HNA-Markt: Zweimal Rembrandt in Kopie

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Stilgetreu: Die Detailaufnahmen zeigen die sorgfältige Ausarbeitung der beiden Ölgemälde.

Es soll Menschen geben, denen es egal ist, was an ihrer Wohnzimmerwand hängt. Andere haben ganz bestimmte Vorstellungen.

Für den Vater von Rainer Döring war klar: Ein Rembrandt musste es sein, der sein Zuhause ziert. „Mein Elternhaus wurde in den 50er-Jahren gebaut. Im Wohnzimmer gab es eine sehr lange Bücherwand. Und in einer Aussparung hing das Bild und zog sofort alle Blicke auf sich“, erzählt Rainer Döring.

Die Rede ist von einem Ölgemälde, das unter dem Namen Apostel Thomas bekannt ist. Genau das hatte sich sein Vater ausgesucht. Einige Jahre später kam ein berühmtes Pendant hinzu: Ein Porträt – das Porträt! – der Saskia, Ehefrau des niederländischen Malers, schmückte fortan die Wand gegenüber.

Beide Gemälde kamen mit dem Tod seiner Mutter vor drei Jahren in den Besitz von Rainer Döring. Für die großformatigen Kunstwerke – der Apostel misst 103 x 133 Zentimeter, die Saskia 86 x 107 Zentimeter – hat das Ehepaar Döring jedoch keinen adäquaten Platz in ihrer Wohnung. „Eine fachkundige Lagerung wäre sehr aufwändig“, sagt Ehefrau Brita. Deshalb hat sich Rainer Döring jetzt zum Verkauf durch eine HNA-Kleinanzeige entschlossen.

Werke eines renommierten Kopisten

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es sind keine Originalwerke des berühmten niederländischen Malers, die angeboten werden. Vielmehr hatte der Kunstliebhaber in den 1950er-Jahren den renommierten Kopisten Fritz Mühlbrecht mit der Anfertigung einer Reproduktion des „Thomas“ beauftragt. Mühlbrecht galt als Rembrandt-Spezialist und war daher häufig zu Gast im Schloss Wilhelmshöhe, wo eine der größten Sammlungen Deutschlands des holländischen Meisters zusammengeführt ist.

Im Jahr 1977 wurden dort vier Gemälde durch ein Säureattentat schwer beschädigt, darunter auch die Aposteldarstellung. Nach der Restaurierung schrieben Experten das Werk dem holländischen Maler Nicolaes Maes zu, der in Rembrandts Atelier arbeitete und dessen Stil perfekt imitierte. Die Kopie Mühlbrechts entstand im Jahr 1953.

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Die Replikation des weltberühmten Saskia-Porträts war ursprünglich für die Ehefrau des Berliner Künstlers gedacht. Allerdings verstarb diese vor Vollendung des Gemäldes. „Erst auf Anfrage meines Vaters wurde das Bildnis fertiggestellt“, erläutert Rainer Döring. Das Bild wird dominiert durch das leuchtend rote, prächtige Gewand und den gleichfarbigen, federgeschmückten Hut der jungen Frau. Vielleicht schmückt es ja bald eine Wand, an der es genug Platz um sich herum hat. (zip)

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