Immer wieder stehen Felder und Wiesen in Flammen

36 Grad in der Region: Die Folgen der Hitzewelle

+
Am Donnerstag werden in Deutschland bis zu 38 Grad erwartet.

Auf eine tropische Nacht folgt ein heißer Tag. Meldungen von Flächenbränden und Gesundheitswarnungen häufen sich, mit Trinkwasser sollte man sorgsam umgehen. Ein Überblick.

Aktualisiert um 13.50 Uhr - Die Nacht zum Donnerstag war tropisch: In Deutschland sanken die Temperaturen kaum unter 20 Grad. Und die Hitzewelle hat ihren Zenit noch nicht überschritten: Am Donnerstag werden Höchstwerte von 38 Grad erreicht. In Nordhessen wird es bis zu 35 Grad heiß, in Südniedersachsen sogar bis zu 36 Grad. Eine starke Wärmebelastung meldet der Deutsche Wetterdienst für beide Bundesländer, es herrsche eine mittlere bis hohe Waldbrandgefahr, die bis Samstag anhalte.

Die Wetterlage wird sich laut Deutschem Wetterdienst erst am Wochenende ändern: Dann nämlich wandert das Hoch über Nordeuropa nach Russland weiter und ein Tiefdruckkomplex aus dem Norden rückt nach. Eine deutliche Abkühlung bedeutet das aber nicht: Die Temperaturen zum Anfang kommender Woche können weiterhin bei bis zu 30 Grad liegen.

Stadt und Landkreis Kassel bitten Bewohner darum, mit Trinkwasser sorgsam umzugehen. Zwar ist die Versorgung laut Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke Netz + Service GmbH (NSG), "absolut gewährleistet". Da derzeit aber niemand wisse, wie lange es noch heiß bleibe, sollte man Wasser dennoch bedacht gebrauchen. Das gelte beispielsweise auch beim Wässern von Privatgärten. „Tatsächlich schütten aktuell die Quellbrunnen spürbar weniger Wasser aus als regulär“, sagt Ingo Pijanka, Sprecher des Kasseler Wasserversorgers Kasselwasser. Rückläufig sei auch die Wassergewinnung aus der Fulda. „Dennoch sehen wir die Situation entspannt."

Die Feuerwehren der Region warnen vor erhöhter Brandgefahr: Schon eine Zigarettenkippe im Blumenkübel kann derzeit ein Feuer auslösen. Meldungen über in Flammen stehende Felder, Wiesen und Böschungen häufen sich. Wegen der großen Trockenheit klagen außerdem immer mehr Landwirte über enorme Ernteeinbußen. 

Doch nicht nur den Bauern macht die Hitze zu schaffen: Sie kann besonders für ältere und kranke Menschen ein gesundheitliches Risiko darstellen. Gerade jetzt ist die Gefahr einer Austrocknung groß. Wir haben einen Überblick auf die Folgen der Hitzewelle, Tipps für den Alltag und einen Ausblick auf das Wetter zusammengestellt:

Brennende Wiesen, Felder und Böschungen

Immer wieder kommt es derzeit zu Bränden in der Region. Beispiele dafür haben wir in dieser Karte markiert - zu sehen ist jeweils der ungefähre Bereich, für den der Brand gemeldet wurde:

Bei Hofgeismar brannten 300 Quadratmeter des Kelzer Felds: Eine Strohballenpresse war defekt und löste das Feuer aus. 

In der Dönche, einem Kasseler Naturschutzgebiet, brannte eine Fläche von 400 Quadratmetern. Die Feuerwehr brauchte eine Besatzung von insgesamt fünf Fahrzeugen, um die Flammen zu löschen.

Im Schwalm-Eder-Kreis zählt der Landkreis bereits 15 Gras- und Flächenbrände und damit mehr als doppelt so viele wie sonst im ganzen Jahr. Es brannte beispielsweise in Guxhagen, Spieskappel und Gilserberg, die Schäden gehen in die Tausende.

Eine Strohpresse brannte in Kelze.

Zehn Quadratmeter Waldboden brannten im Hann. Mündener Orteil Hermannshagen, die Feuerwehren Münden und Wieshausen mussten anrücken. Weiterhin besteht hier hohe Waldbrandgefahr. „Wir sind vorbereitet, aber wir brauchen die Unterstützung der Bevölkerung", sagt Mündens Stadtbrandmeister Dieter Röthig.

