Wolfgang Luh hat am Rosenhang in den Bombennacht-Trümmern ein Geldstück aus dem Jahr 1821 gefunden

Historische Münze im Schutt

So sieht die Münze aus: Das Geldstück hat Wolfgang Luh am Rosenhang gefunden. Es wurde 1821 geprägt und landete wahrscheinlich im Trümmerschutt. Fotos: Schachtschneider

Kassel. Seit vier Jahren sucht Wolfgang Luh (58) gezielt am Rosenhang nach Fundstücken aus dem alten Kassel. Hier, wo nach dem Krieg Tausende Tonnen Schutt aus der im Oktober 1943 zerstörten Kasseler Innenstadt landeten, wird er immer wieder fündig. Das ist mehr als ein Hobby. Der 58 Jahre alte Künstler hat aus Porzellan- und Keramikscherben, alten Kannen, verbeulten Töpfen und anderen Alltagsgegenständen eine Ausstellung zusammengestellt, die in der Kirche St. Elisabeth zu sehen ist. Die wird jetzt um einen weiteren außergewöhnlichen Fund ergänzt.

„Vielleicht war sie zwischen die Dielen eines im Krieg zerstörten Hauses gerutscht.“

Christian Presche, Historiker

„Ich habe eine Münze gefunden, die schon über 100 Jahre vor der Bombennacht geprägt wurde“, sagt Wolfgang Luh. Auf der einen Seite steht „4 Heller 1821“, auf der anderen Seite sind Krone und Initialen von Kurfürst Wilhelm II. zu sehen. Wie die Münze in den Trümmerschutt gekommen ist, darüber kann man nur spekulieren. „Vielleicht war sie zwischen die Dielen eines im Krieg zerstörten Hauses gerutscht“, sagt der Kasseler Historiker Christian Presche. Als in den 1930er-Jahren Häuser für den Freiheiter Durchbruch abgerissen wurden, seien in dem Abbruchmaterial zahlreiche Münzen gefunden worden.

„Das ist ein schöner Fund, aber einen größeren Wert für Sammler hat die Münze nicht“, sagt Fernando Zaumseil, Vorsitzender der Numismatischen Gesellschaft Kassel. Auf den Börsen der Münzsammler wird sie je nach Zustand für 30 bis knapp über 100 Euro gehandelt.

Der ideelle Wert der Kupfermünze ist für Wolfgang Luh sehr viel größer. Die sei ein weiterer Beleg dafür, dass das Gelände unterhalb der Schönen Aussicht ein Denkmal sei. Die aufgeschütteten Terrassen des Rosenhangs gibt es erst seit der Bundesgartenschau 1955, dem Jahr, in dem auch die erste documenta stattfand. 25 000 Rosen blühten zur Gartenschau auf dem Gelände. Ein Zeichen dafür, dass der Wiederaufbau Fortschritte machte. Unter den Terrassen des Rosenhangs liegt das alte Kassel begraben. Scherben und andere Fundstücke kommen immer wieder ans Tageslicht.

Die Ausstellung „Requiem für eine verlorene Stadt“ aus Anlass des 70. Jahrestages der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 ist noch bis einschließlich Sonntag, 3. November, täglich von 12 bis 18 Uhr in der Elisabethkirche am Friedrichsplatz zu sehen.

Von Thomas Siemon

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