Der Ticker zum Nachlesen

So war das große Klassik-Open-Air vor der Orangerie

Was wurde gespielt und wie kam es an? Erleben Sie hier das HNA-Klassik-Open-Air noch einmal im Ticker zum Nachlesen - Stück für Stück.

+++ 23.05 Uhr: Das dürfte es gewesen sein. Wir sagen schon einmal… nein, es gibt anscheinend noch eine Zugabe. 
Wie will man das Programm noch steigern? Patrik Ringborg und das Staatsorchester machen das Fulda- zum Paul-Lincke-Ufer mit dessen Schlager „Das ist die Berliner Luft (Luft Luft)“
Und das ist Kassel, wie es singt, schunkelt und lacht. Eine nicht für möglich gehaltene Steigerung eines sensationellen Abends, Danke Patrik Ringborg, Danke Staatsorchester, Dank an die Solisten, Danke Kasseler Publikum. 

+++ 22.55 Uhr: Von wegen. Die „Sea Songs“ waren keineswegs das Finale wie sich jetzt herausstellt. Patrik Ringborg gratuliert Kassel zum Stadtjubiläum und dirigiert jetzt die schnelle Polka „Unter Donner und Blitz“, von Johann Strauss, eine
 Komposition, mit der die Wiener Philharmoniker immer das Neue Jahr „einspielen“. Und, man glaubt es kaum, passend dazu gibt es noch ein Feuerwerk, die Böller passend gesetzt zu den Paukenschlägen des Orchesters. Wow!

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+++ Klar, dass es eine Zugabe geben würde und (fast) ebenso klar, dass man überall in der Welt dazu die „Fantasia on British Sea Songs“ von Sir Henry Wood wählt, denn wozu sonst passt ein Feuerwerk besser (außer Händels “Feuerwerksmusik“ natürlich?) Das Publikum ist jetzt außer Rand und Band, klatscht und pfeift während der Aufführung mit (was ja ansonsten im klassischen Bereich verpönt ist) und tanzt zur „Sailor’s Hornpipe“. Über der Orangerie blitzt und donnert es dazu. Was für ein Finale!

So war das Feuerwerk

+++ 22.35 Uhr: Endlich erklingt das Stück,das sich Patrik Ringborg schon seit Jahren für das Klassik-Open-Air gewünscht hat, waa bisher aber daran scheiterte, es in der Vorabstimmung des Publikums nicht durchkam: Die Rede ist von Aram Khatchaturians „Säbeltanz“, einer der, sagen wir mal „schnellsten“ Kompostionen der Orchestermusik. 
Unvergessen ist die Interpretation, zu der Liselotte Pulver in Billy Wilders „Eins, Zwei, Drei“ auf dem Tisch tanzte.
(Es soll aber auchZeitgenossen geben, die dabei an die Werbung „Komm, Briiderchen trink, Kosaken-Kaffee“ denken.)

+++ Moderatorin Insa Pijanka und Patrik Ringborg kündigen zwei Nummern zum Finale an: Als erstes erklingt „Music of the Night“, ein Song aus dem Phantom der Oper von Andrew Lloyd Webber, berühmt gewoden in der Interpretation von Andrea Bocelli. Heute Abend singt Marian Pop, ebenfalls neu im Opernensemble, die Partie… und Teile des Publikums singen mit.

+++ Von Berlin geht es jetzt nach Wien. Den operettenhaften Hit „Wien, du Stadt meiner Träume“ aus dem gleichnamigen Film mit Paul Hörbiger (Drehbuch: Willi Forst) singt Lin Lin Fan und bringt das Publikum zum Walzer-tanzen.

Feuerwerk als krönender Abschluss

HNA-Open-Air: Feuerwerk als krönender Abschluss

+++ Es sieht so aus, als ob das HNA-Klassik-Open Air auf die Zielgerade
einbiegt. „Heute Nacht oder nie“ ist so eine Komposition, mit der man
Zuschauer, die im klassischen Bereich eher die leichte Muse schätzen, beglückt. Ein Lied, das fast jeder mitsingen kann, weltberühmt geworden
durch den Film „Das Lied einer Nacht“. Der Komponist, Mischa Spoliansky, ist weniger bekannt. Er war der Entdecker von Marlene Dietrich, die in seiner Berliner Revue auftrat – lange bevor sie Filmkarriere machte.

+++ Eine schwierige Partie für Lin Lin Fan, die die Sopranistin großartig
meistert: Die „Vocalise, op.34“ von Sergej Rachmaninoff ist ein Lied ohne Worte. Es soll auf Wunsch des Komponisten jeweils in vom Interpreten ausgewählten „Tönen/Lauten“ gesungen werden.
Sehr beeindruckend und für ein Klassik-Open-Air eine gewagte Wahl. Doch die Rechnung geht auf. Das Publikum ist begeistert.

+++ 22.05 Uhr: Riesen-Beifall für die Verdi-Arie. Doch noch sind Steigerungen möglich und die nächste folgt in Form von Richard
Wagners Vorspiel zum 3. Akt der Meistersinger Von Nürnberg. Ein ergreifendes Werk. Es herrscht völlige Stille auf der Karlswiese. Alles Reden ist verstummt.