Außerdem brannte es auch in Jühnde (Landkreis Göttingen): Eine Strohpresse und 300 Quadratmeter Feld standen in Flammen. 52 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Nahe Einbeck und bei Sudheim gab es ebenfalls Flächenbrände. In Immensen brach ein Feuer im Golf- und Countryclub aus, die Feuerwehren aus Einbeck, Northeim und Salzderhelden brauchten Stunden, um es zu löschen. Außerdem stand eine Böschung an der Bundesstraße 3 zwischen Nörten-Hardenberg und Sudheim in Flammen.

In Jühnde (Kreis Göttingen) brannte eine Strohpresse: Über 50 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Eine Stunde lang war die Feuerwehr mit einem Brand nahe Kleinvach bei Bad Sooden-Allendorf beschäftigt: Hier brannte ein Getreidefeld.

In Northeim musste die Feuerwehr zweimal ausrücken, weil Raucher ihre Zigaretten in Blumenkübeln auf dem Balkon ausgedrückt hatten. Ein Kübel fiel brennend vom Balkon.

In Moringen (Landkreis Northeim) brannte an einem Waldweg eine Böschung von einem Kilometer Länge. Auf einer Fläche von 30.000 Quadratmetern stand außerdem ein Weizenfeld in Fredelsloh in Flammen.

In Bad Sooden-Allendorf brannte ein Getreidefeld.

Aufgrund der Waldbrandgefahr gibt es für das Feuerwerk bei der Weserbeleuchtung, einer Veranstaltung in Bad Karlshafen am Samstagabend mit Livemusik, kein Feuerwerk: Die Stadt hat die Genehmigung dafür aus Sicherheitsgründen nicht erteilt.

Gesundheitliche Gefahren

Auf Belastungen durch die Hitze weist das Gesundheitsamt Region Kassel hin. „An so heißen Tagen muss der Körper richtig arbeiten“, betonte Amtsleiterin Dr. Karin Müller auf Anfrage. Für gesunde Menschen stelle die Hitze auch über mehrere Tage kein Problem dar. Unter anderem durch den Verlust an Mineralstoffen seien aber vor allem ältere Menschen sowie Kinder und Kleinkinder gefährdet. Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme seien häufig. Sehr vorsichtig müsse man bei Fieber sein, rät Müller. „Dann muss der Arzt angerufen werden.“

Mit der außergewöhnlich lang anhaltenden Hitzeperiode im August 2003, bei der allein in Deutschland 7000 Hitzetote zu beklagen waren, sei die gegenwärtige Hitzewelle jedoch nicht vergleichbar, betonte die Amtsärztin. Zum Glück habe man sich bereits an die höheren Temperaturen gewöhnen können. Und zum Glück habe es sich in den Nächten bisher stets abgekühlt, meinte Müller. Genau das aber soll sich in den nächsten Tagen und bis zum Wochenende ändern.

In das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende wurden bereits vermehrt ältere Patienten mit Verdacht auf Exsikkose, also Austrocknung, eingeliefert. Den Patienten werden außerdem häufiger Infusionen mit Kochsalzlösung verabreicht, damit sie nicht dehydrieren. Laut Stefan Weller, Sprecher der Universitätsmedizin Göttingen, seien die Folgen der Hitze noch nicht signifikant spürbar, er betont aber: "Der Schub kommt in den nächsten Tagen."

„Vielen Menschen macht die aktuelle Hitzewelle zu schaffen“, sagt die Fachärztin Dr. Michaela Edinger vom Fachdienst Ärztlicher Dienst und Hygiene beim Gesundheitsamt des Werra-Meißner-Kreises. Sie warnt vor allem vor gesundheitlichen Beschwerden bei Senioren, Pflegebedürftigen, Säuglingen und Kleinkindern.

Ernteeinbußen

Die Trockenheit bringt die Bauern der Region in starke Bedrängnis: In Hersfeld-Rotenburg gab es Einbußen bei Gerste, Weizen und Triticale, einer Kreuzung aus Weizen und Roggen. 

Auch Bauern in Homberg rechnen damit, dass die Ernte erheblich geringer ausfallen wird als im Vorjahr. 

In Wolfhagen werden Totalausfälle bei Raps und Getreide gemeldet. „Beim Grünland ist nach dem ersten Schnitt Schluss gewesen. Es wächst nichts nach“, sagt Stefanie Wittich vom Kreisbauernverband. 

In Kassel wächst ebenfalls seit Wochen kein Gras, es mangelt bereits an Heu. Ertragsbußen von 15 bis 25 Prozent zeichnen sich bei Wintergerste und Raps ab. Außerdem wird eine katastrophale Entwicklung bei Roggen, Hafer, Bohnen und Erbsen gemeldet.

