Als viel Lametta glitzerte

Historische Fotos: Weihnachten in der Nachkriegszeit

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Morgen ist der vierte Advent, am Adventskranz wird die letzte Kerze angezündet. Mit der Adventszeit wird bei uns traditionell Weihnachten eingeläutet. Außerdem wird aber am Sonntag auch schon Heiligabend gefeiert. Es passiert nicht oft, dass beide Tage auf ein Datum fallen. Es gibt also in diesem Jahr doppelten Anlass, an diesem Wochenende besinnliche Stunden mit der Familie, Freunden und Bekannten zu verbringen.

Kassel. Diese Fotos vom Weihnachtsfest lang vergangener Tage mögen kurz nach dem Krieg entstanden sein. Genau wissen wir das nicht. Damals waren die Menschen froh, dass keine Bomben mehr fielen und dass in Frieden und ohne Angst Heiligabend begangen werden konnte.

Aber die ersten Friedensweihnachten, so erinnern sich noch heute alte Menschen, waren ohne große Hoffnungen. Man war froh, überlebt zu haben. Das Land war zerstört.

Im Zentrum der leuchtende Christbaum: Der mit Kugeln, Lametta und Wachskerzen geschmückte Tannenbaum ist seit jeher Sinnbild für das Licht in dunkler Zeit.

Der spätere Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll, dessen 100. Geburtstag dieser Tage begangen wird, schrieb etwa über das Weihnachten 1945: „Staub, Puder der Zerstörung, drang durch alle Ritzen, setzte sich in Bücher, Manuskripte, auf Windeln, aufs Brot und in die Suppe.“ Christbaum, Kerzen? Böll konnte sich daran nicht erinnern.

Wichtiger als Geschenke: In der Weihnachtsstube dominierte der geschmückte Baum.

Viele Menschen suchten in den Gottesdiensten Trost. Die Kirchen, die nicht zerstört waren, waren voll. Frauen und Kinder trauerten um ihre gefallenen Männer und Väter. Die Weihnachtsbotschaft war wichtig für die Menschen. Man lebte ja fast selber im Stall.

Vorfreude: Zur Weihnachtszeit gehört bei uns die Adventszeit mit dem Adventskranz und vier Kerzen dazu.

Das Team der HNA wünscht allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes, friedliches Weihnachtsfest bei Kerzenschein und Tannenduft.

Zur Person

Im Jahr 1997 hatte Elisabeth Eberth das insgesamt 100.000 Fotos und Negative umfassende Archiv der Firma Fotohaus Eberth an die Stadt übergeben. Im Stadtarchiv sind viele der Motive zugänglich. Die meisten der Aufnahmen stammen von Carl Eberth senior (1882– 1955) , dem kaiserlichen Hoffotografen, der auch die Weihnachtsfotos auf dieser Seite angefertigt hat. Die Kasseler Fotografen-Dynastie wurde mit Sohn Carl Eberth Junior und Enkelsohn Carl-Heinz-Eberth fortgesetzt.

Im Schein echter Kerzen: Für die im Sonntagsstaat herausgeputzten Kinder sind die leuchtenden Kerzen etwas Besonderes.

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