+++ 21.50 Uhr: Aus dem ersten Akt von Ernani, jener Oper, die Giuseppi Verdi 1844 in Italien den Durchbruch brachte, erklingt jetzt, von Hulka Sabirova (neu im Opernensemble)
gesungen, die (fast) gleichnamige Cavatina (eine schlichte Form der Arie)„Ernani, Ernani involami“.

+++ 21.40 Uhr: Gleich nach der Pause sorgen Ringborg und das Staatsorchester für die
nächste Überraschung: Den Marsch „Calling all Workers“ des englischen
Komponisten und Bratschisten Eric Coates dürfte ebenfalls kein Zuschauer hier „auf dem Schirm“ gehabt haben, wie man so schön sagt. In England ist dieser Komponist total bekannt. „Calling all workers“ war dort während des
zweite Weltkriegs die Eröffnungsmelodie der BBC-Rundfunksendung „Music
while you work“ und diente der Motivation der arbeitenden Bevölkerung.
Eine andere Coates-Komposition, „By the sleepy lagoon“, ist in GB bis heute die Eröffnungsmelodie der Sendung Desert Island Discs (nomen est omen). +++ Auch für das nächste Stück bleibt man in Amerika: Der „Hoedown“ aus dem Ballett „Rodeo“ von Aaron Copland ist eine der bekanntesten Kompositionen (übrigens inspiriert von Bill Stepp, besser bekannt als The Kentucky Fiddler und dessen „Bonaparte’s Retreat”. Es gibt Leute, die behaupten,
Copeland habe fast jede Note abgeschrieben, aber das ist eine andere Geschichte.) Beim Publikum auf der Karlswiese kommt das Stück, das in einer Version von Emerson, Lake and Palmer große Berühmtheit erlangte,
fantastisch an. Und damit geht es in die Pause.

+++ Man bleibt in Amerika und widmet sich dem großen Leonard Bernstein (geb. 1918) und seiner Operette Candide. Für das HNA-Klassik-Open-Air wählte Patrik Ringborg die Arie „Glitter and be gay“ (Mich umglitzert Gold), eine
schon fast opernartige Arie für Koloratursopran. Nicht umsonst wird Candide in der Musikliteratur auch oft als „komische Oper“ bezeichnet. Es singt die Sopranistin Lin Lin Fan vom Opernensemble des Kasseler Staatstheaters.

+++ Was für ein Kontrast! Was für eine Überraschung! Was für ein Zeitsprung!
Von Verdi, (geb. 1813) geht es zu Leroy Anderson (geb. 1908), einem
amerikanischen Komponisten, der sicherlich nicht sehr bekannt ist, seine originellen Kompositionen jedoch umso mehr, finden sie sich doch immer wieder in großen Filmen (Schlaflos in Seattle, Büro Büro). „Bugler’s Holiday“ ist eine dieser originellen Komposition, die teilweise im
Klangbild an Glen Miller erinnert. Das hatte in der Tat niemand auf seinem Programmzettel.

+++ Jetzt kommt Großes auf uns zu: „O don fatale“ (O grausames Gift), die
bekannte Arie aus Giuseppe Verdis Don Carlos erklingt über der Aue. Die “Eboli“ ist Ulrike Schneider. Ein grandioser Moment.

+++ Nach dem „ernsten“ Morricone wird es mit der Ouvertüre zur Paul
Lincke-Operette „Grigri“ heiter vor der Orangerie. Diese Operette
begründete immerhin ein ganzes Genre, das der sogenannten „Berliner Operette“.

+++ Stattdessen erklingt jetzt Filmmusik: „Gabriel’s Oboe“ ist eine der
bekanntesten Kompositionen von Ennio Morricone. Der Film, für den das Stück geschrieben wurde, dürfte es weniger sein – „The Mission“ (Regie: Roland Joffé). Am populärsten dürfte die Interpretation von Yo Yo Ma sein.

+++ Vertrautes erklingt jetzt mit „Die Moldau“ aus dem Sinfonien-Zyklus
 Mein Vaterland von Bedrich Smetana – aber nur die ersten vier Minuten,
gerade Zeit für das Hauptmotiv und die Jagdszene. Schon vor der
Bauernhochzeit ist Schluss. Schade, der „Tanz der Nymphen im Mondschein“ hätte doch so gut zu diesem Abend gepasst.

Alles startklar für den großen Abend

HNA-Open-Air: Alles bereit für den großen Abend

+++ Jetzt begrüßt der Dirigent das Publikum und erklärt auf humorvolle Art die Eröffnungsnummer. Zu ihm gesellt sich Orchesterdirektorin Insa Pijanka, die den Abend über das Peogramm moderieren wird. 
Es folgt eine Gesangsnummer: Paulo Paolillo und Marian Pop vom Opernensemble des Staatstheaters singen die Arie „Au Fond Du Temple Saint“ aus der Oper Die Perlenfischer von Georges Bizet. Großer Beifall.

+++ 20.03 Uhr: Patrik Ringborg, Generalmusikdirektor und heute Abend Dirigent
des Staatsorchesters, betritt die Bühne und geht mit dem Orchester gleich in die Vollen. Die Ouvertüre zum 1. der Oper „Ruslan und Ljudmila“ des russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka mag zwar für viele
Zuhörer eine Überraschung sein, erweist sich aber als furioser Einstieg und setzt die Messlatte, für das, was nun zu erwarten ist, sehr hoch.

(von Wilhelm Ditzel)

Rubriklistenbild: © HNA/Malmus

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