„So schlimm war es noch nie“

HNA-Spendenaktion half 45 Familien in Hochwassergebieten

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Das Wasser stand bis zum Dach: Die Fischerei von Eckhard Panz in Hohnstorf (Niedersachsen) an der Elbe

Kassel. Die HNA hat in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und der Hessischen Staatskanzlei Spenden für die Opfer des Hochwassers im vergangenen Jahr gesammelt. Insgesamt kamen 330.000 Euro zusammen, von denen bereits 300.000 Euro ausgezahlt wurden. Wir haben mit einer betroffenen Familie aus Niedersachsen gesprochen.

Es war eines der schlimmsten Hochwasser in der Geschichte Deutschlands. Tagelange Regenfälle hatten die Pegel an Elbe und Donau im Juni 2013 steigen lassen. Elf Bundesländer waren betroffen. Häuser standen unter Wasser, der Schlamm machte sie unbewohnbar.

Auf Initiative der HNA, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der Hessischen Staatskanzlei hatten Leser dieser Zeitung und Besucher des Hessentages im vergangenen Jahr in Kassel insgesamt 330.000 Euro gespendet.

Rund 300.000 Euro wurden bereits ausgezahlt, sagt Gabriele Steiner vom DRK-Kreisverband Kassel-Wolfhagen. Mit dem Geld der Aktion konnten unter anderem 45 Familien vor allem aus Sachsen-Anhalt und Thüringen unterstützt werden.

Hintergrund: Neue Ausrüstung für Feuerwehren

Neben Familien haben auch zwei Feuerwehren aus dem thüringischen Landkreis Greiz von dem bereits ausgezahlten Geld profitiert. Sie konnten unter anderem fehlende Ausrüstungsgegenstände wie eine Tauchpumpe, ein Notstromaggregat und eine Sandsackfüllmaschine kaufen.

Auch ein Sportverein in Breitenhagen (Sachsen-Anhalt) wurde unterstützt, dessen Vereinsheim bei dem Hochwasser komplett zerstört worden war. Von dem Geld wurden vier Bürocontainer angeschafft. Die restlichen Spendengelder fließen in Fluthilfeprojekte des DRK-Bundesverbandes. (nit)

„Die Spenden gingen an die Menschen, die wirklich dringend Hilfe benötigten. Da waren viele Härtefälle dabei“, berichtet Steiner. So musste eine Familie aus Thüringen wegen des Hochwassers ihr Haus verlassen und vorübergehend in ein Ferienhaus ziehen. Dort wohnten sie im Keller sehr beengt mit ihrem vierjährigen Kind und Baby.

„Einige Leute waren sehr überrascht, dass sie tatsächlich Geld von uns bekommen“, sagt Steiner. Viele rührende Briefe hat sie erhalten. Auch Elbfischer Eckhard Panz aus Niedersachsen meldete sich bei ihr. Der 48-Jährige hat bereits einige Hochwasser erlebt. „Aber so schlimm wie im vergangenen Jahr war es noch nie“, sagt er. Hinter dem Deich in Hohnstorf im Landkreis Lüneburg stand die Elbe über neun Meter hoch. Die Fischerei von Panz versank fast komplett im Wasser. Nur das Dach schaute noch heraus. 80 seiner 300 Reusen gingen in der starken Strömung verloren. Die Aufbewahrungsbecken – in denen Panz seinen Fang lagert, bis er auf dem Wochenmarkt verkauft werden kann – waren komplett überflutet. „Sechs Wochen am Stück konnten wir nichts verkaufen. Das gab es in den vergangenen 65 Jahren nicht“, sagt Panz.

Sein Haus blieb verschont, aber das seiner Eltern an der Elbe verlor trotz Pumpen und Sandsäcken den Kampf gegen die Wassermassen. „Irgendwann muss man aufgeben und sich damit abfinden“, sagt Panz. Aufgequollene Fußböden und vollgesogene Wände im Erdgeschoss machten das Haus für drei Monate unbewohnbar.

Insgesamt entstand ein Schaden von 50.000 Euro. Die Versicherung zahlte nicht, da die Familie im Hochwassergebiet lebt. Umso mehr hat sich der Elbfischer über die finanzielle Unterstützung von 2000 Euro gefreut. Das Geld sei überwiegend in das Elternwohnhaus geflossen, sagt Panz.

Einen Großteil der Schäden hat der 48-Jährige mittlerweile selbst repariert. Trotzdem macht er sich Sorgen. In den letzten 14 Jahren hat er fünf Hochwasser erlebt und es werde immer schlimmer, betont er. Aber wegziehen kommt für Panz nicht infrage. Seine Familie lebt seit dem 17. Jahrhundert vom Fischfang an der Elbe.

Ein Leben abseits des Flusses kann er sich nicht vorstellen.

Von Nina Thöne

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