Kommentar zu Oberbürgermeistern Kassels während der NS-Zeit

Kassel. Eine Studie stuft die ehemaligen Kasseler Oberbürgermeister Branner, Seidel und Lauritzen als Opportunisten der Nazizeit ein, die eine kritische Auseinandersetzung mit ihrer Schuld haben vermissen lassen. Ein Kommentar dazu von Bastian Ludwig.

Die Studie zur NS-Vergangenheit einstiger Oberbürgermeisterwirft Schatten auf den Glanz der dekorierten Stadtoberhäupter. Vor allem die Erinnerung an Karl Branner, der in der SPD als Ikone gilt, muss korrigiert werden. Nach allem, was die Historiker herausfanden, ist auch Seidels guter Name angekratzt.

Die Forscher nennen beide eindeutig NS-belastet. Seidel wirkte an der Vertreibung der Kasseler Juden aus ihren Wohnungen mit und machte sich nach 1945 für die Rehabilitierung von Nationalsozialisten stark. Branner vertrat zugunsten seiner Karriere die NS-Ideologie und war in NS-Organisationen vernetzt. Nach dem Krieg stilisierte er sich dennoch als Gegner des Faschismus.

Alle drei Stadtoberste haben sich gewiss um Kassel verdient gemacht. Sie lenkten die Geschicke der Stadt von 1945 bis 1975 und trieben den Wiederaufbau voran. Aber: Ein Aufwiegen ihrer Verdienste gegen die Schuld aus der NS-Zeit ist unmöglich. Um über ihre Würdigungen zu befinden, sollten sie, ohne selbstgerecht zu sein, mit all ihren Widersprüchen beurteilt werden.

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