baus gesichert? Zuletzt fehlten noch 2,5 Millionen Euro.

Hilgen: Mein Ziel ist, das sanierte Palais Bellevue an das Tagungszentrum Stadthalle Kassel GmbH zu verkaufen. Mit dem Erlös wird die Lücke geschlossen.

Aber damit trickst man sich doch lediglich etwas aus der linken in die rechte Tasche: Die Stadt verkauft städtisches Eigentum an eine städtische Gesellschaft, die ohnehin schon Schulden in Millionenhöhe hat.

Hilgen: Wer sagt denn, dass das Bellevue nach der Sanierung seine Kosten nicht erwirtschaftet? Wir hätten das Palais auch tatsächlich verkaufen können, aber es wäre aus meiner Sicht ein Frevel gewesen, dieses Gebäude unrenoviert an einen privaten Investor zu veräußern. Eins ist aber klar: Wird die Finanzierungslücke nicht geschlossen, kann das Grimm-Museum nicht gebaut werden.

Das Szeemann-Archiv kommt nicht nach Kassel, das documenta-Archiv ist unter unwürdigen Bedingungen untergebracht. Wie wollen Sie das Thema documenta zwischen den jeweiligen Ausstellungen in der Stadt verankern?

Hilgen: Es ist klar, dass wir hier einen neuen Impuls brauchen. Das documenta-Archiv, das noch allein von der Stadt getragen wird, muss unter das Dach der documenta GmbH, an der auch das Land beteiligt ist. Dann haben wir mehr Ressourcen, um ein documenta-Zentrum Stück für Stück umzusetzen. Wenn das Land sich weiter ziert, wird das Zentrum in dieser Form nicht kommen.

Wie weit sind die Planungen für die 1100-Jahr-Feier der Stadt 2013? Für uns sieht das nach einem Wirrwarr von Vorschlägen vieler Initiativen aus, nicht nach einem Konzept.

Hilgen: Die Stadt hat Vorschläge und Ideen gesammelt, wir möchten den Bürgern nichts vorsetzen. Sie sollen die Akteure sein und sich einbringen. Daran beteiligen sich ganz unterschiedliche Gruppierungen. All dies müssen wir jetzt unter einen Hut bringen. Dazu wurden die rund 400 Vorschläge mit Blick auf ihre Umsetzbarkeit im Rathaus geprüft. Dieses Konzept ist nachhaltiger, als wenn etwas vorgegeben wird.

Stimmt es, dass der Vertrag Ihres Kulturberaters Hans-Bernhard Nordhoff, der für die gerade genannten Themen verantwortlich ist, Ende des Monats ausläuft und nicht verlängert wird?

Hilgen: Ja. Er hat das Exposé für das Grimm-Museum mit erarbeitet, in der Vorbereitung des Stadtjubiläums ist die abstrakte Konzeptionsphase beendet, und ein Konzept für die Präsentation des Szeemann-Archivs wird leider nicht benötigt. Herr Dr. Nordhoff hat seine Aufgaben damit erfüllt, ich bin mit seiner Arbeit zufrieden. Sein Engagement war aber von Beginn an nicht auf Dauer angelegt. Und im Übrigen habe ich in den vergangenen eineinhalb Jahren kulturpolitisch auch viel gelernt.

Gibt es einen neuen Plan für die Nutzung des Salzmann-Areals, nachdem die von Ihnen gewünschte Nutzung als Technisches Rathaus am Widerstand des Baudezernenten Joachim Lohse gescheitert ist?

Hilgen: Dazu laufen noch Gespräche zwischen SPD und Grünen. Ich gehe aber davon aus, dass die Lösung mit dem Weggang von Herrn Lohse nach Bremen einfacher wird.

Welches Anforderungsprofil muss der neue Baudezernent erfüllen?

Hilgen: Er muss seinen Job beherrschen.

Wie ist die Situation am Altmarkt - wird jetzt umgebaut oder nicht?

Hilgen: Wenn das Land weiter bei der Reduzierung der Fördersumme bleibt, ist für mich eine Schmerzgrenze erreicht. Im Übrigen könnte die Stadtverordnetenversammlung weitere Mittel frühestens im August bereitstellen. Das verzögert den Baubeginn um Monate. Wir können aber keine Winterbaustelle riskieren - und während der documenta im nächsten Jahr wird sicher auch nicht gebaut. Herr Dr. Lohse wird in der nächsten Woche mit dem Land zu verhandeln, um zu einer Lösung zu kommen.

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