Mehr als 250 Besucher im Bürgersaal des Kasseler Rathauses

HNA-Lesertreff: Stadtvillen erregen die Gemüter

Bei Bauherren sind sie beliebt, vielen Nachbarn sind sie ein Dorn im Auge: Um die in zahlreichen Stadtteilen entstehenden Stadtvillen drehte sich am Donnerstag ein HNA-Lesertreff.

Keine Frage, das Thema interessiert und erregt in Kassel die Gemüter: Mehr als 250 Besucher waren am Donnerstagabend trotz hochsommerlicher Temperaturen zu der Diskussionsrunde in den Bürgersaal des Kasseler Rathauses gekommen.

Moderiert von HNA-Redakteur Jörg Steinbach, stellten auf dem Podium zunächst die vier Experten sich und ihre Einschätzungen zum Thema Stadtvillen beziehungsweise Mehrfamilienhäuser vor:

- Volker Mohr, Leiter des Amtes für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz,

- Wolfgang Koch aus Harleshausen, auf dessen Nachbargrundstück ein Vier-Familien-Haus entsteht,

- die Kasseler Immobilienfachwirtin und Projektentwicklerin Ricarda Frede,

- und der Kasseler Architekt Prof. Alexander Reichel.

Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) musste wegen einer familiären Notsituation absagen.

Der Leiter des Amtes für Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz, Volker Mohr, erläuterte, warum es schwierig ist, dem Stadtvillen-Bau Einhalt zu gebieten. „Stadtvilla ist ein weiter Begriff, dabei handelt es sich meist um Einfamilienhäuser“, sagte er. Bei den Stadtvillen, die die Leser ablehnen, handele es sich um eine andere Art von Bebauung.

Aktualisiert am Freitag um 10.40 Uhr.

Viele Besucher lauschten aber nicht nur den Stellungnahmen der Experten, sondern beteiligten sich auch rege an der Diskussion. So meinte etwa Falk Kössinger aus Harleshausen, beim Thema Stadtvillen müssten bei der Stadt doch eigentlich alle Alarmglocken klingeln. Ermessenspielräume würden aber für die Investoren ausgelegt. Die Stadt müsse aber auch mal gucken, ob auf einem dieser Grundstücke noch ein einziger Baum stehe. Kössinger: „Diese Stadtvillen gehören dort nicht hin.“

HNA-Lesertreff zum Streit um Stadtvillen

Andrea König berichtete von einem Haus am Kirschrain in Jungfernkopf, das inzwischen von zwei Stadtvillen regelrecht „eingeklemmt“ sei. „Das müssen Sie sich einmal ansehen“, rief sie in Richtung von Volker Mohr von der Stadtplanung. Jeder habe inzwischen Angst, dass auch auf seinem Nachbargrundstück eine Stadtvilla gebaut werden könnte, meinte König.

Kein Grün, keine Gemeinschaft: So bewertete Albrecht Bock die Situation mit den Stadtvillen – unter anderem in Jungfernkopf, aber auch in anderen Stadtteilen. In die Stadtvillen ziehen seiner Erfahrung nach keine Familien ein. Diese könnten sich das gar nicht leisten. Bock: „Da wohnt kein einziges Kind.“

„Diese sogenannten Stadtvillen implizieren etwas schönes, dabei sind es Hühnerkäfige, so wie sie aussehen. Unser Nachbargrundstück, ein Gelände von 3000 Quadratmetern, soll demnächst auch bebaut werden. Ich bin dagegen“, sagte Lesertreff-Besucherin Sandra Steinbach aus Eichwald.

Rubriklistenbild: © HNA/Koch

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