HNA-Leser halfen Stadt beim Herausfinden der Herkunft

HNA-Serie zu Straßennamen: Pionier vom Brasselsberg mit Rieckstraße geehrt

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Kasseler Idyll anno 1908: Die damalige Villenkolonie Gartenstadt Brasselsberg war gekennzeichnet durch ihre großen Gärten. Die Siedlung entstand ab 1870, als die damalige Bergstraße (heute Konrad-Adenauer-Straße) gebaut wurde. Einer der Initiatoren des heutigen Stadtteils war der Kasseler Architekt Carl Rieck. Das Foto entstand an der Dachsbergstraße am Brasselsberg.

Kassel. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren an 395 Straßen Zusatzschilder angebracht, die über den Namensgeber der Straße informieren. Nach Hinweisen von HNA-Lesern konnte nun die Herkunft sieben weiterer Straßennamen geklärt werden. Einer geht auf den Architekten und Pionier des Brasselsbergs zurück.

Mancher Straßenname wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Und das, obwohl sich nach einem Aufruf in unserer Zeitung etliche HNA-Leser mit Hinweisen zur Herkunft ungeklärter Namen an die Stadt gewandt hatten. So bleibt es etwa bei der Amalienstraße der Fantasie der Kasseler überlassen, auf welche Amalie in der Geschichte die Bezeichnung zurückgeht: War es die Frau des Landgrafen Wilhelm V., die Tochter eines Oberstleutnants oder – und das wäre wohl die bodenständigste Version – die Tochter eines Bierkellerbesitzers?

All diesen Leserhinweisen ist der Leiter des Stadtarchivs Dr. Stephan Schwenke nachgegangen. Keiner ließ sich eindeutig belegen.

Mehr zum Brasselsberg erfahren Sie im HNA-Regiowiki

Während sich um diese Straße weiter bloß Gerüchte ranken, konnten sieben andere zweifelsfrei geklärt werden. Dazu zählt etwa die Rieckstraße am Brasselsberg, die nach den Architekten Carl und Ludwig Rieck benannt wurde. Carl Rieck (1875 - 1919) betrieb gemeinsam mit Julius Eubell (1875-1915) ein Architekturbüro. Ihr Büro gehörte zu den Initiatoren und Investoren im Baugebiet der damaligen Villenkolonie „Gartenstadt Brasselsberg“. Diese lag seinerzeit auf dem Gebiet der ursprünglich selbstständigen Gemeinde Nordshausen.

Um die Jahrhundertwende wurden im heutigen Stadtteil Brasselsberg die ersten Häuser errichtet. Zuvor war die Bergstraße (heute Konrad-Adenauer-Straße) zur Erschließung gebaut worden.

Neben der Rieckstraße konnte das Stadtarchiv dank der Leserhinweise aber noch für weitere Straßennamen eindeutige Belege finden:

Berneburgstraße: Namensgeber ist der aus Nordshausen stammende Kaufmann, Stadtverordnete und Gründer des Bau- und Sparvereins Ferdinand Berneburg (1851-1918).

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Franzgraben: Das ist eine Verballhornung des Namens Brantsgraben oder Branthayngraben, die wiederum auf frühere Anwohner der Straße zurückgehen. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Name verschliffen. Im Kataster von 1686 ist die Straße schon unter „Frantz-Graben“ aufgeführt.

Josephstraße: Benannt nach dem um 1855 geborenen Joseph Kühne. Der Schreiner siedelte als Erster an der heutigen Straße.

Richardweg: Namensgeber des Richardwegs ist der Sohn des Grundstückseigentümers Georg Knetsch, der damals Mitte der 1880er-Jahre den Grund und Boden zur Bebauung freigab.

Siebertweg: Geht zurück auf den Wahlershäuser Kaufmann Julius Siebert (1829-1895), der auch Mitglied im Stadtrat war (1880-1895) und einer der ersten Anwohner des Villenviertels Wilhelmshöhe.

Wendelstadtstraße: Benannt nach Eduard Wendelstadt (1815-1899). Dieser war geheimer Regierungsrat und Gründer des pomologischen Gartens in Kassel (später Landwirtschaftliche Versuchsanstalt Oberzwehren).

Im Laufe des Juni sollen die Zusätze an den Straßenschildern mit den entsprechenden Hinweisen angebracht werden. Nur beim Franzgraben und dem Richardweg ist dies noch unklar, weil die Herkunft zwar geklärt ist, aber die Hintergründe noch nicht komplett erhellt sind.

Von Bastian Ludwig

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