Bürgerbegehren

Soll die Tram raus aus der Königsstraße? Ein Pro und Kontra

Kassel. Ob künftig weiterhin fast 1000 Straßenbahnen und Regiotramzüge jeden Tag über die Königsstraße fahren werden, das sollen jetzt die Bürger der Stadt entscheiden. Dazu ein Pro und Kontra.

Die Rathausfraktion Demokratie erneuern/Freie Wähler hat am Mittwoch das Bürgerbegehren „Zukunft Königsstraße“ - also gegen Straßenbahnen in der Königsstraße gestartet.

Pro: Ohne Trams Chance für Boulevard

HNA-Redakteur Jörg Steinbach ist gegen die Straßenbahnen auf der Königsstraße

Hand aufs Herz: fast jeder, der auf der Königsstraße zu Fuß unterwegs war, hatte schon mal eine Schrecksekunde mit einer Tram. Gott sei Dank können die Straßenbahnen in langer Reihe nur noch Schritttempo fahren. Mehr geht nicht bei annähernd 1000 Fahrzeugen, die täglich im Minutentakt durch unsere Fußgängerzone rollen, die diesen Namen nicht verdient.

Dabei würde es der wichtigsten Einkaufsmeile in der Region gut anstehen, würde die Königsstraße zu einem wirklichen Boulevard zum Einkaufsbummeln und Flanieren. Unser innerstädtischer Handel kann in der beinharten Konkurrenz mit dem Internet und riesigen Erlebnis-Outlets künftig nur bestehen, wenn die Kunden in Kassels guter Stube nicht ständig vor bis zu 60 Meter langen Bahnen auf der Hut sein müssen. Sondern eine angenehme Atmosphäre finden, die Lust auf den nächsten Bummel über die Königsstraße macht. Die Tram bleibt ja mitten im Zentrum.

Es geht um gerade mal 300 Meter Fußweg vom Ständeplatz oder Scheidemannplatz bis zur Königsstraße. Das ist zu schaffen. Viele Tram-Nutzer haben es weiter, wenn sie in die Bahn einsteigen wollen. Und dass sämtliche Busse in die City nur an der Mauerstraße halten, finden auch alle in Ordnung. Keiner käme auf die Idee, mit dem Bus bis vor den Kaufhof-Eingang fahren zu wollen. Geben wir der Königsstraße die Chance, zur echten Fußgängerzone zu werden.

Auch an der Wilhelms- sowie Treppenstraße und rund um den Kulturbahnhof sowie an der neuen Friedrich-Ebert-Straße würden viele profitieren.

Kontra: Tram muss bleiben

HNA-Redakteur Werner Fritsch will, dass die Tram weiter auf der Königsstraße fährt

Dass die Straßenbahnen in Kasseldurch die Königsstraße fahren, ist für viele ein unverzichtbarer Service. Für ältere und gehbehinderte Menschen ist der Weg vom Ständeplatz oder vom Scheidemannplatz schlicht zu weit – und der Rückweg bergauf erst recht zu beschwerlich. Für einige Menschen wäre die Innenstadt ohne Tram so gut wie gar nicht mehr erreichbar. Für viele andere gilt: Man stelle sich kalte, regnerische Novembertage vor. Was für eine Zumutung, müssten die Kunden an solchen Tagen ihre Einkäufe bis zum Rand der Innenstadt schleppen! Der direkte Zugang zum Zentrum der Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist einfach ein Bürgerrecht – und da geht es nicht nur um die bequeme Erreichbarkeit von Geschäften, sondern auch um den Zugang zum Rathaus.

Demgegenüber wiegt die kleine Unbequemlichkeit, beim Überqueren der Königsstraße auf eine vorbeifahrende Tram achten zu müssen, nun wirklich nicht schwer. Eine Gefahr für die Fußgänger geht von den im Schritttempo fahrenden Bahnen schon gar nicht aus. Straßenbahnunfälle kommen in der Fußgängerzone so gut wie nie vor. Kassel sollte sich ein Beispiel an Städten wie Freiburg nehmen, die eine tramfreie Innenstadt über einen längeren Zeitraum getestet haben – und dann davon abgekommen sind, die Straßenbahn aus dem Zentrum zu verbannen.

Ein letzter Aspekt: Wer vertritt in dieser Frage eigentlich die Interessen der Straßenbahnkunden aus den Landkreiskommunen? Sie werden beim Bürgerbegehren nämlich gar nicht erst gefragt.

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