Nachruf: HNA-Redaktion trauert um Peter Ketteritzsch

Peter Ketteritzsch. 

Peter Ketteritzsch ist tot. Ein Anruf der Polizei brachte am Freitagnachmittag die Gewissheit. Das bange Hoffen auf ein wundersames Ende, das alle, die ihm verbunden waren, seit seinem Verschwinden am Samstag davor in ihren Herzen trugen, es zerplatzte.

Peter Ketteritzsch wurde in einem Naturschutzgebiet im Kaufunger Wald bei einer erneuten Suchaktion der Polizei gefunden. Die Redaktion der HNA, in diesen Tagen von der auch öffentlich gemachten Suche ohnehin gelähmt, steht unter Schock.

Peter Ketteritzsch war ein Kind der Region, mit Herz und Seele Kaufunger, obwohl er nun schon seit Jahren mit Frau und Tochter in Lutterberg wohnte. Aufgewachsen als einziges Kind seiner Eltern in Oberkaufungen, die Stiftskirche beinahe in Reichweite. Einser-Abitur an der Herderschule, Wehrdienst, Studium in Göttingen mit einem Magister-Abschluss in Politikwissenschaft. Und seit 1991 der Journalismus.

Zunächst als freier Mitarbeiter für die Lokalredaktion aktiv, wurde das Recherchieren, Schreiben, das Spüren nach lesernahen Themen zu seiner Passion und dann zum Beruf. Ein Journalist aus Leidenschaft, erst in der Kasseler Lokalredaktion, dann in der Redaktion Kreis Kassel als deren Leiter. Wir, aber auch die Leser, verlieren einen Menschen, der diesen Teil der Lokalberichterstattung ausfüllte wie kaum ein anderer. Hohle Reden, nutzlose Debatten, allerorts in politischen Gremien zu finden, waren seine Sache nicht. Er interessierte sich für die alltäglichen Nöte und Probleme der Menschen in den Kommunen seines Verbreitungsgebietes. Noch in der Woche vor seinem Verschwinden recherchierte er wegen einer Verkehrsberuhigungsmaßnahme in der Straße "In der Rose" in Kaufungen - ein Beitrag, der für viel Wirbel sorgte. Und der am Tag seines Verschwindens erschien.

In der Redaktion war das Ansehen des 50-Jährigen eine Mischung aus Respekt und Zuneigung, der sensible Kaufunger Junge verfügte über tiefgehendes politisches Wissen, sein oft kabarettistischer Humor und seine Schlagfertigkeit ließen in mancher Tischrunde und auch in mancher Redaktionskonferenz die ernsten Themen und Diskussionen weniger ernst werden. Seine Disziplin und auch seine Ordnungsliebe waren legendär, Tugenden eines Reserveoffiziers eben.

Im Frühjahr erkrankte sein rechtes Auge. Die Wochen danach gerieten für ihn, auch aus Angst um sein Augenlicht, zur Qual. Mitte August hätte eine neuerliche Operation angestanden. Versuche, ihm in seiner Not zu helfen, gab es zuhauf. Er stürzte sich in seine Arbeit, für die Leser änderte sich nichts, sie profitierten weiter von der Arbeit dieses so talentierten, bodenständigen Mannes. Wie heftig der Kampf war, den er parallel führte, bekam kaum jemand mit. Der Kampf, den er verlor, weil die Angst siegte. Wir trauern und fassen es nicht, dass dieser wunderbare Kollege, dieses Muster für lesernahen Lokaljournalismus nicht mehr unter uns ist. Wir vermissen auch einen Menschen, dem sein nordhessisches, aufrichtiges Wesen Zugang zu all unseren Herzen geschaffen hatte.

Hinweis der Redaktion: Unter diesem Artikel geben wir ausschließlich Beileidsbekundungen frei. 

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