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So schön war das alte Kassel: Fotos zeigen Stadt vor der Zerstörung in der Bombennacht

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Von: Thomas Siemon

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Kassel vor der Zerstörung während der Bombennacht 1943 mit Blick in die Obere Königsstraße: Im Hintergrund erkennt man die Martinskirche und den Druselturm.
Kassel vor der Zerstörung während der Bombennacht 1943 mit Blick in die Obere Königsstraße: Im Hintergrund erkennt man die Martinskirche und den Druselturm. © Archiv Hans Germandi

Bilder vom historischen Kassel sind beliebt. Sie zeigen eindrucksvoll, wie die Stadt vor der Bombennacht am 22. Oktober 1943 aussah.

Kassel – Viel voller als bei den Diavorträgen von Hans Germandi über das alte Kassel war die Martinskirche wohl nur zu Weihnachten. Der 2014 verstorbene Kassel-Chronist hat eine tiefe Sehnsucht nicht nur älterer Menschen nach Bildern und Geschichten aus der jüngeren Vergangenheit befriedigt. Auch zum jetzt anstehenden 79. Jahrestag der Kasseler Bombennacht gibt es diesen Wunsch wieder.

Das haben uns die Reaktionen auf den Artikel vom Montag über Kassel vor der Zerstörung gezeigt. Von den historischen Fotos wolle man gern mehr sehen, so der Tenor.

An interessanten Motiven gibt es keinen Mangel. Noch immer kursieren in vielen Haushalten Postkartenserien mit Bildern von den engen Gassen, prächtigen Fachwerkhäusern und teilweise auch schlichteren Gebäuden. Denn das Leben vor 100 Jahren in der Altstadt war ja bei weitem nicht nur idyllisch, die Verhältnisse oft sehr einfach, teilweise auch ärmlich. Und trotzdem: Damals wirkte das „ahle Nest“ mit der Martinskirche im Zentrum zumindest auf den meisten Fotos eher gemütlich. Teilweise konnten sich die Menschen von Fenster zu Fenster unterhalten, so eng standen die Häuser zusammen.

Durch die zunehmende Industrialisierung, durch große Firmen wie Henschel und andere, war Kassel immer mehr gewachsen und hatte teilweise deutlich mehr Einwohner als heute. Zwischen Rathaus und Altmarkt gab es jede Menge kleiner Läden, Bäcker, Metzger, viele Kinos und auch Kneipen. Die Kasseler Originale Ephesus und Kupille schnorrten sich in der Altstadt durch.

Der verstorbene Seniorchef Karl Schumann des gleichnamigen Lederhauses am Königsplatz hat davon noch berichtet. Die beiden seien immer mal wieder auf der Suche nach Gelegenheitsarbeit aufgetaucht und hätten für ein belegtes Brötchen oder Geld für einen Schobben selbst gereimte Gedichte vorgetragen, erzählte er. Das Lederhaus befand sich damals noch an der Mittelgasse und wurde wie so viele andere in der Bombennacht zerstört.

Blicken wir also noch einmal zurück auf das alte Kassel wie es Karl Schumann, Hans Germandi und viele noch lebende Zeitzeugen kannten. Ja, Kassel war einmal eine der schönsten Fachwerkstädte in Deutschland. Auch wenn man sich das heute kaum noch vorstellen kann.

Die Listen mit den Opfern der Bombennacht 1943 in Kassel finden Sie hier.

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