In Kassel wollen zwei von hundert Leistung mit Drogen steigern

Mediziner warnen: Hirn-Doping am Arbeitsplatz nimmt zu

Kassel. Mediziner und Experten warnen vor einem gefährlichen Trend: Hirn-Doping im Job. Auch in Kassel nehmen immer mehr Berufstätige verschreibungspflichtige Medikamente, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder Stress abzubauen.

Von den 146 100 Menschen, die in Kassel erwerbstätig sind, haben sich – die Dunkelziffer eingerechnet – 17 970 (12,3 Prozent) wenigstens schon einmal gedopt, um an der Arbeit zu funktionieren. Das sagt Ernst Jürgen Braun von der Kasseler Niederlassung der DAK-Gesundheit, die die Studie beim Berliner Forschungsinstitut Iges in Auftrag gegeben hatte. Demnach nehmen rund 2480 Berufstätige regelmäßig – zwei Mal im Monat und häufiger – verschreibungspflichtige Medikamente ohne medizinische Notwendigkeit. Das sind 1,7 Prozent oder zwei von hundert Erwerbstätigen.

Die Substanzen würden in der Absicht genommen, Leistung zu steigern oder die Stimmung zu verbessern, sagt Braun. An der Spitze lägen Medikamente gegen Angst, Nervosität und Unruhe. „Es handelt sich um einen künstlichen chemischen Eingriff in die Hirnstruktur, der nicht selten gefährliche Auswirkungen hat.“ Brauns Fazit: „Hirn-Doping ist bei Otto Normalverbraucher angekommen.“ Der Nutzen eines solchen Medikamentenmissbrauchs sei nicht nachgewiesen, wohl aber seine Nebenwirkungen, wie Kreislaufprobleme und Schwindel, sagt Michael Höckel, Leiter der Zentralapotheke im Kassseler Klinikum. Auch er beobachte dieses „gesellschaftliche Phänomen“ mit großer Sorge.

Bundes- und hessenweit hat sich der Anteil derjenigen, die schon Hirn-Doping eingesetzt hat, seit 2008 um zwei Prozent auf knapp 7 Prozent erhöht. Die Dunkelziffer liegt bei 12,3 Prozent. Männer und Frauen sind beim Doping gleich aktiv, Frauen nehmen Medikamente häufiger als Stimmungsverbesserer und zum Abbau von Ängsten, Männer um ihre Leistung zu verbessern.

Rubriklistenbild: © dpa

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