Umwelt- und Gartenamt testet Wassersäcke

Hitze und Trockenheit: So will Kassel die Bäume vorm Verdursten retten

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Befüllt einen Wassersack in Wolfsanger: Frank Gebhardt vom Umwelt- und Gartenamt. Bei dem Baum handelt es sich um eine Parrotie (asiatischer Eisenholzbaum). Um das ganze Foto zu sehen, klicken Sie oben rechts. 

Kassel. Wegen der anhaltenden Hitze und Trockenheit drohen in Kassel viele Bäume zu verdursten. Deshalb testet die Stadt jetzt an 50 Bäumen Wassersäcke. Wir erklären, wie sie funktionieren.

Die Bäume in Kassel brauchen dringend Wasser. Die anhaltende Hitze und Trockenheit setzt ihnen massiv zu. Um sie vor dem Verdursten zu retten, testet das Umwelt- und Gartenamt seit etwa zwei Wochen in einem Pilotprojekt sogenannte Wassersäcke.

Die grünen Taschen werden um den unteren Baumstamm gelegt und mit Wasser befüllt. Durch kleine Löcher gelangt es so peu à peu in die Erde und an die Wurzeln. Dadurch könne man bei dem bisherigen Gießrhythmus von einmal in der Woche bleiben, sagt Jörg Gerhold vom Umwelt- und Gartenamt.

Ohne die 75 Liter fassenden Säcke müssten die Bäume bei anhaltend hohen Temperaturen öfter bewässert werden. „Wir erproben, ob diese Art der Bewässerung den Bäumen guttut und ob wir so mehr Bäume in der gleichen Zeit bewässern können“, sagt Gerhold. Erstes Fazit: „Aktuell ist davon auszugehen, dass die Bewässerung effektiver ist.“ Denn: Würden die 75 Liter auf einmal gegossen, würde ein großer Teil des Wassers davonlaufen.

Jörg Gerhold, Abteilungsleiter Grünflächenunterhaltung beim Umwelt- und Gartenamt

Derzeit sind in Kassel sechs Fahrzeuge – jeweils mit einem 2000-Liter-Tank versehen – für die Bewässerung im Einsatz. Pro Tag verbrauchen sie drei Tankfüllungen.

Das Umwelt- und Gartenamt kümmert sich aktuell um 1300 Bäume im gesamten Stadtgebiet. Dabei handelt es sich ausschließlich um Jungbäume vom ersten bis zum fünften Standjahr – Linden, Hainbuchen, Eichen, Ahorne und viele andere Bäume. An 50 Bäumen werden für das Pilotprojekt die Wassersäcke getestet. Alle 1300 Jungbäume mit einem Wassersack zu versorgen, würde rund 30.000 Euro an Materialkosten mit sich bringen. Als Alternative will das Umwelt- und Gartenamt in den kommenden Tagen auch Gießringe einsetzen.

Sollten Trockenheit und Hitze weiter anhalten, sei es nicht auszuschließen, dass auch die Freiwilligen Feuerwehren um Hilfe gebeten würden, um mit ihren Löschfahrzeugen die Bäume vor dem Verdursten zu retten, sagt Gerhold. Aber: „Wir gehen davon aus, dass wir den größten Teil der Bäume durchbringen.“

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Hintergrund: Alternative Methoden, um Bäume vor extremem Wetter zu schützen

Neben den Wassersäcken gibt es noch weitere Methoden zur Bewässerung und zum Schutz von Bäumen und Gewächsen bei extremen Witterungsbedingungen. Teilweise kommen diese auch in Kassel zum Einsatz:

  • Unterirdische Bewässerung: Bei dieser Methode werden Rohre in der Erde vergraben, wodurch Gärten und Bäume unterirdisch und automatisch bewässert werden können.
  • Gießringe: Hierbei handelt es sich um Kunststoffringe, welche den Stamm eines Baumes „einzäunen“, um dafür zu sorgen, dass das Wasser nicht nur an der Oberfläche entlang fließt, sondern in die Erde zu den Wurzeln einzieht. Zusätzlich dient er als Schutz vor z. B. Streusalz.
  • Stammschutz: Der Stammschutz hat zwar nichts mit Bewässerung zu tun, schützt den Baum aber anderweitig vor Wetter. Wenn in den kalten Wintermonaten Sonne auf die Bäume scheint, kommt es oftmals zu Frostrissen. Vorbeugend wird auf die Baumstämme eine weiße Stammschutzpaste – quasi eine Sonnencreme für Bäume – aufgetragen.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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