Ulrike Pflüger-Scherb über viele Altfälle

Kommentar zu langen Wartezeiten auf Missbrauchsprozesse: Nicht Schuld der Richter

Kassel. Lange Verfahrensdauern insbesondere in Fällen sexuellen Missbrauchs kritisiert Oberstaatsanwältin Andrea Boesken in ihrer Funktion als Vorstandsmitglied der Kasseler Zeugen- und Opferhilfe. Dazu ein Kommentar von HNA-Redakteurin Ulrike Pflüger-Scherb.

Ob nun Angeklagter, Opfer oder Zeuge - für kaum eine Person, die vor Gericht erscheinen muss, ist dies ein Ereignis, auf das man sich freut.

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Missbrauch: Opfer warten Jahre auf Prozess

Insbesondere für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch bedeutet eine Aussage vor Gericht in der Regel immer, das Geschehene erneut zu durchleben. Das ist mitunter sehr schmerzhaft, kann aber zur Verarbeitung der Tat beitragen. Allerdings dürfen zwischen Tat und Verhandlung nicht Jahre liegen. Das ist für die Opfer, aber auch für unschuldige Angeklagte nicht zumutbar. Davon profitieren höchstens Täter, deren Handeln aufgrund zeitlicher Erinnerungslücken nicht mehr nachweisbar ist.

Den Richtern am Landgericht kann man nicht die Schuld an den vielen Altfällen geben. Durch den Abbau von Stellen und immer komplexer werdende Verfahren ist ihre Arbeit nicht einfacher geworden. Bei allen Sparvorgaben muss sich das Land fragen, ob man auf Kosten der Rechtsstaatlichkeit sparen darf. Die Antwort lautet Nein. Null-Acht-Fünfzehn-Urteile liegen weder im Interesse der Opfer noch der Angeklagten.

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