Dr. Martin Ohlmeier, Direktor der Noll-Klinik, über mögliche Hintergründe der Bluttat

Hinweise auf Schizophrenie

Kassel. Die mutmaßliche Täterin hat sich am Dienstag ihr Opfer offenbar wahllos ausgesucht. Es scheint keinerlei Verbindung zwischen der 38-jährigen und der 84-jährigen Frau gegeben zu haben.

Dass es hätte jeden treffen können, das erschüttert die Menschen in Kassel besonders. Über die möglichen Ursachen der Tat sprachen wir mit Dr. Martin Ohlmeier, Direktor des Ludwig-Noll-Krankenhauses, einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Was kann einen Menschen dazu bringen, einen Fremden zu töten?

Dr. Martin Ohlmeier: Normalerweise tötet ein Mensch nicht einen anderen Menschen ohne Grund. Möglicherweise ist Hintergrund dieser Tat eine psychische oder psychiatrische Erkrankung. Dass sich die Frau in diesem speziellen Fall offenbar wahllos ihr Opfer ausgesucht und nach der Tat unter einer Decke gebetet hat, weist darauf hin, dass sie unter einer paranoid-halluzinatorischen Psychose, also einer Schizophrenie leiden könnte.

Die Frau soll in der Vernehmung gesagt haben, sie sei mit Adam verheiratet und übe Rache für den Teufel.

Ohlmeier: Es deutet vieles darauf hin, dass die Frau einem religiösen Wahn verfallen ist, der im Rahmen von schizophrenen Psychosen auftreten kann.

Wie häufig kommen solche Psychosen vor?

Ohlmeier: Bei einem Prozent der Bevölkerung treten solche Psychosen auf. In der Regel sind diese aber mit speziellen Medikamenten und psychotherapeutischen Therapieverfahren gut behandelbar.

Wie sehen die Symptome aus?

Ohlmeier: Typische Symptome sind zum Beispiel akustische Halluzinationen. Die Betroffenen hören Stimmen und leiden manchmal auch unter Verfolgungswahn. Dabei sind sie oft nicht in der Lage zu erkennen, dass die Stimmen nicht real sind. Solch ein Patient ist aber nicht automatisch gefährlich.

Wie sieht es mit der Schuldfähigkeit aus?

Ohlmeier: Ein psychiatrisch-forensischer Sachverständiger wird in einem Gutachten feststellen müssen, ob eine Schuldunfähigkeit oder eine eingeschränkte Schuldfähigkeit vorliegt. Allein das Vorliegen einer schizophrenen Psychose bedeutet aber nicht automatisch, dass ein Täter schuldunfähig ist. (use)

Foto: nh

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