"Katastrophale Entwicklung" bei Roggen, Hafer und Co

Hitze und Trockenheit: Bauern erwarten zum Teil gravierende Ernte-Ausfälle

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Die Ernte hat begonnen: In Kassels Umland rollen bereits die Erntefahrzeuge. Unser Foto entstand am Sonntag in Söhrewald zwischen den Ortsteilen St. Ottilien und Wattenbach.

Die Landwirte in Kassel und Umland stellen sich auf eine schlechte Ernte, teilweise sogar auf Totalausfälle ein. Mittlerweile mangelt es auch an Heu. Gras wächst seit Wochen nicht.

Des einen Freud ist des anderen Leid: Während sich Sonnenanbeter und Wasserratten über das seit Wochen anhaltende Sommerwetter freuen, haben Bauern das Nachsehen. Denn die hohen Temperaturen und die viel zu geringen Niederschläge haben der Vegetation kräftig zugesetzt. Kassels Kreislandwirt Erich Schaumburg erwartet teils gravierende Ernte-Ausfälle. „Da werden viele Kollegen den Gürtel enger schnallen müssen“, befürchtet Schaumburg, der das Gut Windhausen oberhalb von Heiligenrode bewirtschaftet.

Bei Wintergerste und Raps, deren Ernte in diesen Tagen begonnen hat und ab Montag richtig anlaufen soll, zeichnen sich laut Schaumburg je nach Lage und Bodenqualität Ertragseinbußen von 15 bis 25 Prozent ab.

Weil Weizen wegen der hohen Qualitätsanforderungen in der Regel an den besseren Standorten wächst, rechnet er bei dieser Sorte mit geringeren Einbußen, wobei es aber bei allen Kulturen stellenweise auch zu Totalausfällen kommen kann – etwa dort, wo es fast gar nicht geregnet hat wie im östlichen Kreisteil oder auf sandigen Böden.

Eine geradezu katastrophale Entwicklung bahnt sich seinen Beobachtungen zufolge bei sogenannten Sommerfrüchten wie Roggen, Hafer, Bohnen und Erbsen an. Immerhin: Bei Mais und Rüben, die Sonnen lieben, sieht es noch ganz gut aus. Wenn es aber die nächsten Wochen nicht regnet, so der Landwirt, „dann wird es auch bei diesen Sorten und beim Weizen eng“.

Dabei haben die hiesigen Landwirte noch vergleichsweise Glück. In weiten Teilen Niedersachsens, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gibt es bereits jetzt Totalausfälle bei nahezu allen Kulturen. Dort hat es seit fast zwei Monaten keinen Tropfen geregnet, und die sandigen Böden speichern Wasser ohnehin schlecht. In Sonderkulturen wird Schlimmeres nur durch flächendeckende, künstliche Bewässerung verhindert, was aber enorm ins Geld geht.

Für Schaumburg sind die Wetterverschiebungen der vergangenen zwei, drei Jahrzehnte klar eine Folge des Klimawandels. Nach seinen Beobachtungen dauert die auch früher häufig vorkommende Frühjahrstrockenheit nicht länger, aber sie setzt früher ein und endet früher. „Das bedeutet: Wenn wir den Regen in der Wachstumsphase brauchen, bleibt er aus und setzt umso kräftiger ein, wenn wir ernten wollen.“ Erschwerend hinzu komme der zunehmende punktuelle und damit unberechenbare Starkregen, der häufig große Schäden verursache. „Ich denke, dass wir über kurz oder lang andere Pflanzenzüchtungen brauchen, die mit der Frühjahrstrockenheit besser klarkommen.“

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