Diskussion um weniger Anstalten wird weiter gehen

Kommentar zum HR-Rückzug: Dickschiff auf der Flucht

+

Kassel. Um zu sparen, verlagert der Hessische Rundfunk (HR) die Aufzeichnungen von zwei Fernsehsendungen von Kassel nach Frankfurt. Ganz will sich der Sender aber nicht aus Nordhessen zurückziehen. Ein Kommentar.

Lesen Sie auch:

- HR dementiert Gerüchte: Studio Kassel bleibt

- Spardiktat: Nach 20 Jahren Aus fürs Studio Kassel

Das Sparprogramm des Hessischen Rundfunks macht erneut deutlich, in welchem Dilemma die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in Deutschland stecken: Das Modell, über Rundfunkgebühren die vorgeschriebene Staatsferne der Anstalten zu gewährleisten, hat ja beim lange Zeit als roter Sender bezeichneten HR genauso lange Zeit nicht funktioniert. Und der Mittelfluss per Zwangsgebühr führte über Jahrzehnte zu einer gewissen ökonomischen Sorglosigkeit.

Erst die Privatsender und zunehmend andere Produzenten von Hörfunk- oder Film- beziehungsweise Videobeiträgen machten den unbeweglichen öffentlich-rechtlichen Dickschiffen, die mit hohem Personal- und Kostenaufwand unterwegs waren, vor, wie man günstig produziert. Das Sparprogramm des HR ist also auf der einen Seite ein konsequenter Schritt. Auf der anderen Seite aber bedeutet, allen Gegenreden der HR-Spitze in Frankfurt zum Trotz, das Ganze nichts anderes als das Eingeständnis eines Investitionsirrtums in Kassel.

Hinzu kommt, dass beispielsweise beim Hörfunk der HR genau da reduziert, wo er eigentlich stark sein könnte: in der Fläche. Andere Sender, etwa der Westdeutsche Rundfunk, rüsten mit regionalen Fenstern den Tag über auf - beim HR sucht man das Heil in der Flucht. Möglicherweise aus der Erkenntnis, nicht konkurrenzfähig zu sein? So sehen wir möglicherweise den Beginn des langsamen Dahinsiechens eines Senders.

Die Diskussion um die Reduzierung der Anstalten, um den bürokratischen Apparat zu verkleinern und die Zahl der vielen Wellen im Hörfunk zu reduzieren - sie wird weitergehen. Es wird nicht die letzte schlechte Nachricht aus Frankfurt gewesen sein.

Von Horst Seidenfaden

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.