Ein traumhafter Abend

HNA-Open-Air: Tolle Musik und spektakuläres Feuerwerk

Kassel. „Happy Birthday“ wurde zwar nicht gespielt, dennoch war das HNA-Open-Air-Konzert des Staatsorchesters am Samstag die größte Geburstagsfeier, die die 1100 Jahre alte Stadt Kassel in diesem Jahr erlebt hat.

Und noch weit mehr Menschen als die 30 000 vom letzten Konzert versammelten sich vor der Orangerie, machten die Karlswiese nicht nur zum größten Auditorium weit und breit, sondern auch zum größten Picknick-Park. Bei der fünften Auflage des Konzerts kann man schon von Tradition sprechen. Neben der einmalig entspannten Gute-Laune-Atmosphäre gehört dazu mittlerweile auch das Wetter, das sich an diesem warmen Sommerabend erneut von seiner besten Seite zeigte.

Aber das Freiluftkonzert, das zu den größten seiner Art in Deutschland zählt, bot auch viel Neues, vor allem ein exquisites Programm, in das Kassels Generalmusidirektor Patrik Ringborg neben beliebten Konzerthits auch weniger bekannte Stücke gemischt hatte - die aber nicht weniger wirkungsvoll waren.

Schon das schwungvolle Eröffnungsstück, die Ouvertüre zu Michail Glinkas Oper „Ruslan und Ludmilla“ brachte, mit viel Temperament gespielt, das Publikum in Konzertstimmung. Dazu trug auch die Beschallungsanlage bei, die bis weit über die Mitte der Karlswiese für ein exzellentes Hörerlebnis sorgte, im hinteren Teil allerdings an ihre Grenzen stieß.

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Besonderen Reiz hatten diesmal die Gesangsbeiträge, die von ernster Oper bis zu Musical und Schlager reichten. Toll, wie die Mezzosopranistin Ulrike Schneider die Dramatik von Verdis „O don fatale“ aus der Oper „Don Carlo“ herüberbrachte. Ihr stand die stimmgewaltige Sopranistin Hulkar Sabirova mit der Szene „Ernani, Ernani involami“ aus der Oper Ernani, ebenfalls von Verdi, in nichts nach. Und während die Sopranistin LinLin Fan mit der nur auf Vokalen gesungenen „Vocalise“ von Rachmaninow für ein sphärisches Gesangserlebnis sorgte, packten die beiden Männerstimmen kräftig zu: Tenor Paulo Paolillo beim Filmschlager „Heute Nacht oder nie“ und Bariton Marian Pop besonders eindrucksvoll bei „Music of the Night“ aus dem Lloyd-Webber-Musical „Phantom der Oper“.

Bei den Orchesterstücken durfte natürlich Musik zum Mitsummen wie Smetanas berühmte „Moldau“ nicht fehlen. Auch Jubilar Richard Wagner (200. Geburtstag) war mit dem Vorspiel zum dritten „Meistersinger“-Akt vertreten. Doch auch eine Reihe musikalischer Entdeckungen waren zu machen, fein anmoderiert von Patrik Ringborg und Orchesterdirektorin Insa Pijanka.

Zum Beispiel Aaron Coplands ungestümes „Hoe-Down“ aus „Rodeo“ und der witzige Marsch „Calling all Workers“ des Briten Eric Coates. Und am Ende zeigte das Staatsorchester mit Khatchaturians virtuosem „Säbeltanz“, dass es bei seinem ersten Auftritt nach der Sommerpause bereits gut in Form war.

Bilder eines traumhaften Abends

HNA-Open-Air: Tausende lauschten unter freiem Himmel

HNA-Open-Air: Feuerwerk als krönender Abschluss

Das Ende war allerdings noch lang nicht das Ende. Dem lauten Jubel nach zu urteilen, erreichte das Konzert mit dem Zugabenblock erst seinen Höhepunkt. Auch in diesem Jahr durfte nämlich die Hymne der Londoner Proms-Konzerte, Sir Henry Woods „Fantasia on British Sea Songs“, nicht fehlen.

Und dabei ging über der Orangerie auch das von vielen sehnsüchtig ewartete Feuerwerk los - zuerst stiegen ganz leise roten Leuchtkugeln mit Goldschweif auf, um sich dann bis zum abschließenden „Rule Britannia“ zu einer atemberaubenden Choreografie zu steigern, die Kassels Nachthimmel in den schönsten Farben erstrahlen ließ.

Auch dann war noch nicht Schluss: Zur Strauss-Polka „Unter Donner und Blitz“ gab auch der Feuerwerker ein eindrucksvolle Zugabe, und erst nach einem allerletzten Orchesterstück, Paul Linckes „Berliner Luft“, ging dieser unvergessliche Abend zu Ende.

Von Werner Fritsch

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