Johann Traber und seine Truppe zeigen heute zwei Hochseil-Shows beim Bergparkfest

Himmelssturm am Schloss

Johann

Kassel. „Das sind die Flügel der Hochseilartisten“, sagt Johann Traber und wiegt die federleichte Balancierstange in seinen Händen. Als lebender Himmelsstürmer will der 52-Jährige heute beim Bergparkfest einen spektakulären artistischen Glanzpunkt setzen und vom Rasen vor dem Weißensteinflügel aus auf einem Schrägseil bis auf fast 40 Meter Höhe zu einem Mast vor dem Fontänenteich balancieren – und wieder zurück.

Gänsehaut habe er schon jetzt, erzählt der Hochseil-Profi – aber nur, „weil es in diesem Park so viel Schönes gibt“. Ansonsten kann Traber, dessen Artistenfamilie seit 1799 ihr Geld in schwindelerregenden Höhen verdient, nicht mehr allzu viel schrecken. Im James-Bond-Streifen „Moonraker“ waren sie mit Hochseil-Stunts dabei, auf der Zugspitze oder hoch über dem Rheintal haben sie in Abgründe geblickt und dabei etliche Weltrekorde aufgestellt. Ganz so dramatisch ist die Szenerie über der Parkwiese zwar nicht, aber vor dem schrägen Seil mit 14 Prozent Steigung hat Traber dennoch Respekt. Am schwierigsten dabei sei der Lauf zu Tal. „Das ist mit dem Motorrad einfacher als zu Fuß“, sagt der Mann, der auch mal mit einer schweren Maschine übers Seil balanciert, aber gar keinen Motorradführerschein hat.

„So ein Seil hat ja sein Eigenleben“, sagt Traber. Aber wie bewahrt man das eigene Leben, falls doch mal etwas schiefgeht? Berufsgeheimnis oder Berufsrisiko – da lässt sich der 52-Jährige nicht recht in die Karten schauen. Nur so viel: Sich fallen lassen, das müsse jeder aus seinem Denken verbannen, der auf dem Hochseil bestehen wolle. „Notfalls muss man versuchen, sich irgendwie festzuhalten“, sagt Traber. Dramatische Unfälle hat es in der langen Geschichte der Artisten-Dynastie immer wieder gegeben. So war Trabers Sohn Johann junior 2006 in Hamburg schwer verunglückt, als der Mast unter seinen Füßen brach. Heute steht er wieder auf dem Seil und geht auf Weltrekordjagd.

Wie es sich anfühlt, selbst auf dem Seil zu stehen, können Bergparkfest-Besucher heute am Rand der Shows gefahrlos ausprobieren – auf einer vier Meter langen Seilstrecke, einen halben Meter über dem Boden und angeleitet durch Mitglieder der Artistentruppe. „Da kann jeder mitmachen“, lädt Traber ein. Der Älteste, der das mal versucht hätte, sei 97 Jahre alt gewesen.

Hochseil-Shows beim Bergparkfest heute um 16.30 und um 21.30 Uhr, Schlosswiese.

Von Axel Schwarz

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