Im Landkreis Kassel fällt die Erntebilanz desolat aus: In den Vorjahren habe es im Juli durchschnittlich 120 Liter pro Quadratmeter Niederschlag gegeben, in diesem Jahr waren es lediglich 13. Besonders beim Winterraps zeichnen sich deutliche Einbußen ab: Bis zu 80 Prozent werden für den Landkreis Kassel erwartet.

In ganz Niedersachsen sind die Folgen verheerend: Etwa zwei Millionen Tonnen geringer als im Vorjahr fällt die Ernte hier aus. „Und die Ernte 2017 war auch schon nicht gut", sagt Achim Hübner, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes.

Der Mais wächst nicht mehr: Landwirt Jörg Gebauer klagt über Ernteeinbußen.

In Northeim ist unter anderem die Mais-Ernte ein Problem. „Eigentlich ernten wir in einem Jahr fünf Tonnen pro Hektar. Im Augenblick sieht es nach drei aus", berichtet Landwirt Jörg Gebauer. Normalerweise wachse Mais drei Meter hoch - in diesem Jahr habe er aber bereits bei der Hälfte aufgehört zu wachsen.

Gefahren für Tiere

Landwirte um Witzenhausen kämpfen ebenfalls mit der Hitze: Das Gras ist trocken, braun und kurz, Weidevieh hat daher nicht genug zu fressen. Futter muss teuer zugekauft werden.

Der Naturschutzbund Deutschland bittet darum, Vogeltränken aufzustellen: Aufgrund der großen Trockenheit haben es Vögel schwer, ausreichend Wasser zu finden. Wichtig ist es allerdings, die Schalen regelmäßig zu reinigen. In der Vergangenheit führten verunreinigte Schüsseln zum Tod hunderter Vögel.

Ausblick: So heiß wird es in den kommenden Tagen

Temperaturen von mehr als 30 Grad sagt der DWD bis zum Wochenende vorhersagt. Am heißesten soll es demnach im Raum Kassel und Umgebung am Donnerstag werden. Dann soll das Thermometer bis zu 35 Grad im Schatten anzeigen. 

Die Hitzewelle in unserer Region soll nach seinen Angaben bis Freitag anhalten. Auch in der Nacht wird es zumindest im Stadtgebiet wohl nicht unter der 20-Grad-Marke bleiben, man müsse sich also auf „tropische Nächte“ einstellen, sagt Simon Trippler, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Am Wochenende sind dann etwas Abkühlung und einige Schauern zu erwarten.

Schon in der nächsten Woche werde es aber mit dem hochsommerlichen Wetter weitergehen, allerdings auf etwas niedrigerem Niveau von knapp 30 Grad, berichtete Trippler. Neue Temperaturrekorde erwartet er für die Stadt und den Landkreis Kassel jedoch durch die gegenwärtige Hitzewelle nicht. Nach der Statistik des Wetterdienstes wurde in Schauenburg-Elgershausen am 10. Juli 1959 die bislang höchste Temperatur in Stadt und Kreis gemessen: 36,7 Grad. In der Stadt Kassel verfüge der DWD über keine Messstation, erklärte der Meteorologe.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt. 

Tipps: Das sollten Sie bei Hitze beachten

Nachfolgend Empfehlungen des Kasseler Gesundheitsamtes, Umweltbundesamtes und des Deutschen Wetterdienstes (DWD):

• körperliche Belastung, auch Sport, vermeiden. Wer körperlich arbeiten muss, der sollte pro Stunde zwei bis vier Gläser eines kühlen alkoholfreien Getränks trinken

• im Schatten bleiben, Sonnenhut und -brille tragen

• Kinder, geschwächte Menschen und auch Tiere niemals in einem geparkten Fahrzeug zurücklassen

• dem Körper Flüssigkeit zuführen und gleichzeitig den Elektrolytverlust ausgleichen: natriumhaltiges Mineralwasser, Säfte, Suppen, Brühen; wasserreiche Früchte, wie Melonen, Gurken, Tomaten, Erdbeeren und Pfirsiche.

• Getränke mit Alkohol, Koffein und/oder viel Zucker meiden, sie können den Körper austrocknen

• sehr kalte Getränke meiden, sie können zu Magenbeschwerden führen

• nachts und morgens die Wohnung lüften, Räume tagsüber mit Rollläden und Vorhängen abdunkeln

• sich Abkühlung per Dusche oder Bad verschaffen

• häufiger kühles Wasser über die Handgelenke laufen lassen

• feuchtkühle Kompressen auf Stirn oder Nacken legen

• Schläfen, Hals und Stelle hinter den Ohren mit kaltem Wasser oder Eisstift betupfen.

(mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.