Metalltarifstreit ist anders

Tarifstreit: Die Fronten zwischen IG Metall und Arbeitgebern sind verhärtet 

Dieser Tarifstreit ist anders. Denn dieses Mal geht es nicht ums liebe Geld allein. Ein Kommentar von Redakteur José Pinto. 

Sechs Prozent mehr hört sich viel an, ist aber nur eine verhandelbare Forderung in einem ritualisierten TarifpokerMan muss also kein Prophet sein, um sagen zu können, dass angesichts der hervorragenden Auftrags- und zumeist guten Ertragslage der Branche am Ende eine vertretbare Drei vor dem Komma stehen würde – wenn es nur ums Geld ginge.

Mit der Reduzierung der Arbeitszeit bei Teillohnausgleich für bestimmte Gruppen überschreitet die IG Metall nach Auffassung der Arbeitgeber eine rote Linie, weil sie individuelle Auszeiten auf keinen Fall mitfinanzieren wollen. Sie befürchten einen Run auf Teilzeitstellen und damit nicht nur Mehrkosten, sondern auch einen unangemessen hohen arbeitsorganisatorischen Aufwand. Und schlimmer noch: den Einstieg in eine flächendeckende 28-Stunden-Woche.

Und die Gewerkschaft kann kaum von ihrer Forderung abrücken, weil immer mehr Beschäftigte eine temporäre Arbeitszeitabsenkung wollen. Die Vereinbarkeit von Familie und Freizeit auf der einen und Beruf auf der anderen Seite ist vielen wichtiger als Geld allein. Die Fronten sind verhärtet, und nichts deutet derzeit auf eine schnelle Einigung hin. Das Land steht möglicherweise vor der schwersten Tarifauseinandersetzung seit 1984, als die IG Metall nach einem sechswöchigen Arbeitskampf die 35-Stunden-Woche durchboxte.

Die IG Metall sitzt auf einer vollen Kriegskasse und ist zu allem entschlossen, und die Streikbereitschaft der Beschäftigten ist groß. Aber auch die Arbeitgeber geben sich in der Frage der Arbeitszeitverkürzung geschlossen – noch. Denn der Forderung einer zeitweisen Reduzierung der Stundenzahl können sie sich auf Dauer kaum verschließen. Immer mehr junge Mitarbeiter machen dies bei Einstellungsgesprächen zur Bedingung. In Zeiten des Fachkräftemangels können Auszeiten und befristetes Kürzertreten echte Wettbewerbsvorteile im Kampf um die klugen Köpfe sein.

Beide Seiten müssen sich bewegen. Das wissen alle Beteiligten. Flexiblere Arbeitszeiten in beide Richtungen– also nach unten und nach oben – könnten der Schlüssel zur Einigung sein.

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